Läufer Markus Mey aus Morsbach ist kein Mann leerer Worte: Er wollte für Wirbel in seiner neuen Altersklasse sorgen und tut genau das.
Ein bisschen WirbelMarkus Mey sammelt drei deutsche Meistertitel in drei Wochen

Die deutsche Halbmarathon-Meisterschaft in Frankfurt gewann Markus Mey.
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Wenn Markus Mey ankündigt, als Jüngster in seiner neuen Altersklasse „für ein bisschen Wirbel“ sorgen zu wollen, ist das keine Floskel, sondern eine Ansage. Seit dem Jahreswechsel läuft der Morsbacher in der Altersklasse M55 und hat gleich ein Ausrufezeichen gesetzt, das sogar in seiner beeindruckenden Läuferkarriere heraussticht: drei deutsche Meistertitel in drei Wochen. Möglich wurde dieser Geniestreich nur, weil zwei Umstände zusammenpassten: Eine vom Leichtathletikverband ungewöhnlich komprimierte Terminplanung und die Allrounder-Qualitäten eines Markus Mey, der wie kaum ein anderer zwischen den Distanzen wechseln kann.
Denn die Meisterschaftsserie war alles andere als ein Spaziergang. Zum Auftakt galt es, im niedersächsischen Uelzen in der Lüneburger Heide einen schnellen Zwei-Kilometer-Rundkurs fünfmal zu bewältigen. Nach 35:03 Minuten lief der 54-Jährige als Erster seiner Altersklasse über die Ziellinie.
Eine Woche später gewann der für das Kölner Team Milers Colonia startende Läufer bei der deutschen Meisterschaft im 50-Kilometer-Straßenlauf die zweite Goldmedaille der noch jungen Saison. 3:21:07 Stunden benötigte er für sechs Acht-Kilometer-Runden auf der flachen Strecke um den Werdersee in Bremen. Von der Weser an den Main: In Frankfurt ging es sieben Tage später bei den deutschen Halbmarathon-Meisterschaften durch die City. In 1:14:37 Stunden lief der Allrounder der Konkurrenz davon. Der Zweite folgte mit vier Minuten Rückstand.
Die gute Regenerationsfähigkeit ist ein Schlüssel zum Erfolg
Drei völlig unterschiedliche Belastungen, dicht getaktet. Doch für Mey sogar ein Vorteil: „Wer gut regeneriert und breit aufgestellt ist, profitiert davon. Von zehn auf 50 Kilometer umzuswitchen, ist für mich ein besonderer Reiz.“ Während Spezialisten auch mal eine Meisterschaft auslassen müssen, meldet sich der Vielstarter an. Neben der Organisation zählt für ihn vor allem ein Punkt: Das Training darf trotz der Meisterschaften nicht zu kurz kommen. „Sonst fehlen die Trainingskilometer“, gibt er zu bedenken.
Denn die nächste Herausforderung steht bereits in den Startlöchern: die deutschen Marathon-Meisterschaften in Hannover am 12. April. Mit nur 19 Höhenmetern zählt die Strecke zu den flachsten Deutschlands. Ideale Bedingungen also für schnelle Zeiten. Nur eine Woche später wartet der komplette Gegenentwurf in Thüringen: Die Strecke der deutschen Berglauf-Meisterschaften führt die Läufer über 13 Kilometer und rund 750 Höhenmeter, überwiegend auf Schotterwegen. Den Abschluss des zweiten Dreierblocks bilden am 2. Mai die deutschen Meisterschaften über 5000 Meter auf der Bahn in Celle.
Für den Morsbacher stehen nun drei weitere Meisterschaften an
Erneut drei Meisterschaften mit drei völlig unterschiedlichen Anforderungen. Innerhalb von acht Wochen wird der Morsbacher dann bei sechs deutschen Meisterschaften gestartet sein. „Das kann man machen, aber ich behaupte mal, das macht keiner außer mir“, sagt der 54-Jährige schmunzelnd, den eine Frage umtreibt: Wird es ihm gelingen, den Erfolg aus dem Jahr 2024 zu wiederholen? Damals gewann der ehrgeizige Athlet sechs deutsche Meistertitel in einem Jahr.
Dass Meys Erfolge keine Selbstläufer sind, zeigte der 50-Kilometer-Lauf: „So langsam wie nötig“ habe er laufen wollen, denn er hatte ja die nächste Meisterschaft im Hinterkopf. Doch dann war da dieser eine Gegner, der ihn zwang, an seine Grenzen zu gehen. Eine Minute Vorsprung blieb ihm im Ziel. Aber genau diese Unwägbarkeit macht für ihn den Reiz aus: „Man guckt zwar in die Starterlisten, aber es kann immer einer kommen, den man nicht auf der Rechnung hat.“
Wenn ich vorher gewusst hätte, dass ich pro Kilometer nur eine Sekunde schneller hätte laufen müssen, hätte ich den deutschen Rekord in Angriff nehmen können.
Fast beiläufig erfährt Mey im Zieleinlauf aus dem Lautsprecher: Nur eine Minute war er vom deutschen Altersklassenrekord entfernt. „Ich hatte mich mit den Zeiten gar nicht beschäftigt. Wenn ich vorher gewusst hätte, dass ich pro Kilometer nur eine Sekunde schneller hätte laufen müssen, hätte ich den deutschen Rekord in Angriff nehmen können“, überlegt er.
Über seine jüngsten Erfolge ist der 54-Jährige selbst am meisten erstaunt: drei Meistertitel in drei Wochen, und das bereits im März. „Das ist schon fast ein bisschen beängstigend“, sagt er und lacht. Was jetzt kommt, sei „Bonus“. Nur um im nächsten Satz anzufügen, natürlich nicht locker lassen zu wollen und zu versuchen, so viele deutsche Meistertitel wie möglich zu gewinnen.
Dank Wintervorbereitung ist Markus Mey schon früh in Topform
Doch wie erklärt Mey sich seine frühe Topform? Der Schlüssel liege in seiner Wintervorbereitung. Lange Läufe, ruhiges Tempo („Das bekommt mir gut“), kombiniert mit Aquajogging, dreimal pro Woche. Dazu zwei Spanien-Trips mit Freunden: Sport, Geselligkeit, schnelle Strecken. In Alicante lief er im Februar 33 Minuten über zehn Kilometer, die zweitbeste Zeit seiner Laufkarriere. „Ich war selbst ein bisschen überrascht, dass meine Form so früh schon so gut war“, so der Eifeler.
Dankbarkeit verspürt Mey nach der verletzungsgeprägten Zwangspause im Vorjahr. „Es fühlt sich an wie die zweite Luft“, sagt er und beschreibt, was bei ihm gerade „alles mitspielt“: Erfolge, Gesundheit, Motivation. „Lass ich es sein?“-Gedanken fallen weg. Dazu der Rückenwind durch die Erkenntnis, so gut in Form zu sein wie in den letzten drei Jahren nicht mehr.
Ab Juni richtet sich Meys Blick auch auf internationale Meisterschaften. Denn anders als national ist er international erst ab seinem Geburtstag im Juni in der Altersklasse M55 startberechtigt. Sich noch mal ein neues Ziel setzen, noch mal etwas wagen, so die Überlegungen des Morsbachers. Denn er weiß, wie es sich anfühlt, ganz oben zu stehen: Vor drei Jahren krönte er sich in Irland zum Senioren-Weltmeister im Berglauf.
Das Streckenprofil der Berglauf-WM nahe Prag entspricht seinen Stärken. Und so passt auch eine Trainingswoche am Gardasee, seinem jährlichen Trainingsspot, ins Konzept, nicht nur wegen der langen und steilen Anstiege, sondern auch als zusätzlicher Motivationsschub. Wenn alles gut läuft, soll im Herbst die Marathon-WM in Kroatien folgen. Ein grober Plan. Doch wer Mey kennt, weiß: Es bleibt selten bei der Idee.
