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Amtsgericht EuskirchenVerlängerung nicht möglich – Direktorin geht in den Ruhestand

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Petra Strothmann-Schiprowski. 

Euskirchen – Fällt ihr der Abschied vom Berufsleben schwer? Petra Strothmann-Schiprowski ist hin- und hergerissen. „Ich habe immer ausgesprochen gerne gearbeitet“, sagt die Richterin. Deshalb werde der 30. Juni für sie kein einfacher Tag. „Andererseits tut es gut, die große Verantwortung loszuwerden, die meine Stelle mit sich bringt.“

Strothmann-Schiprowski ist seit 2011 Direktorin des Euskirchener Amtsgerichts. Als Richterin hätte sie mit 65 Jahren und neun Monaten den Ruhestand antreten können. Sie machte aber weiter, wie es das Gesetz zulässt. Jetzt aber ist Schluss, eine erneute Verlängerungsmöglichkeit besteht nicht. Denn an diesem Mittwoch vollendet die Juristin das 67. Lebensjahr. Und damit erreicht sie die Altersgrenze für Richterinnen und Richter.

Fast 40 Jahre Richterin

Ihr Büro im Gerichtsgebäude an der Kölner Straße ist schon weitestgehend geräumt, als sie im Gespräch mit dieser Zeitung auf ihre Zeit als Richterin zurückblickt, die im Dezember 1982 am Landgericht Bonn begann, vor nahezu 40 Jahren.

Alles zum Thema Hochwasser, Überschwemmung und Flut

1997 kam sie als Vize-Direktorin nach Euskirchen, ehe sie 2003 für acht Jahre die Leitung des Amtsgerichts Rheinbach übernahm, um schließlich an die Kölner Straße zurückzukehren, diesmal als Chefin. „Insgesamt bin ich 25 Jahre in der Behördenleitung tätig gewesen.“

170 Beschäftigte

In dieser Funktion habe ihr stets der enge Austausch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Herzen gelegen, sagt sie. „Es ist schön, wenn es gelingt, ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen und gute Lösungen zu finden, etwa bei der Geschäftsverteilung in der Behörde.“

Radke übernimmt

 Nachfolger von Petra Strothmann-Schiprowski wird Daniel Radke. Er tritt seine Stelle zum 1. Juli an. Bis dahin ist er noch Vertreter des Direktors am Amtsgericht Siegburg, wie der Euskirchener Gerichtssprecher Dr. Tobias Gülich mitteilte.

Sein künftiger Arbeitsplatz ist für Radke kein Neuland. In der Zeit von 2011 bis 2017 war er stellvertretender Direktor des Euskirchener Amtsgerichts. (ejb)  

Am Euskirchener Gericht, zu dem auch die Zentrale Mahnabteilung gehört, sind 170 Leute beschäftigt. Verantwortung zu tragen für eine große Belegschaft „ist eine Belastung, hat mir aber immer Freude gebracht“, sagt Strothmann-Schiprowski, die in Bonn wohnt, und ergänzt: „Ich bin jeden Tag gerne nach Euskirchen gefahren.“

Überwiegend Familiensachen bearbeitet

In ihrer Zeit als Behördenleiterin war sie, wie es in der Justiz vorgeschrieben ist, auch als Richterin im Einsatz. Zuletzt bearbeitete sie überwiegend Familiensachen. Das Erfüllende an dem Beruf sei, „die Leute zu befrieden“. Es sei „ein gutes Gefühl, wenn man es schafft, für die Beteiligten tragfähige Lösungen zu erarbeiten, insbesondere wenn es darum geht, Kinder-Interessen gerecht zu werden“.

Die beiden zurückliegenden Jahre wurden von Pandemie und Flut mitgeprägt. „Die Corona-Hochphase war sehr belastend. Anfangs fehlte jegliche Erfahrung, die Unsicherheit war groß. Das hat uns viel Schweiß und Organisationsarbeit gekostet. Beeindruckend war der Zusammenhalt der Kolleginnen und Kollegen“, sagt die scheidende Direktorin. Das Hochwasser hinterließ im Gerichtsgebäude kaum Spuren. Und doch erlebte die Behörde erneut schwierige Monate, denn „viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren privat erheblich betroffen“.

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Im Ruhestand will Petra Strothmann-Schiprowski Dinge tun, für die ihr in der Vergangenheit häufig die Zeit fehlte: lesen, sich um die drei Enkel kümmern, spontan verreisen. Zudem möchte sie noch ein Jahr als Prüferin im Jura-Staatsexamen tätig sein. „Und etwas Ehrenamtliches wird sich auch finden.“

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