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Schülerstudentin Anika KringsLernen bis spät in die Nacht

4 min

Die 19-jährige Anika hat stets einen vollen Terminplan.

Mechernich – Der 18-jährigen Anika Krings wird schnell langweilig. Um dem vorzubeugen, hat sie gleich ihre ganze Woche verplant: Judotraining, Querflöte, Klavier, Musiktheorie, Abiturvorbereitung – und Mathestudium.

Was andere Jugendliche keine zwei Wochen durchhalten würden, ist für Anika völlig normal. „Ich bin gerne ausgelastet“, bekennt die Schülerin des Mechernicher Gymnasiums am Turmhof. Bis auf sonntags hetzt sie an allen Tagen von Termin zu Termin. „Weil sich das ein oder andere überschneidet, kann es schon mal stressig werden“, gibt sie zu. „Aber das macht mir nichts aus.“

Während andere Gymnasiasten vor allem in der Oberstufe um gute Noten kämpfen müssen, bewältigt Anika die Schule ohne Probleme. In 13 Jahren hat sie kein einziges Mal richtig für ein Fach gelernt, trotzdem wird ihr Abitur voraussichtlich einen Schnitt von 1,1 haben.

Leidenschaft für Zahlen

Davon können die meisten anderen Schüler nur träumen. Trotz der Leichtigkeit, mit der sie den Schulalltag bewältigt, hat sich Anika entschlossen, die elfte Klasse nicht zu überspringen. Grund dafür war das Latinum, auf das sie hätte verzichten müssen, das sie aber unbedingt haben möchte. Stattdessen beschloss das Mädchen, nebenbei an der Kölner Universität Mathematik zu studieren. Ein Schülerstudentenprogramm für besonders begabte Jugendliche macht dies möglich.

Ihre Leidenschaft für Zahlen und Variablen entbrannte bereits in der siebten Klasse und hat sie seitdem nicht mehr losgelassen. Mittlerweile ist Anika im vierten Semester ihres Studiums. Einmal die Woche fährt sie nach Köln, um dort Vorlesungen und Übungen zu besuchen. Anika: „Im Studium kann ich mir Faulheit nicht mehr leisten. An das Lernpensum musste ich mich erst mal gewöhnen.“ Auf der Uni sei man zudem viel mehr auf sich alleine gestellt als man es von der Schule her kenne. Und weil neben Schule, Judo und Musik tagsüber kaum noch Zeit für die Uni ist, lernt Anika auch gerne bis in die Nacht hinein.

Als Anika in der Jahrgangsstufe 11 ihr Studium begann, fiel ihr der Einstieg an der Uni schwer. So arbeitete sie mehr als 20 Stunden an ihrem ersten Arbeitsblatt und biss sich an der ersten Klausur fast die Zähne aus.

„In den meisten Kursen wurde Schulwissen vorausgesetzt, auf das ich noch gar nicht zurückgreifen konnte“, sagt sie. Folglich musste sich Anika vieles selbst beibringen, wurde dabei aber sowohl vom Programm der Uni, als auch von ihren Mitstudenten unterstützt. Von denen sei sie sofort akzeptiert worden, erzählt Anika. So kann sie sich zum Beispiel im Krankheitsfall darauf verlassen, dass ihr wichtige Arbeitsblätter von den Kommilitonen mitgebracht werden.

Bei einem so intensiven Lernpensum hat Anika Krings logischerweise nicht so viel Zeit für Freunde wie andere Jugendliche in ihrem Alter. „Was man in Mathe mehr macht, macht man weniger mit Freunden“, bilanziert sie.

Im Juni wird die 19-Jährige ihr Abiturzeugnis überreicht bekommen und sich danach voll und ganz ihrem Studium widmen. Neben Mathe will sie auch noch Musik auf Lehramt studieren, wobei das keine leichte Aufgabe sein wird. „Die Aufnahmeprüfung für diesen Studiengang ist extrem anspruchsvoll“, weiß sie.

Und obwohl Anika 2012 den ersten Platz bei „Jugend musiziert“ in der Kategorie Querflöte erlangte, übt sie immer noch täglich Klavier, Flöte und Musiktheorie, um bei der Aufnahmeprüfung nicht zu patzen. Und warum möchte sie ins Lehramt? „Die Arbeit mit Kindern macht mir einfach Spaß“, erzählt Annika.

„Wenn ich mich nicht für den Beruf des Lehrers entschieden hätte, dann wäre ich wahrscheinlich Polizistin geworden.“Bereut hat Anika ihre Entscheidung, schon so frühzeitig die Universität zu besuchen, nicht. „Viele Studenten wissen am Anfang des Studiums noch gar nicht, was da auf sie zukommt und brechen deshalb ab“, berichtet sie aus eigener Erfahrung.

„Als Schülerstudent konnte ich schon einmal ein paar Eindrücke über das Fach sammeln.“ Und natürlich hat sie auch schon einige Leistungspunkte auf ihrem Studienkonto angesammelt.