BilanzmodellStadt Schleiden will selbst erzeugten Strom künftig auch verbrauchen

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Block auf die Dächer des Johannes-Sturmius-Gymnasiums und der Sporthalle.

Auf den Dächern von einigen Immobilien wie hier auf einem Trakt des Johannes-Sturmius-Gymnasiums und der Turnhalle (r.) produziert die Stadt Strom mit PV-Anlagen.

Um die Stromkosten zu senken, setzt die Stadt Schleiden auf einen Strombilanzkreis. Vorbild ist der Kreis Euskirchen. 

Auch Städte und Gemeinden leiden unter den hohen Stromkosten. Die Stadt Schleiden will etwas dagegen tun und einen Strombilanzkreis für die städtischen Liegenschaften einrichten. Das ist die einstimmige Empfehlung des Stadtentwicklungsausschusses, der damit einen Antrag der Grünen unterstützte. Dadurch sollen die Ausgaben der Stadt für Strom gesenkt werden.

„Das Stromkreisbilanzmodell beruht darauf, dass sich Immobilien mit beispielsweise einer PV-Anlage, aber einem geringen Eigenverbrauch, und Gebäude mit hohem Eigenverbrauch, aber keiner Möglichkeit zur Errichtung einer PV-Anlage, innerhalb eines Stromkreises bilanziell ausgleichen“ heißt es in dem Antrag der Grünen.

Alle Gebäude müssen mit intelligenten Stromzählern ausgestattet werden

Dazu speise eine Kommune überschüssigen Strom, der zum Beispiel mit PV-Anlagen auf dem Dach einer Turnhalle erzeugt werde, ins öffentliche Netz ein, ohne dafür eine Einspeisevergütung zu erhalten. Der Strom werde durch das öffentliche Netz lediglich weitergeleitet und an anderer Stelle selbst verbraucht. Es handele sich dabei also um eine kaufmännisch bilanzielle Versorgung innerhalb des Netzes des Energieversorgers, keine physische Direktlieferung des überschüssigen Stroms. „Energie, die an der einen Stelle zu viel produziert wird, wird an anderer Stelle verbraucht“, erklärte Petra Freche (Grüne) das Modell.

Für dieses Modell müssen laut Grünen alle städtischen Gebäude mit intelligenten Stromzählern ausgestattet werden, die laufend den jeweiligen Verbrauch und die mit PV-Anlagen ins Netz eingespeiste Strommenge übermitteln. Der Energieversorger verrechne dann laufend die Einspeise- und Verbrauchsmengen und berechne der Kommune am Ende nur die Energiemenge, die zugekauft werden muss.

„Das Modell sorgt dafür, dass Strom nicht teuer zugekauft und überschüssiger Strom nicht für eine sehr geringe Einspeisevergütung verkauft werden muss. Das würde uns Vorteile bringen“, sagte Freche. Dadurch reduziere sich rechnerisch die Strommenge, die aus dem öffentlichen Netz bezogen werde und damit auch die Kosten für den Stromverbrauch.

Kreis Euskirchen betreibt Strombilanzkreis für seine Liegenschaften

Das Modell sei sowohl ökonomisch als auch ökologisch sinnvoll, da das eingesparte Geld in den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien in der Kommune reinvestiert werden könne, was wiederum zu weniger zusätzlich zu erwerbendem Strom führe und nachhaltige Energiegewinnung weiter vorantreibe. Auch die Abkopplung von steigenden Preisen auf dem Energiemarkt durch eine planbare Eigenversorgung sei in Zeiten von knappen Haushaltskassen sicherlich für viele Kommunen sehr attraktiv, so die Grünen.

Vorbild ist dabei der Kreis Euskirchen, der bereits seit vielen Jahren einen Strombilanzkreis für die kreiseigenen Liegenschaften betreibt. Die Einsparungen beim Kreis seien deutlich höher als die Gebühr, die dem Dienstleister für den Betrieb zu entrichten sei. „Den Strom produziert der Kreis im Abfallwirtschaftszentrum in Mechernich“, sagte Jochen Kupp (CDU), der auch im Kreistag sitzt.

Die e-regio habe für den Betrieb eines Strombilanzkreises eine ausreichende Erfahrung und Qualifikation. Die Einrichtung und der Betrieb eines Strombilanzkreises könne aber auch durch andere Dienstleister erfolgen, so die Verwaltung.

Der Stadtrat soll nun die Einrichtung eines Strombilanzkreises für die städtischen Liegenschaften beschließen und die Verwaltung beauftragen, einen Vertrag mit einem geeigneten Dienstleister abzuschließen. Voraussetzung ist, dass es einen wirtschaftlichen Vorteil für die Stadt gibt.