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BaupauseDie S 11 fährt zwischen Köln-Mülheim und Bergisch Gladbach monatelang nicht

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Das Uralt-Stellwerk am Bahnübergang Tannenbergstraße in Bergisch Gladbach hat spätestens Ende der 2020er Jahre ausgedient. Die ersten Bauarbeiten für die Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik beginnen am 10. April. Foto: Guido Wagner

Zwischen Bergisch Gladbach und Köln-Mülheim werden Ersatzbusse eingesetzt. Die Bahn beginnt mit dem Bau eines neuen Stellwerks.

Rund 15.000 Pendler, die täglich auf die S-Bahn-Linie 11 zwischen Bergisch Gladbach und Köln Hauptbahnhof angewiesen sind, müssen ab Freitag, 10. April, für knapp drei Monate bis zum 3. Juli auf den Bus umsteigen. Wegen Bauarbeiten wird der Abschnitt zwischen Köln-Mülheim und Bergisch Gladbach gesperrt.

Durch den Schienenersatzverkehr wird sich die Fahrzeit mehr als verdoppeln. Der Zug braucht im Regelfall 20 Minuten, mit Bussen dürften Pendler im Berufsverkehr am Morgen vermutlich mehr als eine Stunde brauchen, um die Kölner Innenstadt zu erreichen.

Die S 11 fährt in dieser Zeit nur auf dem Abschnitt zwischen Düsseldorf-Flughafen und Köln-Mülheim und von dort weiter bis Leverkusen Mitte. Dazu hat sich die DB entschieden, weil parallel zu dieser neuen Sperrung noch bis Anfang Juli auch auf der Strecke zwischen Köln-Mülheim, Wuppertal und Hagen wegen einer Generalsanierung keine Züge fahren. „Wir machen aus der Not eine Tugend und schaffen damit in Leverkusen Mitte für Fahrgäste aus Wuppertal, Leichlingen und Opladen ein zusätzliche Fahrtmöglichkeit Richtung Köln“, sagte ein Bahnsprecher am Mittwoch.

Zwei Buslinien als Ersatzverkehr

Die DB hat als Ersatz zwei Buslinien geplant, die im 20-Minutentakt fahren sollen. Die Linie S 11A fährt den klassischen Weg parallel zur Bahnstrecke und hält an allen Stationen, die sonst mit dem Zug bedient werden. Eine zweite Buslinie (S 11B) wird im 20-Minutentakt zwischen Bergisch Gladbach und der KVB-Haltestelle Dellbrück Mauspfad pendeln. Dort kann man auf die Stadtbahnlinien 3 und 13 umsteigen. Die Linie 3 fährt über Deutz Richtung Hauptbahnhof, die 13 über den Mülheimer Bahnhof und den Wiener Platz über den Gürtel Richtung Ehrenfeld und Sülz. Diese Ergänzungslinie soll zur Entlastung beitragen.

Und noch eine Alternative haben der Verkehrsverband go.Rheinland, der Rheinisch-Bergische Kreis, der Regionalverkehr Köln und das Amt für Mobilität der Stadt Köln ersonnen. Bahnkunden können an allen S-Bahn-Stationen zwischen Bergisch Gladbach und Köln-Mülheim Nextbike-Leihräder vorfinden, um damit ein Stück des Wegs zu fahren. Die erste halbe Stunde mit dem sogenannten S 11-Bike ist für Abo-Kunden kostenlos, die ein Deutschlandticket oder eine andere Dauerkarte eines Verkehrsunternehmens in der Tasche haben, das dem Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) angehört. Jede weitere halbe Stunde kostet einen Euro.

17.03.2026 Köln. Die Ausschilderung der Radpendlerroute 2 zwischen Köln und Bergisch Gladbach wird bei einem Fototermin präsentiert. Die Route wird auch als Schienenersatzverkehr für die Verbindung nach Bergisch Gladbach beworben. Die S-Bahn-Linie 11 zwischen Bergisch Gladbach und Köln ist vom 10. April bis 3. Juli 2026 wegen Sanierungsarbeiten gesperrt.  V. Li.: Ragnar Migenda, Ascan Egerer, Thomas Schmalen, Heiko Krause, Dr. Norbert Reinkober. Foto: Alexander Schwaiger

Fahrrad statt Bahn: Voller Stolz präsentieren Vertreter der Stadt Köln, des Regionalverkehr Rheinland und von go.Rheinland am Deutzer Bahnhof die neue Ausschilderung der Radpendlerroute 2 zwischen Köln und Bergisch Gladbach. Die Route soll auch als Schienenersatzverkehr für die Verbindung nach Bergisch Gladbach dienen. Aber Vorsicht: Wer sich eines der speziellen Ersatzräder an den gesperrten S-Bahn-Stationen ausleiht, kann sie auch nur dort abgeben. Deutz gehört nicht dazu. Foto: Alexander Schwaiger

Pro Station sollen zehn Räder zur Verfügung stehen, insgesamt sind es 50. Sie können auch vorher reserviert werden. Der Haken an der Sache: Man kann sie auch nur an den Bahnhöfen entlang der S 11 abgeben, also nur zwischen Mülheim und Bergisch Gladbach. Man habe sich eigens beeilt, um die Radpendler-Route 2 zwischen Bergisch Gladbach und Deutz komplett auszuschildern, sagte ein Vertreter der Stadt Köln. Bis Deutz sollten Radler aber besser nicht fahren, weil in Mülheim mit der Sonderausleihe Schluss ist und man sich in Deutz deshalb nicht mehr auschecken kann.

Mit einer Radpendlerroute im Schienenersatzverkehr wird absolutes Neuland beschritten
Norbert Reinkober, Geschäftsführer von go.Rheinland

An dem Projekt beteiligt sind der Verkehrsverband go.Rheinland, die Städte Köln und Bergisch Gladbach, der Rheinisch-Bergische Kreis und die Regionalverkehr Köln GmbH (RVK). Die Kosten in Höhe von 17.000 Euro teilen sich je zur Hälfte der Rheinisch-Bergische Kreis und go.Rheinland. „Mit einer Radpendlerroute im Schienenersatzverkehr wird absolutes Neuland beschritten“, betont Norbert Reinkober, Geschäftsführer von go.Rheinland. „Das zeigt, wie gut im Rheinland in Fragen der Mobilität auch über Stadt- und Kreisgrenzen hinaus zusammengearbeitet wird.“ Je nachdem, wie das Angebot angenommen werde, könnten auch bei folgenden Sperrungen der Strecke wegen weitere Bauarbeiten Leihräder als Alternative zu Ersatzverkehr-Bussen eingesetzt werden, sagt René Höller, Projektmanager beim RVK.

Die Bauarbeiten stehen im Zusammenhang mit der Modernisierung der Stellwerkstechnik. In Köln-Mülheim beginnen die Arbeiten für ein neues Stellwerk mit digitaler Technik, das als wichtiger Schritt für die Digitalisierung der Schieneninfrastruktur gesehen wird. Im Kern geht es darum, die Strecken rund um den Bahnhof Mülheim mit dem europaweit einheitlichen Zugbeeinflussungssystem ETCS (European Train Control System) auszurüsten, das in den 2030er Jahren zunächst auf der internationalen Güterzugstrecke zwischen der Nordsee und Italien eine dichtere Zufolge möglich macht.

Ende der 2020er Jahre könnte digital gefahren werden

Auch die S-Bahn im Rheinland soll dann digital gesteuert werden, um mehr Züge in kürzeren Abständen fahren zu können. Dazu müssen entlang der Trasse bis Bergisch Gladbach 15 Kilometer Kabelschächte gelegt, 20 Gleisquerungen geschaffen und die gesamte Technik erneuert werden.

Es wird nicht das letzte Mal sein, dass die Strecke gesperrt werden muss. Weitere Bauarbeiten stehen in den kommenden Jahren an. „Wir starten jetzt mit dem Bau des digitalen Stellwerks in ein neues Zeitalter“, so Norbert Reinkober. „Drei Monate Sperrung sind schon eine heftige Belastung für unsere Kunden, auch für die Schülerinnen und Schüler. Deshalb haben wir uns intensive Gedanken gemacht, wie wir ein gutes Ersatzkonzept aufstellen können.“