Infarkt, Diabetes, Depression: Wie bessere Nachsorge Mütter vor Krankheiten im Alter bewahrt.
MedizintalkInfarkt und Inkontinenz: Warum noch ältere Frauen unter fehlender Nachsorge leiden

Professorin Tanja Groten ist Direktorin der Klinik und Poliklinik für Geburtsmedizin an der Uniklinik Köln. Sie sagt: „Schwangerschaften lassen uns wie durch ein Fernglas auf die gesundheitliche Zukunft der Frau blicken.“
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Bluthochdruck, Herz- und Gefäßleiden, Diabetes, Beckenbodenschäden, Schwangerschaftsvergiftung, psychische Traumatisierung – nach der Geburt sind viele Frauen krank oder für die Zukunft gefährdet. Die medizinische Nachsorge, die diese Folgen verhindern könnte, existiert aber vielerorts nicht.
Die Folge: Heute leiden ältere Frauen unter chronischen Beschwerden, die bereits in der Schwangerschaft sichtbar waren – doch niemand hat sie weiterverfolgt. Ein Leben lang zahlen Frauen den Preis für fehlende Nachsorge. Wer damals mit Bluthochdruck kämpfte, wird vielleicht Herzpatientin. Wer mit Gefäßstress belastet war, trägt heute ein erhöhtes Infarkt-Risiko. Wer psychisch traumatisiert wurde, kämpft möglicherweise bis heute mit den Folgen. All das hätte sich früh erfassen und zumindest teilweise verhindern lassen.
Blutuntersuchung und Physiotherapie könnten Krankheiten verhindern
Doch wie könnte bessere Nachsorge aussehen? Regelmäßige Blutuntersuchungen, frühe Erkennung von erhöhten Cholesterinwerten und Blutdruck, gezielte Physiotherapie für Beckenboden und Rumpfstabilität, psychologische Begleitung nach traumatischen Geburten: Maßnahmen, die relativ wenig Aufwand erfordern, aber kaum umgesetzt werden.
Viele Frauen finden nicht einmal einen Arzt, der im Nachgang einer Schwangerschaft ihre Blutwerte abnimmt. Physiotherapie beispielsweise wird oft nur bei sichtbaren Dammverletzungen verordnet, obwohl unsichtbare Schäden ebenfalls eine spätere Inkontinenz auslösen können.
„Schwangerschaften lassen uns wie durch ein Fernglas auf die gesundheitliche Zukunft der Frau blicken“, sagt Professorin Tanja Groten von der Uniklinik Köln. Beim Medizintalk am 14. September um 19.30 Uhr erklärt sie im Kölner Domforum, wie dieses frühzeitige Hinsehen in Kombination mit rechtzeitiger Behandlung, Frauen vor Krankheiten im Alter bewahren kann.
Groten spricht darüber, wie ordentliche Nachsorge Leben verändern könnte – und sie stellt eine unbequeme Frage: Was sagt es über unsere Gesellschaft, wenn wir Frauen nach der Geburt im Stich lassen? Moderiert wird die Veranstaltung von Claudia Lehnen, Chefreporterin beim „Kölner Stadt-Anzeiger“. Fragen aus dem Publikum sind ausdrücklich erwünscht.
Ein Abend für alle, die selbst Mütter sind und heute unter Beschwerden leiden, deren Ursprung in der Schwangerschaft liegt. Und für alle, die verstehen möchten, warum bessere Nachsorge nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein gesellschaftliches Thema ist. Tickets für zwölf Euro zzgl. Vorverkauf gibt es bei Rausgegangen.
