Im Pastoralen Raum Hellenthal-Schleiden soll es künftig nur noch die neue Pfarrei St. Franziskus geben. In Hollerath, Udenbreth und Wolfert stößt das Vorhaben des Bistums auf massive Kritik.
NeustrukturierungDrei von 16 Kirchenvorständen in Hellenthal und Schleiden gegen Auflösung

Fast 80 Katholiken waren in die Hellenthaler Kirche gekommen, um mit Vertretern des Bistums über die Auflösung der Pfarreien und Kirchengemeinden zu reden.
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Leicht waren die zwei Stunden am Mittwochabend nicht für die drei Vertreter des Bistums Aachen und den Leiter des Pastoralen Raums Hellenthal-Schleiden, Pfarrer Thomas Schlütter. Denn bei einem Treffen in der Kirche St. Anna in Hellenthal mussten sie sich dem geballten Unmut der Katholiken, vor allem aus dem Höhengebiet von Hellenthal, stellen. Die sind nämlich keineswegs mit der Neustrukturierung des Pastoralen Raumes und damit der Auflösung ihrer Pfarreien und Kirchengemeinden einverstanden. Und so waren auch immer wieder empörte Zwischenrufe wie „Unverschämtheit“ aus dem Auditorium zu hören.
Es war lang erwartet worden: Am 1. August wurde das Dekret veröffentlicht, mit dem der Aachener Bischof Helmut Dieser die Auflösung der 16 Pfarreien und Kirchengemeinden des Pastoralen Raumes Hellenthal-Schleiden verfügte und gleichzeitig die Neugründung der Pfarrei St. Franziskus, die das gesamte Gebiet des Pastoralen Raumes umfasst.
Klage beim Vatikan angekündigt
Überraschend kam der Vorgang nicht. Die geplante Auflösung hatte in allen betroffenen Kirchenvorständen zur Abstimmung gestanden. 13 davon haben sich dafür ausgesprochen, drei sind dagegen: Hollerath, Wolfert und Udenbreth.
Bei der bloßen Ablehnung war es nicht geblieben. Ausführlich wurden in Briefen an den Bischof die Gründe ausgeführt und teils auch Widerstand bis hin zur Klage beim Vatikan gegen die Pläne des Bistums angekündigt. So ließ auch in der Versammlung in Hellenthal einer der Teilnehmer keinen Zweifel daran, dass er das Dekret des Bischofs für rechtswidrig halte und er diesen Weg gehen werde.

Viele Fragen gab es an Frank Rutte-Merkel (v.l.), Andrea Kett und Hannokarl Weishaupt.
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Neben dem stellvertretenden Generalvikar und Stadtpfarrer von Aachen, Hannokarl Weishaupt, waren auch Andrea Kett von der Abteilung Pastorale Räume und der Finanzexperte Frank Rutte-Merkel vom Bistum Aachen nach Hellenthal gekommen. Nachdem Kett noch einmal den Unterschied zwischen einer Pfarrei, dem pastoralen Amtsbezirk des Pfarrers, und einer Kirchengemeinde, dem öffentlich-rechtlichen Gegenstück, erklärt hatte, war es vor allem an Rutte-Merkel, über die finanziellen Folgen der Auflösung der Kirchengemeinden zu informieren.
Denn eigentlich ging es den Anwesenden weniger um die Fusion der Kirchengemeinden als vielmehr um das noch nicht existente Immobilienkonzept des Pastoralen Raumes. Zwei Hauptsorgen waren zu hören: Zum einen die Angst vor Kirchenschließungen und zum anderen die Unsicherheit über die Zukunft der Gelder, über die ihre Kirchengemeinden bisher verfügt hatten. Wobei beide Themen eng miteinander verzahnt sind, wie deutlich wurde. „Durch die Fusion wird keine Kirche geschlossen“, betonte Kett. Doch was kommt dann?
Wir stehen vor dramatischen finanziellen Herausforderungen.
Schlütter habe in der Vergangenheit bereits häufiger durchblicken lassen, dass im Pastoralen Raum Hellenthal-Schleiden in wenigen Jahren nur noch fünf Gebäude bestehen bleiben könnten, zitierten Anwesende immer wieder. Bis zum Ende schwieg Schlütter dazu, ließ Rutte-Merkel und Weishaupt reden, der freundlich und zugewandt im Ton, aber unerbittlich in der Sache die Strukturreform verteidigte.
Dann gab der Schleidener Pfarrer unmissverständlich über die finanzielle Situation des Pastoralen Raumes Auskunft: „Wir stehen vor dramatischen finanziellen Herausforderungen“, sagte er. Die Zahlen sähen furchtbar aus. „Es geht nicht mehr. Ich habe es nicht. Wir haben es auch nirgendwo auf den Konten“, sagte er. Ob die Leute glaubten, er denke sich die Sachen aus, um die Menschen zu ärgern? „Wir haben einfach nicht das Geld, um das Personal zu bezahlen“, sagte er. Es gebe die Wahl, den Küster zu bezahlen oder die Heizung zu betreiben.

Einen schweren Abend hatte Pfarrer Thomas Schlütter in Hellenthal.
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Die Vorsitzende des Rates des Pastoralen Raumes, Dr. Ursula Seeger, rief zu Eigeninitiative auf.
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So war die Sorge der Menschen aus den ehemaligen Kirchenvorständen, die Gelder ihrer Heimatpfarrei würden nun in den großen Topf der neuen Pfarrei wandern, groß. Doch hier konnte Rutte-Merkel beruhigen, auch wenn mehrere Anwesenden seinen Worten misstrauten. Er wies darauf hin, dass die Kirchengebäude in der Regel durch Fabrikfonds, eine Art Stiftung, finanziert seien, die fest zu dem jeweiligen Gebäude gehörten und von der Auflösung der Kirchengemeinde nicht betroffen seien.
Auch die freien Mittel, die sich bisher aus den Erträgen des Kapitals des Fonds gespeist und der Kirchengemeinde zur Verfügung gestanden hätten, seien davon nicht erfasst. Denn durch eine Änderung in der Finanzstruktur Anfang 2026 blieben diese Mittel im jeweiligen Fonds und würden damit nicht in die Schatulle der neuen Pfarrei wandern. So könnten diese Mittel in Zukunft für den Erhalt der Gebäude verwendet werden.
Finanzierungswege für die Kirchengebäude suchen
Viel Applaus erhielt die Vorsitzende des Rates des Pastoralen Raumes Hellenthal-Schleiden, Dr. Ursula Seeger. Sie machte auf die Möglichkeit aufmerksam, über Fördervereine Gelder zu akquirieren, die den einzelnen Gebäuden zugute kommen würden.
Die Kapelle in ihrem Wohnort Scheuren werde von einem Kapellenverein getragen. „Wenn etwas zu reparieren ist, kommt einer und repariert das“, sagte sie. Bei größeren Arbeiten werde gesammelt. „Es ist wichtig, dass die Kirchen im Dorf bleiben“, betonte sie. Die seien alle erhaltungswürdig, auch wenn das Bistum diese Kirchen auf Dauer nicht finanzieren könne. Deshalb müssten andere Finanzierungswege gesucht werden.
In vielen Wortbeiträgen machten Gläubige ihrem Unmut Luft, beklagten mangelnde Information oder äußerten Unzufriedenheit mit den augenblicklichen Zuständen. Nicht immer waren sie mit den Antworten von Weishaupt oder Rutte-Merkel zufrieden. Deutlich wurde, wie stark die Enttäuschung über die Entwicklung ist, auch wenn Weishaupt nicht müde wurde, ihre Notwendigkeit zu verteidigen.
Schlütter appellierte an die Einigkeit: „Ich habe es mir nicht ausgesucht. Das ist eine beschissene Zeit, in der wir sind, und es macht keinen Spaß.“ Aber er sei der Überzeugung, dass die Gläubigen es gemeinsam schafften, die Kirche in eine neue Zeit zu führen.
