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AnsiedlungDie Deutsche Funkturm baut ein Haus in Leverkusen

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Bauherr Bruno Jacobfeuerborn, Projektentwickler Sven Heyden und Oberbürgermeister Stefan Hebbel legen den symbolischen Grundstein für die neue Zentrale der Deutschen Funkturm.

Bauherr Bruno Jacobfeuerborn, Projektentwickler Sven Heyden und Oberbürgermeister Stefan Hebbel (von links) legen den symbolischen Grundstein für die neue Zentrale der Deutschen Funkturm.

Der Gebäudereigen an der Bahntrasse in Opladen füllt sich. Das milliardenschwere Unternehmen braucht Platz für 300 Beschäftigte.

So etwas ist natürlich ein Festtag für einen Oberbürgermeister. Und während der Ansprache von Stefan Hebbel kam am Mittwoch sogar kurz die Sonne heraus auf dem 3200 Quadratmeter großen Bauplatz an der Werkstättenstraße. Zwischen der neuen städtischen Sporthalle und dem Werk der Deutschen Plasser lässt die Deutsche Funkturm ihren neuen Unternehmenssitz errichten. Und das weitgehend aus Leverkusener Hand: Die Projektentwicklungsgesellschaft W42 residiert ziemlich genau gegenüber, das Architekturbüro Rotterdam/Dakowski ein Stück die Straße runter. Für enge Baubetreuung ist also gesorgt, und das könnte wichtig sein: Bruno Jacobfeuerborn, Chef der Deutschen Funkturm, möchte den Neubau „in Rekordzeit“ hochziehen lassen. Nächstes Jahr soll er fertig sein.

Ein klarer Auftrag für Sven Heyden, den Chef von W42 – der Name ist nichts anderes als die Abkürzung der Adresse: Werkstättenstraße 42. Dort wird ein Gebäude errichtet, das den Bürobauten in der Nachbarschaft stark ähnelt. Das sollte auch so sein. Die Architekten von schräg gegenüber mussten das Rad hier also nicht neu erfinden. Allerdings sollen in dem auf dem Plakat nicht gerade mächtig wirkenden Baukörper 4300 Quadratmeter Platz sein, nämlich für 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Funkturm.

Darstellung der neuen Zentrale der Deutschen Funkturm auf einem Plakat

Der Bau passt in den Nachbarschaft und hat 4300 Quadratmeter Fläche: die neue Zentrale der Deutschen Funkturm an der Werkstättenstraße in Opladen.

Die hat seit ihrer Loslösung von der Deutschen Telekom zunächst in Münster residiert. Voriges Jahr wurde allerdings die Zentrale nach Leverkusen verlegt. Davon, dass der niedrige Gewerbesteuerhebesatz das Unternehmen, das rund eine Milliarde Euro Umsatz im Jahr macht, hergelockt haben könnte, war auf dem Festakt nicht die Rede. Viel mehr hob Bruno Jacobfeuerborn die verkehrsgünstige Lage und den besseren Zugriff auf Fachkräfte an der Rheinschiene hervor.

Die gute Verkehrsanbindung könnte für den Expansionskurs des Unternehmens wichtig sein. Derzeit hat es 36.200 Antennen-Standorte im Portfolio; allein in diesem Jahr sollen 1900 dazu kommen, so Jacobfeuerborn. Es gebe „einen enormen Bedarf“ an Kommunikationstechnik. Damit ist nicht nur Mobilfunk gemeint und in diesem Segment auch nicht nur die frühere Mutter Deutsche Telekom: „Die Hälfte unserer Antennen wird auch von den anderen Anbietern genutzt“, sagte Benedikt Albers, Sprecher der Deutschen Funkturm, dem „Leverkusener Anzeiger“.

Das Fundament des Baukrans

Dieses Fundament ist nur für den Baukran.

Zum reichen Erbe des Unternehmens gehören auch sämtliche Fernsehtürme in Deutschland, mit Ausnahme des Stuttgarters, über den der Südwestrundfunk gebietet. Colonius, Alex – alles Deutsche Funkturm. Gebraucht würden die Türme nach wie vor, auch wenn man so etwas heute nicht mehr bauen würde, so Albers: Vom Colonius werden nach wie vor Rundfunk- und Fernseh-Signale ausgestrahlt, aber auch die Kölner Verkehrsbetriebe und die Rheinenergie nutzen Richtfunk von dort. Auch für andere Unternehmen, die auf einem steten Datenfluss angewiesen sind, seien die Türme bedeutend, manchmal „für eine redundante Datenverbindung“ – falls also mal die Glasfaserleitung ausfällt.

Die strategische Bedeutung des Geschäfts der Deutschen Funkturm ist also erheblich. Umso mehr freut sich der Oberbürgermeister, so ein Unternehmen in der Stadt begrüßen zu können.

250 Beschäftigte sind schon da

250 der insgesamt rund 800 Beschäftigten hatten seit rund einem Jahr schon Gelegenheit, sich an Leverkusen zu gewöhnen. Auch sie haben ihre Büros derzeit in den früheren Bahngebäuden gegenüber. Das Unternehmen hat einen größeren Außendienst, rund 100 Beschäftigte blieben am ehemaligen Stammsitz in Münster, erläuterte Sprecher Albers. Die 50 Personen, die noch dazu kommen, dürften Neueinstellungen sein.

Das Unternehmen, so wurde betont, will weiter wachsen: Standorte in Österreich gehören schon zur Deutschen Funkturm. Für die weitere Expansion blicke man eher nach Osteuropa, so Albers. Das habe auch mit dem Geschäftsgebiet der Deutschen Telekom zu tun, die zum Beispiel in Tschechien und der Slowakei unterwegs sei.

Für Projektmanager Sven Heyden beginnt nach der Grundsteinlegung die heiße Phase. Rund zwei Jahre Vorlauf habe das Projekt gehabt, genau genommen sei Mittwoch, 13. Mai, nicht Tag eins, „sondern Tag 751“, so Heyden. Das sei nicht viel. Die Stadt sei sehr hilfreich gewesen, die Energieversorgung Leverkusen und die Nachbarn des Bauplatzes. Finanziert wird das Projekt von der Sparkasse Leverkusen, „deren Geld wir hier nun Schritt für Schritt ausgeben“, sagte Heyden und lächelte. Auch für den Projektentwickler war Mittwoch ein vorgezogener Feiertag.