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Freude auf jecke WochenDirk Gemünd aus Mechernich ist der Bellejeck im kölschen Fasteleer

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Dirk Gemünd aus Mechernich steht in seinem Kostüm als Kölner Bellejeck vor dem Römerkanal-Denkmal am Mechernicher Rathaus.

Aus der Eifel nach Köln – das gilt für das Wasser der römischen Wasserleitung wie für den aktuellen „Bellejeck“ Dirk Gemünd, der am Römerkanaldenkmal vor dem Mechernicher Rathaus sein Kostüm präsentiert.

Er liebt den Karneval und den Nationalpark Eifel: In dieser Session verbindet Dirk Gemünd aus Mechernich seine beiden Leidenschaften.

Man kann sagen, dass in Dirk Gemünds Brust zwei Herzen schlagen: In seiner Freizeit setzt sich der gebürtige Euskirchener, der seit einigen Jahren in Mechernich lebt, für den Förderverein des Nationalparks Eifel ein. Seit 17 Jahren engagiert sich Gemünd für das Großschutzgebiet und tourt mit dem Umweltbus „Fagabundinus“ durch die Nationalparkregion, um in Schulen, Kitas, auf Märkten und bei öffentlichen Veranstaltungen über den Nationalpark zu informieren. „Hier in der Region kennen die Leute mein Gesicht und den Fagabundinus“, sagt der 58-jährige Mechernicher mit Stolz über sein langjähriges Engagement.

In der fünften Jahreszeit lebt der Mechernicher seine zweite große Leidenschaft aus: Dann schlüpft er ins Kostüm des Kölner Bellejecks, einer historischen Figur, die bereits seit dem späten Mittelalter im Kölner Karneval bekannt ist (siehe weiter unten). „Im vergangenen Jahr, bei meiner Premiere als Bellejeck, kam das in Köln wohl so gut an, dass mich die Große Allgemeine Karnevalsgesellschaft von 1900 Köln erneut proklamiert hat“, freut sich der Mechernicher.

Bellejeck hat früher auf dem Alter Markt über die Obrigkeit hergezogen

„Der Kontakt zu dieser Traditionsgesellschaft kam über den Präsident Markus Meyer zustande, der in Lückerath lebt“, berichtet der 58-Jährige. Dort sei die Tradition des Bellejecks in der Session 2008/2009 wiederbelebt worden. „Vor zwei Jahren hat mich Meyer dann gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, in diese Rolle zu schlüpfen. Ich habe mir Bedenkzeit erbeten, aber schon zwei Minuten später zugesagt!“

Fünf Männer stehen nebeneinander und präsentieren ein selbst gebasteltes Nationalparkschwein. Dirk Gemünd trägt ein Kostüm.

In seiner Freizeit engagiert sich Dirk Gemünd für den Förderverein des Nationalparks Eifel. Tobias Wiesen (Mitte) von der Nationalparkverwaltung überreichte ihm ein selbst gebasteltes Nationalparkschwein und zehn weitere mit Narrenkappe.

Seinen großen Auftritt hat Gemünd als Bellejeck am frühen Weiberfastnachtsmorgen: „Dann treffen wir uns schon um Viertel vor acht am Kölner Hauptbahnhof, um gemeinsam zur Hofburg des Dreigestirns zu ziehen“, berichtet Gemünd. Der Bellejeck-Zug ist der erste offizielle Umzug in Köln an diesem Tag, und lehnt sich an die Tradition des Bellejecks in früheren Zeiten auf dem Alter Markt an, als dieser in einer Bütt gestanden und dort schmutzige Wäsche gewaschen hat – also über die Obrigkeit hergezogen ist.

Bei seinem Zug folgen Hunderte von Narren und Abordnungen vieler Gesellschaften dem Bellejeck durch die Stadt, begleitet von wechselnden Spielmannszügen verschiedener Gesellschaften. Vor der Hofburg wird das Trifolium dabei mit dem Ruf „Opston, opston!“ („Aufstehen, aufstehen!“) aus den Betten geholt. Anschließend findet in der Hofburg der erste offizielle Termin des Dreigestirns statt. Der Bellejeck begrüßt Prinz, Bauer und Jungfrau und wünscht ihnen für die heiße Phase des Karnevals alles Gute.

Elf jecke Nationalparkschweine als Begleiter im Kölner Karneval

In diesem Jahr hat Gemünd bei seinen Auftritten im Kölner Karneval einige besondere Begleiter dabei: „Das Team der Wildniswerkstatt in Düttling hat mir elf jecke Nationalparkschweine gebastelt, die wie ich eine Narrenkappe tragen“, freut sich Gemünd. „Das erste Schwein hat mein Präsident Markus Meyer überreicht bekommen, an Weiberfastnacht gibt es dann auch eins fürs Dreigestirn.“ Auftritte werde es nicht ausschließlich in Köln, sondern auch in der Eifel geben, zum Beispiel bei der Sitzung in Gemünd.

Das Kölner Sessionsmotto „Alaaf – Mer dun et för Kölle!“ hat Dirk Gemünd inspiriert, seine zweite große Leidenschaft, das Engagement für den Nationalpark Eifel, ebenfalls zu den Auftritten in der Domstadt mitzunehmen. „Es geht doch ums Ehrenamt, da passt das doch wunderbar zusammen“, sagt der Mechernicher.

Seit 2012 ist Dirk Gemünd im Vorstand des Fördervereins des Nationalparks

„Der Erhalt unserer Wurzeln – gesellschaftlich und ökologisch – das ist das verbindende Element“, begründet Gemünd seine Begeisterung für den Karneval und den Naturschutz. „Und mit rund 1,4 Millionen Besucherinnen und Besuchern jährlich zieht der Nationalpark Eifel ebenso viele Menschen an wie der Kölner Karneval.“

Dirk Gemünd gehört seit 2012 dem Vorstand des Nationalpark-Fördervereins an und lenkt dort die Geschicke des Vereins als Beisitzer mit. Gemünd hat Glück: In seiner Familie findet er nicht nur Unterstützung, sondern sie teilt auch die Leidenschaft für den Nationalpark: Seine Söhne Dustin und Kevin sind ebenfalls im Förderverein aktiv und bekleiden Beisitzer- und Schriftführerposten. Seine Lebensgefährtin Christiane Johnen begleitet ihn auf den Fagabundinus-Touren. Nur so lasse sich das Ehrenamt bewältigen, sagt der Mechernicher.

Seine Söhne haben eine Leidenschaft für Musik und das Karnevalsgen ihres Vaters geerbt: Als Gesangsgruppe „Us 'm lameng“ stehen sie auch in dieser Session wieder gemeinsam auf den Karnevals- und Veranstaltungsbühnen in der Region.


Historie des Bellejeck

Der Bellejeck ist eine historisch belegte Figur des Kölner Karnevals, die ihren Ursprung im mittelalterlichen Hofnarren hat. Als „Schellennarr“, „Citoyen Bellegeck“ und später „Bellejeck“ ist er die Karnevalsfigur, die schon im Mittelalter der närrische Reimsprecher der Kölner Bauernbänke war und später den Karneval für das gemeine Volk eröffnete.

Ab Weiberfastnacht wurde er aktiv, kritisierte und klagte öffentlich mit markigen Sprüchen die Missstände in der Stadt und der Gesellschaft an, zum Beispiel den bekannten „kölschen Klüngel“. Sein Gewand ist ein Narrenkleid mit Schellen und mit einer Narrenkappe, wie sie Till Eulenspiegel trug. Der Name leitet sich von der „Bell“ (kölsch für Schelle oder Glöckchen) ab. Heute gehört der Bellejeck neben dem Dreigestirn, dem Kinder-Dreigestirn sowie „Jan un Griet“ zu den bekanntesten Repräsentanten des Kölner Karnevals.