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Hochwasser im Kreis EuskirchenVorsorgeplan verunsichert Kommunen

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Vielen Kaller Bürgern ist das Hochwasser von Juli 2011 noch gut im Gedächtnis.

Kreis Euskirchen – Hochwasser können verheerende Folgen haben. Bisweilen laufen selbst winzige Bäche über, ganze Ortschaften stehen unter Wasser, wie etwa 2007 in Bad Münstereifel-Gilsdorf.

Derzeit sorgen die vor wenigen Tagen von der Bezirksregierung Köln veröffentlichen neu berechneten Hochwasser-Vorsorgeplanungen landauf, landab für erhebliche Unruhe. Sollten sie so rechtskräftig werden, könnte das nach Einschätzung Betroffener in Einzelfällen gravierende Konsequenzen haben. Neubauvorhaben, wie sie in einem Betrieb immer mal anfallen, wären sehr schwer zu realisieren, umweltgefährliche Stoffe dürften womöglich nicht mehr im Hochwassergebieten gelagert werden.

Leere Kommunalkassen

Entsprechend fallen die Reaktionen aus. Auch die lokale Politik hat reagiert und bei der Bezirksregierung in Köln Gesprächsbedarf angemeldet. Im Dezember reisen die an Urft und Olef betroffenen vier Bürgermeister zur Bezirksregierung.

Nachfolgend soll das Problem am Beispiel der Olef-Anrainer deutlich gemacht werden. Welche Folgen die neuen „Hochwassergefahrenkarten“ und „Hochwasserrisikokarten“ haben könnten, zeigt sich besonders drastisch bei der Firma „Nierfeld Pappe“ in Gemünd-Nierfeld. Geschäftsführer Martin Uhlmann: „Das wäre eine Katastrophe für die Pappenfabrik Nierfeld.“

Das Unternehmen mit gut 30 Mitarbeitern liegt unmittelbar am Olefufer, und zwar am Unterlauf, wo der Bach bei extremen Niederschlägen durchaus zu einem reißenden Fluss werden kann. Nach neuesten Berechnungen von Fachleuten soll bei einem Jahrhunderthochwasser angeblich die Gefahr einer Überschwemmung bestehen. Das könnte sowohl für das Werk als auch für die Umwelt Gefahren bergen. Hier und da stellt sich die Frage, ob die neuen Berechnungen so tatsächlich zutreffen.

Geschäftsführer Uhlmann hat massive Zweifel: „Seit dem Bestehen des Werks, also seit 138 Jahren, ist hier noch keiner mit Stiefeln zur Arbeit gekommen.“ Damit will er ausdrücken, dass die bisherigen Erfahrungen gezeigt hätten, dass es solche Gefahren nicht gegeben habe. Er hat, wie die Bürgermeister, um einen Termin in Köln gebeten.

Vor rund einem halben Jahrhundert wurde in Hellenthal zudem die Oleftalsperre errichtet, die ihre Aufgabe, Hochwasser zurückzuhalten, bestens erfüllt. Potenziell ist damit die Überflutungsgefahr vermindert worden.

Eine Lösung könnte darin bestehen, dass die Olef-Anrainer-Kommunen die Gefahrenlage entschärfen. Beispielsweise indem sie Retentionsflächen schaffen. Das sind Gebiete am Oberlauf der Fließgewässer, zumeist Wiesen und Auen, auf denen sich die Wassermassen ausbreiten könnten, ohne Schaden anzurichten.

Solche Gebiete gibt es beispielsweise zwischen Schleiden-Oberhausen und Blumenthal. Wenn man die Retentionsflächen ausweiten oder noch ein Stück tiefer legen könnte, so dass mehr Bachwasser „zwischengeparkt“ würde, könnte man dem Hochwasser die Spitze nehmen.

„Kommunen an Urft und Olef wollen kooperieren“

In diese Richtung denkt auch Schleidens Bürgermeister Udo Meister. Aber das ist erstens nur gemeindeübergreifend möglich und zweitens problematisch angesichts der leeren Kommunalkassen. Drittens setzte das voraus, dass die weniger betroffenen Kommunen an den Fluss-Oberläufen auch für die Anwohner der Unterläufe vorsorgen, wie der Nettersheimer Bürgermeister Wilfried Pracht bestätigte: „Die Kommunen an Urft und Olef wollen kooperieren, deshalb fahren alle vier zum RP nach Köln.“

Hartwig Kaven von der Unteren Wasserbehörde des Kreises ist ebenfalls mit dem Thema befasst. Die Pappenfabrik sei der wohl markanteste Fall. Kaven verweist darauf, dass bestehende Bauwerke Bestandsschutz genießen, also auch der Pappenfabrik in Nierfeld keine unmittelbare Gefahr drohe. Zudem müsse man zuerst überprüfen, ob die nun neu ausgewiesenen Gefahrengebiete tatsächlich richtig berechnet seien. Sollte sich das bestätigen, dann könnten Neubauprojekte in solchen Gebieten allerdings problematisch werden.

Das betrifft beispielsweise das Gebiet Hargarten, unmittelbar unterhalb der Pappenfabrik. Noch in den 90er Jahren wurde dort Bauland ausgewiesen. Nach neueren Berechnungen droht dort im Extremfall Hochwasser.

In Zweifelsfällen, so Kaven, sei es vermutlich effektiver, lediglich die Immobilien wasserfest zu sichern als die gesamten Grundstücke: „Wir müssen lernen, bei Hochwasser die Objekte zu schützen.“