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Bilanz von WVER und ErftverbandHochwasserschutzkonzepte im Kreis Euskirchen schreiten voran

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Das Bild zeigt einen Bagger in der Urft in Gemünd.

Der WVER hat an den Flüssen in der Eifel schon viel getan, es gibt aber auch weiterhin noch viel zu tun. 

Der Erftverband modernisiert sein Hochwasserinformationssystem HOWIS. In der Eifel plant man indes eine neue Talsperre.

Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe vom Juli 2021 nimmt der Hochwasserschutz im Kreis Euskirchen zunehmend konkrete Formen an. Während an zahlreichen Gewässern bereits Rückhaltebecken geplant oder gebaut werden, befindet sich auch das integrierte Hochwasserschutzkonzept für Urft und Olef auf der Zielgeraden.

Nach Angaben des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER) sollen nun die einzelnen Schutzmaßnahmen dimensioniert werden. Der fertige Maßnahmenplan soll im ersten Quartal 2027 vorgestellt werden.

Prozess zum Hochwasserschutz wird noch Jahre dauern

Dem aktuellen Planungsstand ging ein mehrjähriger Prozess voraus. Seit Beginn der Hochwasserkooperation im Jahr 2022 wurden in Workshops, Fachgesprächen und Ortsbegehungen zahlreiche Maßnahmen entwickelt, bewertet und priorisiert. Zudem wurden Gewässer vermessen und hydraulische Rechenmodelle erstellt.

Daran beteiligt sind die Kommunen im Einzugsgebiet, der Kreis Euskirchen, der WVER sowie die Bezirksregierung Köln. Den aktuellen Stand stellte der WVER jetzt dem Lenkungsausschuss mit Vertretern aus Blankenheim, Dahlem, Hellenthal, Kall, Nettersheim und Schleiden vor. „Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum integrierten Hochwasserschutzkonzept ist geschafft“, sagte WVER-Vorstand Dr. Joachim Reichert.

Neue Talsperre als größte Maßnahme

Auf Grundlage der Simulationsmodelle sollen nun die konkreten Hochwasserschutzmaßnahmen festgelegt werden. Die größte Einzelmaßnahme könnte eine neue Talsperre im Mündungsbereich von Prether Bach und Platißbach werden. Sie soll nicht nur den Hochwasserschutz im Einzugsgebiet von Urft und Olef deutlich verbessern, sondern zugleich die regionale Wasserwirtschaft an die Folgen des Klimawandels anpassen.

Parallel zur Machbarkeitsstudie werden auch die Auswirkungen auf die Wasserversorgung untersucht. Noch in diesem Jahr soll die Prüfung der Umsetzbarkeit beginnen. Aussagen über einen möglichen Standort und geeignete Beckenkombinationen werden im zweiten Quartal 2027 erwartet. Darüber hinaus untersucht der WVER gemeinsam mit den Kommunen weitere Standorte für Hochwasserrückhaltebecken. Mithilfe der hydraulischen Modelle soll anschließend die wirksamste Kombination verschiedener Rückhalteräume ermittelt werden.

Der aktuelle Bearbeitungsstand entspricht unserem Zeitplan.
Dr. Joachim Reichert, Vorstand WVER

In einem zweiten Schritt werden kommunale Schutzmaßnahmen wie Deiche, Mauern oder Gewässerausbauten bewertet. Ziel ist ein Gesamtkonzept, das überörtliche und kommunale Maßnahmen optimal miteinander verbindet. „Der aktuelle Bearbeitungsstand entspricht unserem Zeitplan“, sagte Reichert. Das Konzept bilde anschließend die Grundlage für Förderanträge, weitere Planungen und die spätere Umsetzung der Schutzmaßnahmen.

Für Schleidens Bürgermeister Ingo Pfennings ist das gemeinsame Vorgehen entscheidend. „Gerade für Gemünd am Zusammenfluss von Urft und Olef kann ein wirksamer Hochwasserschutz nur durch ein interkommunales Gesamtkonzept und die konsequente Umsetzung der Maßnahmen gelingen“, betonte er.

Zahlreiche Projekte sind bereits in Arbeit

Auch im übrigen Kreisgebiet laufen bereits umfangreiche Hochwasserschutzprojekte. Am Zülpicher See entsteht unter Federführung des Erftverbands ein Abschlagsbauwerk, das bei seltenen Hochwasserereignissen Wasser in den See ableiten soll. Die Arbeiten laufen, die Fertigstellung ist für 2026 vorgesehen.

Im August soll dann endlich der Umbau des Kommerner Mühlensees zu einem Hochwasserrückhaltebecken beginnen. Zudem sind weitere große Rückhaltebecken geplant (siehe „Ein bisschen Geduld ist noch gefragt“).

Viel wurde erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun

Neu geregelt wurden nach Angaben des Erftverbands zudem die Kommunikationswege zwischen Wasserwirtschaft und Katastrophenschutz. Seit Juni gilt eine Vereinbarung zwischen Erftverband, Kreisen, Bezirksregierungen und Landesbehörden, die festlegt, wann und wie Informationen bei drohendem Hochwasser ausgetauscht werden. Ziel ist es, allen Beteiligten frühzeitig eine gemeinsame Lageeinschätzung zu ermöglichen.

Fünf Jahre nach der Flut zieht der Erftverband insgesamt eine positive Bilanz. Die interkommunale Hochwasserschutzkooperation mit inzwischen 22 Mitgliedern gilt als Vorbild für den Landespakt Hochwasserschutz Nordrhein-Westfalen. Durch gemeinsame Planungen, Bürgerworkshops und abgestimmte Konzepte seien Strukturen entstanden, die den Hochwasserschutz dauerhaft verbessern sollen.

Gleichzeitig mahnt der Verband, beim Tempo nicht nachzulassen. Für den Bau der geplanten Rückhaltebecken seien ausreichend Flächen, Fördermittel und politische Unterstützung notwendig. Nur wenn diese Voraussetzungen geschaffen würden, könnten die Schutzmaßnahmen zügig umgesetzt werden.


Auch bei Projekten des Erftverbands ist noch Geduld gefragt

Auch an anderen Gewässern im Kreis Euskirchen laufen die Planungen oder bereits die Bauarbeiten für neue Hochwasserschutzanlagen. Am weitesten fortgeschritten ist laut Erftverband das Hochwasserrückhaltebecken (HRB) am Zülpicher See. Dort wird derzeit ein Abschlagsbauwerk errichtet, das bei seltenen Hochwasserereignissen Wasser aus dem Vlattener Bach in den See leitet und so den Rotbach entlasten soll.

Die Fertigstellung ist für 2026 vorgesehen. Ebenfalls im kommenden Jahr soll der Umbau des Kommerner Mühlensees zu einem Hochwasserrückhaltebecken beginnen. Das rund 90.000 Kubikmeter fassende Becken soll bereits 2027 in Betrieb gehen.

Einige Projekte befinden sich noch in der Planungsphase

Weitere große Projekte befinden sich noch in der Planungsphase. Oberhalb von Schwerfen entsteht am Rotbach ein Hochwasserrückhaltebecken mit einem Rückhaltevolumen von mehr als 200.000 Kubikmetern. Das Genehmigungsverfahren soll in Kürze beginnen, eine Fertigstellung gilt frühestens für 2030 als realistisch.

Im Bereich der Möschemer Mühle bei Bad Münstereifel ist ein rund eine Million Kubikmeter fassendes Rückhaltebecken geplant, das gemeinsam mit dem geplanten Becken in Eicherscheid den Hochwasserschutz an der Erft verbessern soll. Der Baubeginn rückt jedoch frühestens 2032 in greifbare Nähe.

Ebenfalls bis 2032 soll oberhalb von Schweinheim am Sürstbach ein weiteres Rückhaltebecken entstehen. Es soll zusammen mit der künftig für den Hochwasserschutz optimierten Steinbachtalsperre das Risiko am Orbach und im Unterlauf der Swist verringern. Noch länger werden die Menschen auf weitere Großprojekte warten müssen: Für das Rückhaltebecken bei Vussem wird derzeit die Planung vorbereitet, eine Fertigstellung wird frühestens 2033 erwartet.

Die beiden größten Vorhaben entstehen an der Swist. Bei Liblar ist ein Becken mit einem Rückhaltevolumen von rund 1,5 Millionen Kubikmetern vorgesehen, dessen Fertigstellung frühestens 2036 möglich erscheint. Noch größer soll das HRB bei Flerzheim mit rund 1,8 Millionen Kubikmetern Rückhaltevolumen. Wegen der umfangreichen Grundstücksverhandlungen rechnen die Planer dort erst 2038 mit einer Fertigstellung.