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Anonyme MorddrohungenSyrien-Flüchtling zieht Kandidatur für den Bundestag zurück

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Tarek Alaows steht vor dem Reichstagsgebäude an der U-Bahn-Haltestelle ´Bundestag». Der 2015 aus Syrien nach Deutschland geflüchtete Alaows hat nach Morddrohungen und Rassismuserfahrungen seine Kandidatur für den Bundestag zurückgezogen.

Oberhausen – Tarek Alaows, der vor fünf Jahren nach Deutschland gekommen ist, hatte große Pläne. Er wollte als erster Flüchtling aus Syrien in den Bundestag einziehen. Wollte sich dort für Menschenrechte einsetzen. Dafür sorgen, dass Migration nicht als Problem, sondern als Chance gesehen wird. „Asylrechtsverschärfungen höhlen Menschenrechte aus“, kritisierte er in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er wolle „den hunderttausenden Menschen, die auf der Flucht sind und hier mit uns leben, eine politische Stimme geben“.

Alaows fehlte zwar noch die deutsche Staatsbürgerschaft, ohne die man nicht in den Bundestag einziehen kann. Die Grünen waren aber optimistisch, dieses Problem noch lösen zu können. Aber soweit sollte es gar nicht kommen. Nach anonymen Morddrohungen gegen seine Familie hat Alaows seine Bundestagskandidatur für die Grünen in Nordrhein-Westfalen zurückgezogen. In einer Pressemitteilung spricht der 31-Jährige von einer „hohen Bedrohungslage“, weshalb er sich eine gewisse Zeit aus der Öffentlichkeit zurückziehe. Während seiner Kandidatur habe er „massive Rassismuserfahrungen“ gemacht. Andererseits sei er innerhalb und außerhalb seiner Partei auch enorm unterstützt worden.

Maas bezeichnet Drohungen als „erbärmlich“

„Dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft bedroht und damit von demokratischem Engagement abgehalten werden, dürfen wir niemals hinnehmen“, kommentierte die Integrationsstaatsministerin der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), den Rückzug. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) nannte es bei Twitter „erbärmlich für unsere Demokratie“, dass die erste Bundestagskandidatur eines Geflüchteten aus Syrien an Rassismus scheitere.

Auch die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, reagierte entsetzt. Die Drohungen gegen Alaows seien „hochgradig beschämend für unsere demokratische Gesellschaft“, schrieb sie auf Twitter. „Wir müssen uns solchen rassistischen Anfeindungen noch wirksamer entgegenstellen!“

Kandidatur im Februar bekannt gegeben

Im Februar hatte Alaows seine Kandidatur als Abgeordneter für Oberhausen und Dinslaken bekannt gegeben und damit bundesweit ein starkes Echo hervorgerufen. Sein Bewerbungsvideo wurde auf Twitter von zahlreichen Grünen-Politikern positiv kommentiert. Er habe gute Chancen auf einen aussichtsreichen Listenplatz, hieß es aus Parteikreisen.

Bei einer vom 9. bis 11. April digital geplanten Delegiertenkonferenz der NRW-Grünen wollte sein Ortsverband ihn für einen Platz auf der Bundestagsliste vorschlagen.

Im Kriegsgebiet Menschenrechtsverletzungen dokumentiert

Alaows stammt aus Damaskus und hat in seiner Heimat bis zum letzten Semester Jura studiert, einen Abschluss hat er jedoch nicht. Als Mitarbeiter des Roten Halbmondes habe er in Kriegsgebieten humanitäre Nothilfe geleistet und Menschenrechtsverletzungen dokumentiert. Dann habe er sich durch seine Arbeit und die Teilnahme an Demonstrationen zunehmend unbeliebt gemacht.

Den Ausschlag für seine Flucht habe eine Einberufung zum Wehrdienst gegeben. „Ich wollte nicht für ein Unrechtsregime kämpfen“, hat Alaows vor einigen Monaten gesagt. Schon wenige Monate nach seiner Ankunft in Deutschland sei er erneut politisch aktiv geworden und habe die selbstorganisierte Gruppe „Refugee Strike Bochum“ mitbegründet. (mit dpa)