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BNE-Konzept100 Seiten für nachhaltige Bildung in Leverkusen

4 min
Narzissenblüte vor Schloss Morsbroich

Damit Leverkusen auch in Zukunft blüht, hat ein Arbeitskreis ein Konzept für Bildung zur nachhaltigen Entwicklung erstellt.

Seit 2021 arbeitet die Stadt an einer kommunalen Nachhaltigkeitsstrategie. Jetzt ist ein neues Konzept erschienen.

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist ein sperriger Begriff, auch die Abkürzung BNE macht das nicht wirklich greifbarer. Und doch ist das, was gemeint ist, elementar für eine lebenswerte Zukunft. Es geht darum, Menschen zu verantwortungsbewussten Entscheidungen für künftige Generationen zu befähigen.

Sich daran zu beteiligen, hat sich auch die Stadt Leverkusen vorgenommen. 2019 hatte der Stadtrat die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele als Handlungsgrundlage anerkannt und die Erstellung einer kommunalen Nachhaltigkeitsstrategie beschlossen. Zweieinhalb Jahre lang hat sich eine mehr als 50 Menschen umfassende Projektgruppe um Koordinatorin Christina Kowalczyk regelmäßig getroffen, ein Netzwerk erstellt, Aktionen ans Laufen gebracht und nun ein stadteigenes BNE-Konzept auf rund 100 Seiten vorgelegt. „Das Schöne daran ist, dass es nicht nur am Schreibtisch entstanden ist, sondern aus der Praxis“, sagt Kowalczyk. Viele Organisationen, allen voran das Naturgut Ophoven als anerkanntes BNE-Regionalzentrum, haben sich daran beteiligt und ihre bereits vorhandenen Aktionen oder bestehenden Ideen geteilt.

Viele Partner unter einem Logo: Vorstellung des BNE-Konzepts am Naturgut Ophoven.

Viele Partner unter einem Logo: Vorstellung des BNE-Konzepts am Naturgut Ophoven.

„Es geht nicht nur um Umweltschutz, sondern auch um soziale Gerechtigkeit und Ressourcenknappheit“, verdeutlicht Dezernent Marc Adomat die Bedeutung des Konzepts. Das solle nun keineswegs in einer Schublade verschwinden, ergänzt Carolin Maus, Leiterin des Fachbereichs Schulen: „Das ist kein neues Projekt, von dem man mal ein bisschen was macht und dann wieder aufhört. BNE ist eine Haltung.“ Und die solle von klein auf in die Gesellschaft gebracht werden. Und das Beste daran: „Eine Haltung kostet kein Geld“, sagt Maus. Die Kernpunkte im Überblick.

Kita und Tagespflege

In Leverkusen gibt es im Kindergartenjahr 2025/2026 insgesamt 86 Tageseinrichtungen mit 6122 Plätzen. Für diesen Bereich sind fünf Handlungsfelder vorgesehen:

Leitbilder der Träger: BNE soll in die Konzepte und Leitbilder aller Kita-Träger integriert werden – städtische wie freie. Ein Mitmachbuch des Naturpädagogik-Zentrums Naturgut Ophoven zum Thema nachhaltiger Alltag wird bereits in Kitas eingesetzt; geprüft wird, ob es auch in der Kindertagespflege genutzt werden kann. Kita-Leitungen sollen in eigenen Runden für BNE sensibilisiert werden.

Fachkräfte-Qualifizierung: BNE soll in die Ausbildung pädagogischer Fachkräfte einfließen – theoretisch und praktisch. Eine Broschüre mit vorhandenen Fortbildungsangeboten soll erstellt werden; Fachkräfte können BNE als persönlichen Arbeitsschwerpunkt wählen.

Christina Kowalczyk ist die städtische Koordinatorin des BNE-Netzwerks.

Christina Kowalczyk ist die städtische Koordinatorin des BNE-Netzwerks.

Best-Practice-Sammlung und Auszeichnungen: Nachhaltige Aktivitäten in Kitas sollen dokumentiert und sichtbar gemacht werden. Mehrsprachige Informationsmaterialien – etwa zu müllfreiem Frühstück oder Secondhand – sollen in Kitas und der Kindertagespflege ausgehängt werden. Tauschregale und Aktionstage sind geplant.

Familien einbinden: Ein BNE-Pass für Familien, der nachhaltige Aktivitäten sichtbar macht und wertschätzt, ist in Planung. Über den Stadtelternrat soll Aufklärungsarbeit geleistet werden, um Eltern als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu gewinnen.

Schule

Leverkusen hat 40 Schulen im Schuljahr 2025/2026. Hier hat der Arbeitskreis drei Handlungsfelder definiert:

BNE in Unterricht und Ganztag: BNE soll als Kernthema in schulinterne Lehrpläne einfließen. Beispielhaft wird der Lehrplan im Fach Deutsch an einer Schule überarbeitet, um BNE-Bezüge zu verankern – als Blaupause für andere. Im Ganztag sollen digitale Projektsammlungen und Pilotprojekte zu Nachhaltigkeitsthemen entstehen, zunächst an der Berufsschule für Sozialpädagogik am Berufskolleg Opladen.

Kooperationen und Beteiligung: Schülervertretungen sollen systematisch in die AG Schule eingebunden werden. Geplant ist eine schulübergreifende Zukunftswerkstatt. Jährliche Befragungen sollen messen, ob Beteiligung tatsächlich gelebt wird. Schulen kooperieren mit externen Demokratiebildungsanbietern; die Landeszentrale für politische Bildung NRW bringt 2026 europapolitische Formate für Leverkusener Grund- und weiterführende Schulen.

Lehrer-Fortbildung: Eine Übersicht bestehender BNE-Fortbildungsangebote soll erstellt werden; praxisorientierte Materialien für Lehrkräfte sind geplant. Inhouse-Schulungsformate für einzelne Schulen sollen ab 2027 entwickelt werden, unter Einbezug bestehender Angebote des Naturgut Ophoven.

Stadtweite Aktionen

Unabhängig von einzelnen Bildungsbereichen sind stadtweite Vorhaben geplant: ein Nachhaltigkeitstag für Leverkusen, gemeinsame Nachhaltigkeitsstandards für Veranstaltungen aller Netzwerkmitglieder, eine zentrale digitale Wissensplattform, die Benennung von BNE-Beauftragten in den Einrichtungen sowie gemeinsame Evaluationsinstrumente, um Fortschritte messbar zu machen. Auch die Stadtverwaltung selbst soll BNE künftig stärker in ihren eigenen Abläufen verankern.

Wichtig dabei: Das Konzept hält ausdrücklich fest, dass keine zusätzlichen Kosten entstehen sollen. Die Maßnahmen bauen bewusst auf bestehenden personellen und finanziellen Strukturen auf und sollen im Rahmen der Arbeit in den Einrichtungen und vom BNE-Netzwerk umgesetzt werden.


Ziel sind Kompetenzen für nachhaltiges Handeln

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist ein Bildungskonzept, das Menschen dazu befähigen soll, verantwortungsbewusste Entscheidungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft zu treffen. Es geht darum zu verstehen, welche Folgen das eigene Handeln für andere Menschen – heute und in künftigen Generationen – sowie für die Umwelt hat. Ziel ist nicht nur die Vermittlung von Wissen, sondern die Entwicklung von Kompetenzen: vorausschauend denken, andere motivieren, interdisziplinär urteilen und Empathie zeigen. BNE ist international in der Agenda 2030 der Vereinten Nationen verankert – konkret im vierten von 17 Nachhaltigkeitszielen, das hochwertige Bildung für alle fordert. (stes)