Mit einer Ausstellung und einem Treffen in der Scheune des Kulturhofs Vellbrück hat Metternich an die Hochwasserkatastrophe erinnert.
Treffen nach fünf JahrenMetternicher erinnern sich gemeinsam an die Flut

Die ruinierten Familienfotos hat Petra Friedel in Kunstwerke verwandelt.
Copyright: Ulla Jürgensonn
50 Bürgerinnen und Bürger des kleinen Ortes Metternich haben ihre Erinnerungen beigetragen zu dem Buch„Metternich in der Flut“. Sie alle hatte Marietta Thien zum fünften Jahrestag der Katastrophe zu einem Treffen im Kulturhof Velbrück eingeladen. Thien war es, die schon wenige Monate nach der Katastrophe die Idee hatte, die Erinnerungen nicht langsam verblassen zu lassen, sondern aufzuschreiben.
Beim Treffen erinnerte die Verlegerin und Herausgeberin an die ersten Schritte. 200 Briefe habe sie im Dorf verteilt. Ihre Hoffnung: „So 15 bis 20 Rückmeldungen hätte ich gern gehabt.“ Dass es 50 Beiträge wurden, zeigt, dass sie einen Nerv getroffen hatte. Dass das Buch jetzt, vier Jahre nach seinem Erscheinen, wichtiger ist als je zuvor, bewiesen der rege Besuch und die guten Gespräche beim Jahrestreffen.
Ich muss einen guten Tag haben, um darin lesen zu können.
Auch Verena Jahn hat ihre Geschichte für den Band beigesteuert. Und natürlich steht er auch bei ihr zu Hause im Regal. Allerdings sagt sie: „Ich muss einen guten Tag haben, um darin lesen zu können.“ Denn die Folgen der Katastrophe spürt sie immer noch. In letzter Sekunde sei sie mit ihren Kindern aus dem Haus geflüchtet. Bis heute habe sie einen Kloß im Hals, wenn Regen oder Hagel aufs Dach prassele.
Auch Marion Schulze, die im Hof Velbrück die „Blumenkammer“ betreibt, ist der Tag vor fünf Jahren immer noch präsent. Das Dorf habe sich verändert seitdem, sagt sie. Viele Stammkunden seien weggezogen: „Sie konnten es nicht ertragen, noch länger hier zu leben.“ Anderthalb Jahre habe es gedauert, bis sie ihr Geschäft wieder habe eröffnen können.
Die Gemeinschaft ist gewachsen seit der Flut
Dass sich Metternich verändert habe durch die Katastrophe, bestätigt Michael Freiherr Spies von Büllesheim, seit vielen Jahren Ortsbürgermeister. Er sieht es allerdings positiv, die Gemeinschaft sei gewachsen.
Petra Friedel hat einen ungewöhnlich Weg gefunden, mit Verlust umzugehen. Sie ist in Metternich aufgewachsen, lebt heute in Bornheim. Als sie und ihre Schwester das Haus ihres Vaters aufräumten, fanden sie die alten Familienfotos. Zusammengeklebt, vollgesogen mit Schlamm und Heizöl.
Ich habe die Farben rausgezogen und die Strukturen gelassen
Sie wegzuwerfen brachte sie trotzdem nicht übers Herz. Stattdessen hat sie die Bilder getrocknet, eine Freundin hat sie dann eingescannt – mehr als 700 Stück. Auch wenn die eigentlichen Motive, die vertrauten Menschen auf den Fotos nicht mehr zu erkennen waren, gab es doch Strukturen, die Petra Friedel spannend fand.
Sie machte sich daran, die Bilder digital zu bearbeiten. „Ich habe die Farben rausgezogen und die Strukturen gelassen“, beschreibt sie ihre Vorgehensweise. In der Scheune des Kulturhofs zeigte sie eine kleinere Auswahl der Arbeiten, das Gros ist unter dem Titel „Flut 121 #verflossene Erinnerungen“ bis zum 16. August im Kulturzentrum Kult 41 in Bonn zu sehen.
Rüben hingen wie Christbaumkugeln in den Bäumen
Im Flyer zu der Ausstellung hat sie ihren Umgang mit den alten Fotos eingeordnet: „Was zuerst wie ein endgültiger Verlust erschien, wurde zu einem unerwarteten Wiederfinden. Die beschädigten Fotos begannen neue Bedeutungen zu tragen – Fragmente von Nähe, Verbundenheit und Erinnerung.“
Dorthe Schönekäs hatte ihre Erinnerung in Worte gefasst, einen Text, den sie beim Treffen vortrug. Der ganz harmlos anfing mit der Erinnerung an ein Bild von einer Birke, dann an die Rüben, die nach der Flut „wie Christbaumkugeln in den Bäumen hingen“.
Ein „Panoptikum des Grotesken im Kopf“ nannte sie die Bilder der Katastrophe, die sich eingebrannt haben. Um dann tröstlich zu enden mit dem „kraftvollen Gefühl, als Mensch unter Menschen zu sein“.
