„PIM“-SyndromMediziner warnen, Covid-19 kann auch für Kinder gefährlich werden

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Kind mit Maske wird untersucht Getty Images

Das „PIM”-Syndrom tritt besonders oft bei Kindern unter zehn Jahren auf.

Köln – Bislang galt, dass besonders ältere Menschen und Vorerkrankte schwer von Covid-19 betroffen sind. Kinder durchleben in aller Regel milde Verläufe. Doch neue Erkenntnisse besorgen viele Mediziner. Es geht um ein neuartiges Syndrom, das sogenannte „PIM”-Syndrom. Es sorgt dafür, dass auch Kinder stärker gefährdet sind, teilweise ins Krankenhaus müssen – mit teils sogar lebensgefährlichen Verläufen.

PIMS steht für „Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome”, es geht um eine Entzündungserkrankung verschiedener Organe bei Kindern. Es kann als Folge einer Covid-Erkrankung auftreten, selbst bei zunächst leichten oder sogar unerkannten Krankheitsverläufen. Da das kindliche Immunsystem noch nicht so ausgereift ist wie das von Erwachsenen, kann es zu einer Fehlregulationen bei der Bekämpfung einer Infektion mit Bakterien, Viren oder Pilzen kommen. Bei Kindern tritt das zum Beispiel auch nach einer überstandenen Grippeerkrankung auf.

245 Kinder und Jugendliche sind von „PIMS” betroffen

Ein typisches Symptom ist Fieber, das Kinder zwei bis vier Wochen nach der Infektion bekommen. Der Kreislauf wird instabil, dazu können Bauchschmerzen, Hautausschlag, Schleimhautentzündungen kommen – eine verzögerte, überschießende Immunreaktion auf Covid.

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Das Syndrom ist bisher relativ selten aufgetreten: Laut der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) sind bisher 245 Kinder und Jugendliche betroffen. Jungen sind mit zwei Dritteln aller Fälle bislang deutlich häufiger betroffen als Mädchen.

70 Prozent aller Patienten sind höchstens zehn Jahre alt

PIMS scheint bei etwa jedem tausendsten mit Corona infizierten Kind aufzutreten. Zwar können auch Kleinkinder an PIMS erkranken, die Mehrzahl der Patienten ist jedoch deutlich älter. Etwa 70 Prozent aller Patienten sind höchstens zehn Jahre alt. Es gibt aber auch Fälle, in denen 13-, 16- oder sogar 20-Jährige mit Pims im Krankenhaus behandelt werden.

Während in Deutschland bisher kein Kind gestorben ist, ist die Situation in den USA bedrohlicher. Die US-Seuchenbehörde zählte bereits 33 Todesfälle. Doch auch hierzulande gibt es beunruhigende Entwicklungen. Für Aufsehen sorgte der Fall eines sechsjährigen Jungen, über den das Nachrichtenmagazin „Spiegel” berichtete. Das Kind wurde im Oktober im Universitätsklinikum Essen behandelt. Sein Zustand war so kritisch, dass die Ärzte ihn mehrere Tage in ein künstliches Koma versetzen mussten. Sieben Prozent der behandelten Kinder haben laut DGPI Folgeschäden, meist Schäden des Herz-Kreislauf-Systems.

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Nun wird befürchtet, dass die Zahl der betroffenen Kinder steigt, denn gerade nehmen die Infektionen bei jungen Menschen dramatisch zu. Durch die neue Mutante wird das Coronavirus immer häufiger von Kindern und Jugendlichen übertragen. Die Zahlen stiegen bei Jugendlichen unter 15 Jahren momentan „sehr rasant”, sagte RKI-Chef Lothar Wieler vergangene Woche. Während die Inzidenz der Kinder und Jugendlichen bis 14 Jahre Mitte Februar noch bei 36 lag, ist sie einen Monat später bereits auf 83 geklettert – Tendenz steigend. In der Folge erwarten Mediziner auch mehr PIMS-Fälle.

Trotzdem ist das noch kein Grund zur Panik. Das Risiko bleibt gering, da PIMS eine seltene Komplikation ist. Zudem gibt es „hervorragende Behandlungsmöglichkeiten”, sagt der Kinderkardiologe Nikolaus Haas vom Klinikum der Universität München dem RBB. Deshalb sollten Kinder, die nach einer möglichen Covid-Infektion plötzlich Fieber und starke Krankheitsgefühle haben, von einem Kinderarzt untersucht werden.

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