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Mehr WolfsberaterKreisjägerschaft Euskirchen richtet eine digitale Wolfskarte ein

8 min
Aufnahme eines Wolfs, der durch die Wildnis streift (Symbolbild)

Wie viele Wölfe, hier ein Symbolfoto, tatsächlich den Kreis Euskirchen durchstreifen, interessiert nicht nur die Jäger.

Das Land NRW hat angekündigt, künft mehr Wolfsberatende auszubilden. Zudem wurde eine engere Zusammenarbeit mit dem Lanuk vereinbart.

Nach einem Riss von zwei Schafen Ende Januar im Raum Rescheid, die auf das Konto eines Wolfs gehen könnten – Proben der Kadaver wurden ans NRW-Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (Lanuk) übermittelt –, rückt erneut das Wolfsmonitoring im Kreis Euskirchen ins Blickfeld. Und hier stehen einige Veränderungen an.

So vereinbarten jetzt das Lanuk und die Kreisjägerschaft bei einem Treffen in Euskirchen eine deutlich engere Zusammenarbeit als bisher. Das ist auch deshalb nötig, weil viele Jäger zunehmend das Gefühl hatten, dass ihre Meldungen nicht bearbeitet wurden.

Unabhängig davon werden die Jäger im Kreis aber auch ein eigenes Monitoring und in der Folge ein eigenes Wolfskataster aufbauen. Sie wollen ein realistisches Bild davon bekommen, wo zu welchem Zeitpunkt sich wie viele Wölfe aufhalten.

Jäger brauchen Wissen über Wölfe, um Abschusspläne einzuhalten

„Dabei“, so Angela Schmitz von der Kreisjägerschaft, „geht es den Jägern absolut nicht darum, dass sie Wölfe entnehmen wollen.“ Und bezieht sich damit auf den Fall, dass ein Wolfsbestand in einer Region gesichert ist und zur Regulierung ein Abschuss von Wölfen möglich würde.

Die Jäger treibt ein anderes Problem um: Für sie ist es im Hinblick auf vorgegebene Abschusspläne beim Rotwild wichtig zu wissen, wo sich Wölfe aufhalten. Denn dort, wo Wölfe sind, ändere sich gravierend das Verhalten des Rotwildes. Es werde scheuer und schließe sich etwa zu Großrudeln zusammen, was eine Bejagung schwierig bis unmöglich mache. Dadurch gerieten Jäger unter Druck, weil sie Abschusspläne nicht erfüllen könnten.

Tina Mommer wird zur „Schaltstelle“ und leitet Meldungen weiter

Betreuen werden das digitale Wolfskataster der Kreisjägerschaft die Stadtkyllerin Tina Mommer, Administratorin der Whatsapp-Gruppe „Der Wolf in der Eifel-NRW-RLP-Ostbelgien“, sowie Robin Varriale vom Hegering Hellenthal.

Mommer wird künftig als „Schaltstelle“ fungieren und die Meldungen der Jäger mit exakten Koordinaten, Angaben, Fotos, Belegen und Objekten an das Lanuk weiterleiten. Sie konnte bis jetzt schon 70 Dateien  ans Lanuk weiterreichen.

Tina Mommer schaut vor einem unscharf gestellten Hintergrund in die Kamera.

Tina Mommer soll Schaltstelle zwischen der Kreisjägerschaft und dem Lanuk werden.

Landrat Markus Ramers spricht vor einer Gruppe Menschen, die im Sitzungssaal des Euskirchener Kreishauses Platz genommen haben.

Um die Diskussionen über den Wolf im Kreis Euskirchen zu versachlichen, lud Landrat Markus Ramers Anfang Dezember zu einer Informationsveranstaltung ins Kreishaus ein. Der Andrang dazu war enorm. In der Folge kam es zu weiteren Gesprächen, die für den Kreis Euskirchen Veränderungen beim Monitoring bringen.

Varriale soll derweil die digitale Karte so gestalten, dass Bereiche, in denen Wölfe vermehrt auftreten, zwar öffentlich gezeigt werden, nicht aber die exakten Orte und Reviere. So soll Wolfstourismus verhindert werden, der manchen Revierinhabern erhebliche Probleme bereitet und unter dem das Wild leidet.

Angela Schmitz: Wichtig ist, dass Jäger mögliche Wildtierrisse melden

Wichtig für das Projekt, so Angela Schmitz, sei es, dass die Jäger die infrage kommenden Wildtierrisse melden. Das vereinbarte Verfahren betrifft aber nur Wildtierrisse und Wolfssichtungen, etwa durch Fotofallen. Bei Haus- und Nutztierrissen bleibt es beim bisherigen Meldeverfahren (siehe „Gerissene Haus- und Nutztiere“).

Auch das Land will einiges ändern. Das Monitoring des Landes, so erklärte das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr am 14. Januar in einer Sitzung des zuständigen Fachausschusses in Düsseldorf, werde vom Lanuk nach bundesweit einheitlichen Standards durchgeführt. Dabei handelt es sich in erster Linie um genetische Analysen, aus denen die vom Lanuk genannten Zahlen zum Wolfsbestand resultieren.

Vier Männer und eine Frau stehen am Wegesrand an einer Wiese. Vor ihnen ist ein Tisch aufgebaut, auf dem Koffer und eine Drohne liegen.

Angela Schmitz (2.v.r.) von der Kreisjägerschaft Euskirchen bringt sich in mehreren Bereichen ein - hier für die Kitzrettung.

Doch gerade dieses Monitoring steht seit längerem in der Kritik, wie Anfang Dezember eine öffentliche Info-Veranstaltung im Euskirchener Kreishaus verdeutlichte, in der lebhaft und kontrovers über die Rückkehr des Wolfs diskutiert wurde. Die Kreisverwaltung hatte die Veranstaltung organisiert, um alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen und die Diskussionen zu versachlichen.

Land kündigte an, mehr Wolfs- und Luchsberater(innen) auszubilden

Das Land, so die Stellungnahme des Ministeriums, nehme die vorgebrachte Kritik am Wolfsmonitoring im Kreis Euskirchen ernst. Sie gebe Anlass, die bestehenden Abläufe sowie offene Sachverhalte systematisch zu überprüfen. So kündigte das Land an, 2026 mehrere Wolfs- und Luchsberater(innen) aus dem Kreis Euskirchen auszubilden.

Damit solle ein Beitrag zu mehr Transparenz, Nachvollziehbarkeit und gegenseitigem Verständnis geleistet werden. Zugleich werde die Zusammenarbeit mit den regionalen Akteuren gestärkt. Das Wolfsmonitoring im Kreis Euskirchen werde auf dieser Grundlage beispielgebend für Nordrhein-Westfalen weiterentwickelt.

Daneben will das Lanuk noch in der ersten Jahreshälfte ein neues digitales System bereitstellen, dass eine effizientere und nachvollziehbarere Bearbeitung der eingehenden Meldungen ermögliche. Auch davon werde das Wolfsmonitoring landesweit profitieren.

Lange Bearbeitungszeit führte zu Verärgerung im Kreis Euskirchen

Vor allem die in der Regel sehr lange Bearbeitungszeit bei der fachlichen Bewertung gemeldeter Wolfshinweise und Nutztierrisse sorgte für große Verärgerung im Kreis Euskirchen. Und schürte bei vielen die Zweifel, dass die vom Lanuk genannten Zahlen den wirklichen Wolfsbestand im Kreis Euskirchen spiegeln. So gehen Landwirte und Jäger von deutlich höheren Bestandszahlen aus.

Zumal die Entwicklung durch den in den Eifelwäldern reich gedeckten Tisch, den sich schnell einstellenden Nachwuchs und die Bildung von Rudeln sehr dynamisch ist. Zudem wurden im Kreis auch außerhalb des offiziellen Rudels im Nationalpark Eifel immer wieder Wölfe mit Nachwuchs gesichtet, etwa im Raum Dahlem-Berk.

Im Nachgang zu der Informationsveranstaltung gab es Mitte Januar einen Austausch zwischen der Kreisverwaltung, der Kreisjägerschaft und der Kreisbauernschaft sowie dem Umweltministerium NRW und dem Lanuk. Hierbei wurden konkrete Schritte vereinbart, um das Wolfsmonitoring im Kreis schneller und transparenter zu gestalten. Einer dieser Schritte, so teilte der Kreis jetzt mit, sehe die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Lanuk und Kreisjägerschaft vor.

Ansprechpartner sollen Informationen ans Lanuk weitergeben

Der Kreis begrüßt es auch, dass die Zahl der Wolfs- und Luchsberater nun erhöht wird. Tatsächlich war es in der Vergangenheit so, dass allein durch die geringe Zahl der ehrenamtlich tätigen Wolfsexperten nur die Begutachtung von Nutztierrissen, nicht aber von gerissenen Wildtieren möglich war. Bereits im vergangenen Jahr hat die Ausbildung von drei weiteren Wolfberatern aus dem Kreis Euskirchen begonnen, die teils aber noch nicht abgeschlossen ist.

Die Kreisjägerschaft Euskirchen unterbreitete den Vorschlag, in jeder Kommune zwei Ansprechpersonen bereitzustellen, die Hinweise und Meldungen aus der Bevölkerung zu potenziellen Wolfssichtungen und Wildtierrissen entgegennehmen. Dazu haben die Hegeringe Leute benannt. Es wurden elf Handys beschafft, unter denen die Ansprechpersonen zu erreichen sein sollen.

Sie werden Meldungen nach vorab vereinbarten Kriterien vorfiltern und dann über das digitale Meldeformular an das Lanuk weitergeben. Die detaillierte Dokumentation der Fälle und die Sicherstellung von genetischen Proben erfolgt im Anschluss nach wie vor durch die vom Lanuk ausgebildeten und beauftragten Luchs- und Wolfsberatenden des Landes NRW.

Nur frische Wildtierrisse sollen untersucht werden

Damit die von der Kreisjägerschaft gestellten Ehrenamtler einschätzen können, welche Meldungen für das Lanuk im Rahmen des Wolfsmonitorings interessant sind und welche Merkmale auf einen typischen Wolfsriss hindeuten, will das Lanuk laut Kreisverwaltung kurzfristig im ersten Quartal 2026 eine Online-Schulung für diesen ausgewählten Personenkreis der Kreisjägerschaft Euskirchen anbieten.

In Zukunft solle es eine klare Priorisierung bei der Begutachtung von Wildtierrissen geben, bei denen der Verdacht besteht, dass sie auf das Konto von Wölfen gehen. So werden Risse von Wildtieren nur dann untersucht, wenn sie noch frisch sind. Das heißt: nicht älter als 24 Stunden.

Zwischenzeitlich hat das Lanuk auch die Möglichkeit eingeführt, gefundene Kotproben, die von Wölfen stammen können, im Rahmen eines Losungsmonitorings untersuchen zu lassen. Dazu wird nun eine Ehrenamtlerin aus dem Kreis Euskirchen vor Ort vom Lanuk in der genetischen Probenentnahme an Wolfslosungen (Kot) geschult. Dabei handelt es sich ebenfalls um Tina Mommer.

Kreis will Monitoring mit Fotofallen und Losungsuntersuchung

Unabhängig von diesen Vereinbarungen plant das Lanuk laut Kreis auch die Intensivierung des eigenen aktiven Wolfsmonitorings im Kreis Euskirchen. Dies soll durch ein gezieltes Fotofallen- und Losungsmonitoring umgesetzt werden.

Achim Blindert, Allgemeiner Vertreter des Landrats, begrüßt in einer Pressemitteilung die getroffenen Vereinbarungen. „Ich freue mich, dass wir in kurzer Zeit konkrete Verbesserungen erreichen konnten. Entscheidend ist, dass Meldungen zu möglichen Wolfsrissen jetzt zügiger abgearbeitet werden und gleichzeitig die Strukturen vor Ort gestärkt werden. Somit kann die Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren gestärkt und das Monitoring weiterentwickelt werden.“

Landrat Markus Ramers, der auch im Hinblick auf die kontroverse Diskussion in der Bevölkerung klare Abläufe und eine verlässliche, zügige Bearbeitung der Hinweise nach einheitlichen Standards gefordert hatte, zeigt sich zufrieden über die Ergebnisse der Gespräche: „Dass das Monitoring vor Ort vom Lanuk nun besser aufgestellt werden soll, ist ein Schritt in die richtige Richtung.“


Gerissene Haus- und Nutztiere können dem Lanuk gemeldet werden

Potenziell durch den Wolf verursachte Haus- und Nutztierschäden sowie Hinweise auf tote oder verletzte Wölfe sind von den zwischen dem Land und dem Kreis Euskirchen getroffenen Vereinbarungen nicht betroffen. Diese Fälle sollen weiterhin telefonisch direkt an das Lanuk gemeldet werden. Darauf weist die Kreisverwaltung hin. Die telefonische Erreichbarkeit des Lanuk sei auch außerhalb der üblichen Geschäftszeiten sowie am Wochenende und an Feiertagen durch die Nachrichtenbereitschaftszentrale NRW gewährleistet.

Um die Halterinnen und Halter von Weidetieren zu unterstützen, hat das Land Nordrhein-Westfalen die Herdenschutzförderung im August 2025 auf die gesamte Landesfläche ausgedehnt. Tierhaltungen von Schafen, Ziegen und Gehegewild in allen Regionen des Landes können dadurch finanzielle Unterstützung für wolfsabweisende Maßnahmen beantragen. Die Kosten für investive Herdenschutzmaßnahmen werden zu 100 Prozent vom Land übernommen.

Landwirtschaftskammer NRW bietet Beratung zu Schutzmaßnahmen an

Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen bietet eine ausführliche Beratung zu den möglichen Herdenschutzmaßnahmen kostenlos für alle Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter an. Auch Entschädigungen für Schäden durch Wolfsrisse an Haus- und Nutztieren werden landesweit gezahlt, wobei je nach Tierart entsprechende Anforderungen an getroffene Schutzmaßnahmen gelten.

Mögliche Nutztierrisse sollten dem Lanuk innerhalb von 24 Stunden per E-Mail unter wolf_nrw@lanuk.nrw.de oder telefonisch unter 02361/3053322 (werktags von 9 bis 16 Uhr) gemeldet werden. Außerhalb der Geschäftszeiten geht das über die Nachrichtenbereitschaftszentrale des Lanuk , Tel. 0201/714488.

Infos zum Wolf sowie gemeldete Nutztierfälle und Wolfsnachweise veröffentlicht das Lanuk online.