Wer Ernteteiler beim Kollektiv Wolkenborn ist, bekommt jde Woche frisches Gemüse aus Haus Bollheim. Dabei ist manchmal Kreativität in der Küche gefragt.
Saisonale GemüskisteDie neue Erntesaison beim Eifeler Kollektiv Wolkenborn beginnt bald

Hat mit anderen Ernteteilern eine Abholgemeinschaft gegründet und befüllt daher vier Kisten: Aggi Peier aus Hellenthal.
Copyright: Julia Reuß
Aggi Peier zählt vier Rotkohlköpfe ab und verteilt sie auf die am Boden stehenden Kisten. Danach folgen Weißkohl und Sellerie, Möhren und Rosenkohl wiegt sie ab. Es ist Mittwochnachmittag, und auf dem Nettersheimer Hof findet, wie jede Woche, die Ernteausgabe des Kollektivs Wolkenborn statt. Auf einer Tafel steht, was sich jeder Ernteteiler mitnehmen darf: 1,5 Kilogramm Kartoffeln, 0,5 Kilogramm Zwiebeln, 0,6 Kilogramm Rosenkohl, 1 Kilogramm Möhren, je einen Sellerie, Rotkohl und Weißkohl.
Für Peier ist es das erste Jahr als Ernteteilerin. „Für uns war es schön, Dinge kennenzulernen, die man vorher noch nicht kannte“, sagt sie. So habe sie zum ersten Mal Winterportulak und Schwarzkohl verarbeitet: „Das hat den Speiseplan wirklich mal geändert.“
Im Winter ist bei saisonaler Ernährung Kreativität gefragt
Darin liegt wohl einer der Hauptunterschiede zwischen dem Leben als Ernteteiler und dem Einkauf im Laden. Bei Letzterem überlegen die meisten: „Was will ich diese Woche kochen?“ und kaufen dementsprechend ein.
Als Ernteteiler funktioniert das andersherum. Ein bis zwei Tage vor dem Abholtag erhält Peier eine Mail mit einer Liste der Produkte, die sie sich mitnehmen darf. Dann muss sie sich überlegen, wie sie diese verwertet. Gerade im Winter sei dabei viel Kreativität gefragt, berichtet die Hellenthalerin. Da gab es vor allem eins: Kohl. Um Eintönigkeit in der Küche zu vermeiden, habe sie einige neue Rezepte ausprobiert, so Peier.

Verrät, was jeder mitnehmen darf: die Tafel an der Ausgabe.
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Dass man keine Wahl hat, sondern das verbraucht, was gerade da ist, gefällt auch Melanie Thelen aus Kall am Prinzip Wolkenborn. Sie ist mit ihren beiden Kindern zur Ausgabe gekommen. „Die Kinder essen das oft nicht“, sagt sie: „Aber es gibt ja auch Sachen, die gehen immer. Kartoffeln zum Beispiel.“ Als Familie sei diese Art des Einkaufens oft ein richtiges Erlebnis. Wenn die Laune gut sei, fahre die Familie mit dem Fahrrad zur Abholstelle und sammle gemeinsam das Gemüse ein.
Die Kooperation mit Haus Bollheim soll ausgweitet werden
Das stammt seit April 2025 vom Demeter-Hof Haus Bollheim in Oberelvenich. Eine Kooperation, die überzeugt hat. „Wir sind alle total begeistert von der Qualität und auch von den Abläufen“, sagt Claudia Träger vom Kollektiv Wolkenborn.

An diesem Mittwoch auf dem Plan: ein halbes Kilo Zwiebeln.
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In der kommenden Erntesaison soll es auch dort einen Abholtermin geben. Das Kollektiv hofft so auf mehr Ernteteiler aus städtischeren Regionen, die nicht viel selbst anbauen. Die Eifeler Ernteteiler mit großem Garten haben im Sommer oft ein Überangebot. „Das haben wir vor allem beim Salat“, berichtet Träger. Grundsätzlich muss jeder Ernteteiler genau die Menge mitnehmen, die auf der Tafel steht. Sollte etwas dabei sein, das man nicht möchte, kann man es in die Tauschkiste legen, aus der sich wiederum alle Ernteteiler bedienen dürfen.
Für Gemüse, das man nicht will, gibt es eine Tauschkiste
Ein entscheidender Hinweis für Familie Groß aus Hellenthal, die sich über eine mögliche Mitgliedschaft im Kollektiv informiert. „Im Sommer habe ich selbst eine Tomatenschwemme, da brauche ich keine Tomaten in der Kiste“, sagt sie. Ihr und ihrem Mann gefallen der lokale Gedanke und der Verzicht auf Verpackung. Doch noch sind sie nicht ganz sicher, ob sie Ernteteiler werden möchten. Ein bisschen Zeit bleibt noch: Bis Ende März müssen die neuen Verträge gemacht sein.
Grundsätzlich entspreche die Kooperation mit Haus Bollheim nicht mehr der Grundidee des Kollektivs, berichtet Andŕe Lehner vom Vorstand. Das Kollektiv war 2021 gestartet, um die solidarische Landwirtschaft in die Eifel zu bringen. Die Grundidee lautete: Mehrere Ernteteiler finanzieren die Produktion von kleinen Höfen. Haus Bollheim habe sich allerdings schon ohne das Kollektiv finanziert und die Ernte wird auch auf Märkten und in Bioläden verkauft.
Durch die Kooperation gewinne der Hof aber an Planungssicherheit, betont Lehner. Außerdem sei Haus Bollheim eine Kreislaufwirtschaft mit Engagement für Mensch und Natur. „So einen Hof zu unterstützen, ist, glaube ich, schon ziemlich solidarisch“, so Lehner. Im kommenden Jahr wolle man dann schauen, wie man das Solidarische weiter ausgestalten könne. Zum Beispiel, indem Kollektiv-Mitglieder bei der Ernte helfen.
Die Produkte jedenfalls scheinen zu überzeugen: Aggi Peier will im kommenden Erntejahr dabei bleiben, genauso wie Familie Thelen.
Erntevertäge bei Kollektiv Wolkenborn noch bis Ende März möglich
Das neue Erntejahr im Kollektiv Wolkenborn beginnt im April. Wer da dabei sein will, muss bis spätestens Montag, 23. März, einen Erntevertrag abgeschlossen haben. Das geht über die Webseite des Kollektivs.
Um Ernteteiler zu werden, muss man auch Mitglied im Kollektiv sein. Dazu muss man für 150 Euro einen Genossenschaftsanteil kaufen. Dazu kommen dann noch monatliche Kosten für Versicherung und Mieten von 15 Euro und die Kosten für die Ernte. Die Standardgemüsekiste kostet 90 Euro pro Monat. In der neuen Saison gibt es dann auch eine kleinere Gemüsekiste für 70 Euro. Darin soll etwas weniger Gemüse sein als in der bisherigen Kiste für kleinere Haushalte oder Einsteiger, heißt es vom Kollektiv.

Zum Abwiegen von Möhren, Rosenkohl und Zwiebeln stehen Waagschalen und Waagen bereit.
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Neben Gemüse kann man über das Kollektiv auch Brot, Getreide, Eier, Käse, Joghurt und Quark von Haus Bollheim beziehen. „Das ist alles so wahnsinnig lecker“, schwärmt Claudia Träger. Im Sommer gibt es sogar Schnittblumen und ganzjährig von kleineren Anbietern auch Öl, Honig und Gewürze. Die Kosten dafür sind alle auf der Webseite des Kollektivs aufgelistet.
Einmal pro Woche steht die Ernte dann entweder in Nettersheim oder bei Haus Bollheim zur Abholung bereit. Die Ausgabe in Nettersheim findet mittwochs von 17 bis 19 Uhr statt, bei Haus Bollheim kann die Ernte donnerstags zwischen 16.30 Uhr und 19 Uhr abgeholt werden.
Für Interessierte veranstaltet das Kollektiv zudem am Donnerstag, 19. März, ab 19 Uhr einen Infoabend in Haus Bollheim. Dort kann man dann Bauernhofluft schnuppern und mehr über die Erntegemeinschaft erfahren.

