Im Freilichtmuseum Kommern verkörpert Hauswirtschafterin Monika Blaeser eine Hausfrau aus den 70ern – inklusive dem passenden Hobby Makramee.
70er-Jahre im FreilichtmuseumGelbes Plastik und der Duft nach Latschenkiefern in Kommern

Zeitgeschichte im Museum: Hauswirtschafterin Monika Blaeser entführt viele Besucherinnen und Besucher in der „coloradogelben“ Tielsa-Einbauküche in die eigene Kindheit oder Jugend der 1970er-Jahre.
Copyright: Thorsten Wirtz
Die Baugruppe „Marktplatz Rheinland“ übernimmt im LVR-Freilichtmuseum in Kommern eine immer wichtigere Aufgabe, um die Besucherinnen und Besucher auf einer ganz persönlichen Ebene anzusprechen. „Viele Gäste kennen die Ausstellungsstücke, die dort präsentiert werden, noch aus der eigenen Kindheit oder Jugend“, erläutert Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig. So verhielt es sich bei der Eröffnung des Museums 1961 auch mit den in den historischen Bauten gezeigten landwirtschaftlichen Geräten: „Dazu hatten die Leute damals noch einen Bezug, das hat sich inzwischen jedoch geändert“, so Vorwig weiter.
Während in den vier anderen regionalen Baugruppen die rheinischen Lebenswelten vom 16. bis frühen 20. Jahrhundert gezeigt werden, widmet sich der „Marktplatz Rheinland“ der Zeit von 1945 bis zur Gegenwart. „Diese Baugruppe zeigt die Urbanisierung des ländlichen Raumes, verbunden mit der Auflösung traditioneller ländlicher Ortsbilder“, so der Chef des Freilichtmuseums.
Einbauküche von 1973 weckt im Freilichtmuseum viele Erinnerungen
Daher gibt es auch viele „Aaahs“ und „Ooohs“, wenn Besucher den Bungalow Kahlenbusch betreten, der durchgehend im Stil der frühen 1960er-Jahre eingerichtet ist (siehe auch „Bungalow von 1959“).
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Alles Ton in Ton: Yoghurtbereiter, Dosenöffner und Eierkocher ...
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... sowie Mixer und Mixbecher in stylischen Gelb- und Orangetönen.
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Eine Ausnahme bildet jedoch die Einbauküche des Hauses, die jüngeren Datums ist: Sie stammt vom Markenhersteller Tielsa aus Bad Salzuflen, ist Baujahr 1973 und kommt im damals sehr angesagten „Coloradogelb“ daher. Mittendrin steht Museums-Hauswirtschafterin Monika Blaeser, die den großen und kleinen Museumsbesuchern die Küchen- und Techniktrends der damaligen Zeit vermittelt.
„Was natürlich sofort auffällt, ist die große Zahl an elektrischen Geräten, die der Hausfrau die Arbeit in der Küche erleichtern sollten“, berichtet die Hellenthalerin, die bereits seit 1987 im Museum tätig ist: „Die Ausstattung reicht vom elektrischen Dosenöffner über die Brotschneidemaschine und das elektrische Tranchiermesser bis zum Eierkocher und Yoghurtbereiter“, zählt Blaeser auf – alles farblich genau aufeinander abgestimmt. „Und so einen orangefarbenen Mixer findet man hin und wieder auch heute noch auf dem Flohmarkt.“
Die Zeitreise in die eigene Jugend funktioniert auch olfaktorisch
Ähnlich wie für viele Museumsgäste, so ist es auch für Blaeser eine Zeitreise in die eigene Jugend, wenn sie ihren Dienst im Bungalow Kahlenbusch antritt. „Es gibt auch einen ganz speziellen Duft, den ich persönlich und auch viele Gäste mit dieser Zeit verbinden“, berichtet die Hauswirtschafterin und holt eine Plastikflasche mit einer dickflüssigen, dunkelgrünen Flüssigkeit zum Vorschein: einen Badezusatz in der Duftnote „Latschenkiefer“. „Wenn ich etwas davon mit heißem Wasser aufgieße und ins Bad stelle, dann denken viele Gäste beim Reinkommen sofort an den wöchentlichen Badetag, der damals noch typisch war!“

Authentische Deko: Die Makramee-Eule ist heute wieder angesagt.
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Ganz zum Zeitgeist passt auch das Hobby, das Blaeser in ihrer Rolle als Hausfrau der 70er-Jahre im Bungalow präsentiert: „Dass ich überhaupt Zeit für so etwas habe, war damals natürlich auch neu“, spielt Blaeser auf die vielen technischen Helfer in ihrem Haushalt an: „In den vorherigen Generationen wurden alle Arbeiten von Hand erledigt, ich kann hier auch mal eine Dose Ravioli aus dem Schrank zaubern, wenn die Frage auftaucht, was wir heute kochen“, geht Blaeser voll in ihrer Rolle auf: „In meiner Freizeit kann ich mich daher zur Entspannung der Makramee-Knüpftechnik widmen.“
Die Makramee-Technik liegt 2026 wieder voll im Trend
Und wer hätte es gedacht: Damit liegt die Hausfrau aus den 70er-Jahren auch 2026 wieder voll im Trend: Bei „Instagram“ finden sich fast 900.000 Beiträge, die sich mit den kunstvoll zu Blumenampeln, Wandbehängen, Umhängetaschen oder Schmuckstücken verknoteten Garngebilden befassen, beim Do-it-yourself-Portal „Etsy“ werden Tausende in dieser Technik angefertigten Artikel zum Kauf angeboten.
„Mein Meisterstück ist zweifelsohne der Fensterbehang, der seinen Platz im Wohnzimmer des Bungalows gefunden hat“, berichtet Blaeser: „Da habe ich sicher mehr als 50 Stunden dran gearbeitet, und als Vorlage hatte ich nur ein Foto.“ Inzwischen haben ihr die Mitarbeiter aus dem Museumsteam aber auch einige zeitgenössische Bücher und Anleitungen aus den 70er-Jahren besorgt.
„Ich habe auch ein sehr schönes Makramee-Täschchen hergestellt, wie ich es selbst zu meiner Disco-Zeit dabeihatte“, berichtet Blaeser weiter: „Da waren damals ein Taschentuch, ein Lippenstift und 20 Pfennig zum Telefonieren drin.“ Heute werde das Teil von vielen Kindern und Jugendlichen sofort als „Handytasche“ identifiziert. „Ich bleibe dann allerdings stur in meiner Rolle als 70er-Jahre-Hausfrau und lasse mir erst einmal erklären, was denn so ein Handy sein soll“, erzählt die Hauswirtschafterin mit einem schelmischen Lächeln.
Die 70er-Jahre-Hauswirtschafterin ist in der Regel zweimal pro Woche im Museum anzutreffen. Tagesaktuelle Infos gibt es dazu auf der Museums-Website.
Bungalow von 1959
Die meisten Gebäude auf dem Kommerner Museumsgelände sind älter als das Museum, das im Jahr 1961 seine Pforten öffnete. Der „Bungalow Kahlenbusch“, in dem sich die schicke 70er-Jahre-Küche befindet, wurde allerdings auch schon 1959 an seinem heutigen Standort gebaut.
Geplant als Anbau für die künftige Museumsgastronomie sollten dort auch Übernachtungsgäste untergebracht werden. Nach Fertigstellung wurde der Bungalow jedoch ausschließlich als Wohnung für die Pächter der Museumsgastronomie „Haus Kahlenbusch“ genutzt.
Da keine Originaleinrichtung mehr vorhanden ist, werden in den Zimmern zeittypische Ensembles der 1960er-Jahre gezeigt. Etwa das Wohnzimmer im Neo-Chippendale-Stil, komplett mit vielen Ausstattungsgegenständen. Gestiftet wurden auch das Esszimmer mit Kirschbaummöbeln und zeittypischem Geschirr eines verstorbenen Ehepaares aus Schleiden sowie das Schlafzimmer der Familie Meltzow aus Schleiden.

