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Trendland DeutschlandWarum Briten plötzlich auf Krauts stehen

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Schlaaand: Die Fußball-WM 2006 in Deutschland hat unser Image in der Welt ganz schön aufpoliert. In einer BBC-Studie schlug Deutschland Japan als Spitzenreiter aus dem Rennen um das beliebteste Land der Welt.

Fast die ganze Welt findet uns gut, spitze, um genau zu sein. Nur wir selbst mögen uns nicht so. Deutschland ist laut einer BBC-Umfrage das beliebteste Land der Welt. In der BBC-Studie aus dem vergangenen Jahr, bei der 26.000 Menschen weltweit befragt wurden, hat Deutschland Japan in der Beliebtheit vom Thron geschubst. 59 Prozent gaben an, dass Deutschlands Einfluss in der Welt vor allen Dingen positiv ist – und das obwohl Kanzlerin Angela Merkel quer durch Südeuropa von Protestierenden als Nazi karikiert wurde. Immerhin 68 Prozent der Spanier finden, dass Deutschlands Wirken in der Welt hauptsächlich positiv ist, unter den Briten sind es 78 Prozent und in Frankreich sogar 81 Prozent.

Selbstbild der Deutschen ist „ambivalent“

Die Deutschen selbst allerdings fühlen sich unwohl bei dem Gedanken, das beliebteste Volk der Welt zu sein. Das Selbstbild der Deutschen sei „ambivalent“, erklärt Dr. Jens Schneider, der sich in seiner Dissertation 'Deutsch sein. Das Eigene, das Fremde und die Vergangenheit im Selbstbild des vereinten Deutschland' eingehend mit dem Thema beschäftigt hat. „Das hat auch ein wenig mit dem Dritten Reich zu tun, also der nach wie vor ungelösten Frage, wie es möglich war, dass dieses so zivilisierte Land sich derart begeistert der Barbarei anheimgeben konnte, und ob das wohl wieder möglich wäre.“

Es liegt noch einiges im Argen

Und dann liege eben nach Meinung vieler Deutscher in der Heimat auch aktuell noch einiges im Argen, erläutert der Ethnologe: Als Beispiele nennt er „die Bildungsungerechtigkeit, der deutsche Umgang mit Zuwanderung, das präpotente Auftreten in Europa“ oder dass die Wiedervereinigung Ost- und Westdeutsche doch nicht wirklich zusammengebracht habe.

Aber der Wissenschaftler von der Universität Osnabrück betont auch, dass die Deutschen doch „ziemlich stolz auf ziemlich vieles in Deutschland“ seien: „Der Wiederaufbau-Mythos, das Grundgesetz, dass Deutschland ein sicheres und gut funktionierendes Land ist, dass wir so gut aus der Finanzkrise rausgekommen sind, auf unser Brot und unser Bier, dass wir so erfolgreich demokratisch geworden sind und Populisten bei uns nie wirklich auf einen grünen Zweig kommen, auf Bayern München, auf die drei WM-Titel.“

Positives Echo ist uns unangenehm

In seiner Dissertation hat der Ethnologe herausgearbeitet, dass die befragten Deutschen „ein sehr positives Bild von Deutschland, ein eher negatives Bild von ‚den Deutschen‘ und - daraus folgend - ein positiv-ambivalentes Bild von sich selbst als Deutschen hatten.“ Mit dieser zweideutigen Selbstwahrnehmung scheinen wir uns abgefunden zu haben. Das positive Echo in der Welt? Ist uns irgendwie unangenehm. Da müssen erst die Briten kommen und uns vor Augen halten, was die Deutschen zu einem sogar nachahmenswerten Volk macht.

Experiment „Make me a German“

Die BBC hat diesem Thema eine ganze Dokumentation gewidmet. Der Titel: „Make me a German“. Warum das erstrebenswert sein sollte? „Die Deutschen gewinnen im Fußball, sie sind die ersten am Strand (...) und die Beschäftigungsrate ist auf einem Rekordniveau“, heißt es in der Doku. Ein Londoner Paar, Bee und Justin Rowlatt, hat es sich darin zur Aufgabe gemacht, das Leben der deutschen Durchschnittsfamilie zu führen: Als Sabine und Thomas Müller wohnen sie in einer 70er-Jahre-Wohnung zur Miete, sparen ihr Geld und fahren Golf.

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Das Leben einer deutschen Durchschnittsfamilie

Für das zweiwöchige Experiment tauschen die beiden mit zweien ihrer vier Kinder die Metropole London gegen, nun ja, das etwas beschaulichere Nürnberg ein. Dass sie insgesamt mehr Zeit als Familie verbringen als auf der Insel, bewerten die beiden als positiv. Der Grund hierfür liegt laut Dokumentation darin, dass die Deutschen weniger, aber produktiver arbeiten und gleichzeitig auch noch mehr verdienen. Auch vom deutschen Gemeinschaftssinn – Stichwort Fußball und Vereine – und dem Phänomen des Waldkindergartens sind sie beeindruckt.

Die meisten deutschen Mütter sind Hausfrauen

Allerdings: Bee Rowlatt muss sich mit einem Leben als Hausfrau anfreunden und bleibt wie zwei Drittel der deutschen Mütter zu Hause. Ihre Aufgaben: Die Mahlzeiten zubereiten und täglich ein Arbeitspensum von rund vier Stunden Hausarbeit bewältigen – nicht gerade die Traumvorstellung der Autorin.

Den Sportteil auf der Toilette lesen

Ihr Partner, der Journalist Rowlatt, wundert sich unterdessen über die Arbeitsmoral in dem mittelständischen Unternehmen, einer Bleistiftfabrik, in der er nun angestellt ist: Zu spät kommen? Zwischendurch eine private Nachricht mit dem Handy verschicken? Ist in dem Betrieb nicht gern gesehen. Als Durchschnittsdeutscher liest er außerdem jeden Morgen den Sportteil der Zeitung auf der Toilette, isst viel Schweinefleisch und nach getaner Arbeit genehmigt er sich sein Feierabendbier.

Klingt nicht gerade charmant? Trotzdem liegen die Deutschen im Trend, weiß auch der Brite Adam Fletcher, der gemeinhin als neuer Teutonen-Experte gilt. Der Stützpunkt seiner Feldforschung? Berlin. Sein Blog „How to be German“ war so erfolgreich, dass er ein Buch mit dem gleichnamigen Titel herausgegeben hat.

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Deutscher werden in fünfzig Schritten

Seine Anleitung umfasst fünfzig Schritte - fast so akribisch, wie das deutsche Klischee, das er beschreibt, könnte man jetzt unken. Der Weg zum Deutsch-Sein führt laut Fletcher nicht vorbei an Trekking-Klamotten, Versicherungen und Apfelschorle. Auf der Seite „The German Quiz“ hat er außerdem einen Fragebogen entwickelt, der auswertet, wie deutsch man eigentlich ist. Eine der Fragen: „Welche der folgenden Adjektive beschreiben Ihr Verhältnis zum Recycling? – widerwillig, leidenschaftlich, engagiert oder übereifrig?“ Wer eine hohe Quote erreicht, liest dort: „Your’re as German as Pfand“.

Ein weiteres besonderes Merkmal des Deutschen laut Fletcher: Er öffnet sein Bier nicht mit einem Flaschenöffner, sondern mit allen möglichen anderen Dingen - gerne auch mit einem Schildkrötenpanzer.

Wie man Deutscher wird? Die zehn wichtigsten Schritte des britischen Autors auf dem Weg zum Deutsch-Sein lesen Sie in der Bildergalerie.