Mehr als 2200 Menschen sind laut RKI in NRW bereits unter dem Einfluss großer Hitze gestorben. Nun gibt es Forderungen an die Politik.
Schätzung des RKIBereits jetzt mehr Hitzetote in NRW als in den Jahren zuvor

Ein Notfall-Arztrucksack steht in einer Hausarztpraxis. (Symbolbild)
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Wegen hoher Temperaturen sind in diesem Jahr bisher fast 2300 Menschen in Nordrhein-Westfalen nach Schätzung des RKI gestorben. Das sind bereits jetzt mehr Hitzetote als in jedem der vollen Kalenderjahre seit 2016. Der bisherige NRW-Höchstwert in den vergangenen zehn Jahren waren laut den RKI-Daten 2260 Hitzetote im Jahr 2018.
Die Zahl der hitzebedingten Sterbefälle bis zum 19. Juli wird in NRW auf 2.270 geschätzt, wie aus dem aktuellen RKI-Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität hervorgeht. Bundesweit geht das RKI von 9.800 Hitzetoten aus. Bisher war die Schätzung von 1.230 Hitzetoten in NRW bis 28. Juni bekannt.
Der Großteil der hitzebedingten Sterbefälle 2026 - bundesweit über 5.000 - geht dem RKI-Bericht zufolge auf die heißen Tage in der zweiten Junihälfte zurück, als es bei der Hitzewelle zu Temperaturen um die 40 Grad kam. Große Hitze ist besonders für ältere Menschen gefährlich. Teilweise führt ein Hitzschlag zum Tod, meist sei die Ursache jedoch eine Kombination aus Hitzeexposition und bestehenden Vorerkrankungen, heißt es vom RKI.
Forderung von Patientenschützern
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert mehr Geld sowie rechtliche Vorgaben von Bund und Ländern. „Es braucht 30 Milliarden Euro, sonst leiden weiterhin Pflegeheimbewohner und Krankenhauspatienten“, sagte Vorstand Eugen Brysch. So könnten Gebäude an klimatische Bedingungen angepasst werden. Bei Neubauten dürfe die Raumtemperatur 25 Grad nicht überschreiten. Das gelinge nur, wenn die Schutzvorkehrungen baurechtlich verankert würden.
Dramatische Folgen
NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) erklärte mehrfach, Hitzewarnungen müssten wesentlich ernster genommen werden. Die Extremwerte um die 40 Grad von Ende Juni hätten deutlich vor Augen geführt, dass Hitze genauso gefährlich sein könne wie Hochwasser oder andere Unwetter. Laumann hat im Landtag ein Konzept angekündigt, wie die Klimatisierung in Institutionen der Langzeitpflege oder vergleichbaren Wohnformen vom Land gefördert werden könne. In die Krankenhäuser sei viel Geld auch für dieses Thema geflossen.

NRW-Gesundheitsminister Laumann hält die Hitze für gefährlich. (Archivbild)
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Hitze schwächt sich ab, kommt aber zurück
Nach einer Prognose des Deutschen Wetterdienstes wird es in NRW in den kommenden Tagen etwas kühler. „Das Wochenende ist zum Durchatmen gemacht“, sagte ein Meteorloge des DWD. Aber bereits Montag und Dienstag seien dann wieder Temperaturen zwischen 30 und 35 Grad zu erwarten.
Verhaltenstipps
„Stündlich ein Glas Wasser trinken“ gehört zu den Verhaltenstipps zum Schutz vor Überhitzung des NRW-Gesundheitsministeriums. Kleine Portionen und leichte Kost essen ist ein weiterer Tipp. Den Körper aktiv kühlen und dabei kühles Wasser, Fächer oder Ventilator nutzen, all das wird ebenfalls empfohlen. Mit Ärzten sollte über den Umgang mit Medikamenten gesprochen werden. Auch auf Kopfbedeckung und Sonnenschutz wird nochmals hingewiesen.

Wasser läuft aus einem Trinkwasserbrunnen. (Symbolbild)
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Kühle Orte aufsuchen
Ist es in der Wohnung oder unterwegs heiß, können kühle Orte aufgesucht werden. Die Spannbreite reicht dabei vom Schatten alter Bäume und Parks über Bibliotheken und Kirchen bis hin zu Trinkbrunnen und Wasserspielplätzen, wie aus Übersichten von Kommunen hervorgeht. Auf dem Umweltportal NRW sind Links zu kommunalen Karten mit diesen Rückzugsorten zusammengestellt. Viele Kommunen weisen bereits kühle Orte in ihren Hitzeaktionsplänen aus.
Auf Warnsignale achten
Ein Hitzeschlag entstehe meist nicht innerhalb weniger Stunden und kündige sich häufig an, erklärt Julia Wiedemann, Oberärztin auf der internistischen Intensivstation des Universitätsklinikums Münster. „Wenn Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen oder Konzentrationsstörungen auftreten, sollte man die Hitze sofort verlassen, einen kühlen Ort aufsuchen, den Körper aktiv kühlen und ausreichend trinken“, sagt die Medizinerin zu den Warnsignalen.
„Spätestens wenn Übelkeit oder Verwirrtheit auftreten oder sogar Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen oder eine heiße, gerötete Haut ohne Schweißbildung hinzukommen, muss umgehend der Rettungsdienst unter 112 alarmiert werden.“ Grundsätzlich wünsche sie sich vor allem, dass Menschen die ersten Anzeichen sehr ernst nehmen und sofort handeln würden, um zu verhindern, dass eine lebensbedrohliche Situation eintritt.
Selbstmessung empfohlen
Wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Nordrhein, Manfred Imbert, erklärt, kommen weiterhin etliche Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen zum Arzt. Ein Problem sei, dass blutdrucksenkende Medikamente den Blutdruck bei Hitze noch deutlich stärker senken könnten, erklärt der Hausarzt. Deshalb könne es zu vermehrten Kreislaufproblem kommen. Es gelte zu überprüfen, ob der Blutdruck nicht zu tief in den Keller falle - am besten durch eine Selbstmessung des Patienten. (dpa/red)
