Mit Hilfe von speziellen Drohnen wurde der Rotwildbestand in vier Eifelkommunen gezählt. Der ist mit 15,5 Tieren pro 100 Hektar viel zu hoch.
Zählung mit DrohnenRotwildbestand in den Eifelwäldern ist viermal so hoch wie empfohlen

Mit Nachtsichtgeräten und Wärmebildkameras wurde das Rotwild aufgespürt und gezählt.
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Nun haben es alle Beteiligten schwarz auf weiß: Der Rotwildbestand in den Gemeinden Blankenheim, Dahlem, Hellenthal und Nettersheim ist fast viermal so hoch wie von Experten empfohlen. Statt drei bis vier Tieren pro 100 Hektar sind es 15,5. Das ist das Ergebnis einer Befliegung von einer insgesamt knapp 40.000 Hektar großen Fläche mit modernen Wärmebilddrohnen. Nur durch eine intensivere Bejagung – da waren sich die Initiatoren der Untersuchung bei der Vorstellung in der Arenbergischen Forstverwaltung in Schleiden einig – könne man das Problem in den Griff kriegen.
„Es handelt sich um die bislang größte flächendeckende Wildzählung dieser Art in Deutschland“, betonte der Dahlemer Bürgermeister Jan Lembach. Die hohe Rotwilddichte habe Nachteile für die Forstentwicklung und sei für jeden Waldbesitzer eine Herausforderung. Sie führe zu Mindererträgen in der Holzwirtschaft, behindere die Verjüngung der Bestände und habe auch einen Einfluss auf die Artenvielfalt.
Zehn Drohnenpiloten waren in zwei Nächten im Einsatz
„Die Drohnenbefliegung mit Wärmebild- und Nachtsichtkameras liefert zum ersten Mal zuverlässige Zahlen und ist eine Grundlage für das weitere Vorgehen“, so Lembach. Man müsse jetzt überlegen, wie eine Reduzierung der Bestände erreicht werden könne, „weil es sonst für den Wald in Zeiten des Klimawandels immer schwieriger wird“.
Die Zählung wurde nach Angaben von Alexander Mohr, Geschäftsführer der Firma CopterPro, in zwei Nächten in der ersten Märzwoche von zehn Piloten durchgeführt: „Wir mussten in kürzester Zeit zählen, sonst wäre es zu Doppelzählungen gekommen, die das Ergebnis verfälscht hätten.“ Im Vorfeld habe man mit den Verantwortlichen der Dahlemer Binz und des Truppenübungsplatzes in Elsenborn Kontakt aufgenommen. Die Drohnen seien neben den Kameras auch mit Scheinwerfern und Laserentfernungsmessern ausgestattet.

Der Rotwildbestand in den Eifelwäldern ist zu hoch. Dieses Symbolbild zeigt ein kleines Kahlwildrudel im Hochwildpark in Kommern.
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Die Ergebnisse der Rotwildzählung, die mit Drohnen durchgeführt wurde, stellten Jan Lembach (r.), Alexander Mohr (3.v.r.) und Michael Lange (5.v.r.) vor.
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Das beflogene Gebiet bestehe je zur Hälfte aus Wald- und Freiflächen. „Da auch das Geschlechterverhältnis bestimmt werden sollte, mussten wir ganz genau hinschauen“, so Mohr. Weil die Drohnen nur kurz über den Tieren geflogen seien, sei das Wild nicht gestört worden. Bei den Flügen habe man eine neue Tiererkennungssoftware getestet, die seine Firma selbst entwickelt habe. Mohr ist selbst Jäger und war über viele Jahre als Berufshubschrauberpilot im Einsatz.
Michael Lange, Büroleiter des Arenbergischen Forstamtes und Rotwildsachverständiger der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildtiermanagement Zitterwald-Mürel, erklärte, dass es in der Vergangenheit zwei Formen von Zählungen gegeben habe, die aber nicht so aussagekräftig gewesen seien: „Eine Scheinwerferzählung von Hand, bei der 2025 ein Bestand von 1963 Stück Rotwild herausgekommen war, und eine Rückrechnung anhand der erlegten Tiere, die 2024/24 ein Zahl von 5220 Stück Rotwild ergeben hat.“ Es sei klar gewesen, dass der Bestand vermutlich zwischen den beiden Zahlen liege.
Gemeinde Dahlem hat inzwischen einen Berufsjäger eingestellt
„Die Drohnenbefliegung hat nun einen Wert von 3834 ergeben.“ 1204 Hirsche, 2073 Alttiere und 274 Schmaltiere seien gezählt worden. Das Geschlechterverhältnis liege bei 1 zu 2,2: „Wir haben also deutlich mehr weibliche als männliche Tiere.“ Pro 100 Hektar ergebe sich der Wert von 15,5 Tieren: „Drei bis vier Tiere pro 100 Hektar wären für den Lebensraum angebracht.“ Daher laute die Empfehlung, den Bestand zu reduzieren. Schließlich müsse man berücksichtigen, dass ein Tier pro Tag sieben Kilogramm Frischmasse benötige. Ein Grund für den hohen Bestand seien die großen Kalamitätsflächen durch Naturkatastrophen wie Stürme, Dürre oder Borkenkäferbefall, auf denen umgestürzte Bäume für reichlich Nahrung gesorgt haben.
„Die Diskussion über zu hohe Rotwildbestände gibt es schon seit Jahrzehnten“, betonte Lembach. In den 1990er- und 2000er-Jahren seien zu wenige Tiere geschossen worden: „2000 wurden in Dahlem 17 Tiere erlegt, jetzt sind es 220.“ Die Gemeinde Dahlem hat inzwischen einen Berufsjäger eingestellt.
Ein Berufsjäger sei auch kein Allheilmittel, sagte Wolfgang Schmieder, Betriebsleiter Forst bei der Gemeinde Nettersheim: „Wir brauchen eine Verhaltensänderung bei den Waldbesitzern und bei der Jägerschaft.“ Jede Kommune müsse prüfen, welche Möglichkeiten sie für eine Reduzierung der Bestände habe. Als Reaktion auf die hohen Bestände seien die Abschusszahlen bereits 2013 verdoppelt worden.
„Die Zahlen sind nicht überraschend“, sagte die Blankenheimer Bürgermeisterin Jennifer Meuren. Man habe schon mehrfach mit den Jagdpächtern gesprochen und deutlich höhere Abschusszahlen gefordert: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Das Gros der Kosten von mehreren 10.000 Euro für die Befliegung wurde von den beteiligten Kommunen getragen. Lage betonte, dass die Ergebnisse nicht so ohne weiteres auf andere Gebiete mit anderen Strukturen übertragbar seien.

