Bürgermeister Reichelt stellte am Jahrestag der Katastrophe den Zusammenhalt der Euskirchenerinnen und Euskirchener heraus.
GedenkfeierEuskirchen erinnert an die Menschen, die 2021 in der Flut starben

Im Rahmen der Flutgedenkfeier falteten Freiwillige unter der Anleitung des Künstlers Frank Bölter (weißes Hemd) aus Papier ein Rettungsboot.
Copyright: Johannes Bühl
Wassermassen, Verwüstung, schockierte Menschen. Wer die Flut am 14. und 15. Juli 2021 erlebt hat, den lassen die Bilder von damals nicht mehr los. „Das Erschrecken angesichts der zerstörten Heimat, es verschwindet nicht so leicht“, sagte Euskirchens Bürgermeister Sacha Reichelt am Dienstagabend in seiner Rede zum Jahrestag der Katastrophe.
„Wir sind hier, weil wir uns mit diesem Gefühl auseinandersetzen wollen – und ja, vielleicht auch müssen“, wandte er sich an die Euskirchenerinnen und Euskirchener im Klostergarten. Mehrere Hundert Menschen nahmen an der Gedenkfeier der Stadt teil, in der es immer wieder um Zusammenhalt ging, schon bei der Ansprache des katholischen Pfarrers José Pérez Pérez.

Hunderte Menschen waren zur städtischen Gedenkfeier zum fünften Jahrestag der Flut in den Klostergarten gekommen.
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Die Ansprache von Bürgermeister Sacha Reichelt stand im Mittelpunkt der Veranstaltung.
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„Wir denken heute besonders an die Verstorbenen, wir behalten sie in unseren Herzen“, gedachte er der drei Euskirchener Todesopfer: „Gleichzeitig erinnern wir uns an die überwältigende Hilfsbereitschaft und Solidarität: Nach der Flut kamen Menschen von nah und fern, packten mit an, hörten zu, trösteten und gaben neue Hoffnung.“
Der evangelische Pfarrer Frank Thönes betete unter anderem für die, die vor fünf Jahren einen Menschen, ihr Hab und Gut oder ihr Zuhause verloren oder das Geschehene noch nicht verarbeitet haben. „Die Flut hat gezeigt, wie verletzlich wir sind“, sagte Thönes und bat um „Zuversicht, dass nach jedem Unwetter ein neuer Tag beginnt“.
Wie in Trance haben wir die Tage und Wochen nach der Flut bewältigt.
Reichelt blickte zurück: „Das voll gelaufene City-Forum, Autowracks in Schaufenstern, verwüstete Ladenlokale, weggebrochene Brücken, weggespülte Straßen“ – alles das komme ihm heute fast unwirklich vor: „Wie in Trance haben wir die Tage und Wochen nach der Flut bewältigt. Wochenlang gab es keinen Normalzustand. Strom fehlte, Internet fehlte, Mobilfunk fehlte.“
Gegen die Fassungslosigkeit aus jenen Tagen, die einen womöglich nie mehr loslasse, helfe vielleicht, auf das zu schauen, was seither passiert sei, sagte Reichelt, der ebenfalls den Helferinnen und Helfern gedankt hatte: „Sie haben mit aufgeräumt, Schlamm geschaufelt, Keller ausgeräumt und so vieles mehr.“

Die Pfarrer José Pérez Pérez (v.l.) und Frank Thönes beteten für die Menschen, die in der Flut ums Leben gekommen waren.
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Mary's Delight, eine Band des Gymnasiums Marienschule, übernahm den musikalischen Part.
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Die Euskirchener und Euskirchenerinnen hätten die Notsituation umgemünzt zu etwas Gutem. Die Flut habe Schreckliches angerichtet, „aber wir alle zusammen haben wieder aufgebaut“, lenkte das Stadtoberhaupt den Blick auf die moderne Innenstadt, neun neue Kitas und den Park an der Erft.
Bald kämen eine „fantastische neue Sportanlage“ im Auel, ein Ersatzbau für das zerstörte City-Forum und ein umgebautes Waldfreibad hinzu. Und irgendwann werde man auch wieder um die Steinbachtalsperre spazieren können, kündigte Reichelt an, der einräumte, dass die Bürokratie manche Prozesse verlangsame.

Einige der Frauen und Männer, die das Papierboot gebaut hatten, brachten es vom Klostergarten zur Galerie Luisa Hausen, wo es ausgestellt wird.
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Bei allem Schrecken der Flut „dürfen wir heute auch stolz sein“ auf die Leistungen beim Wiederaufbau, sagte der Bürgermeister und unterstrich, wie leid er es sei, „dass man in den sozialen Medien ständig liest, wie schrecklich alles ist“. Das Bild von der Welt dürfe nicht geprägt sein von Leuten, die „ihr Tagwerk damit verbringen, die Gesellschaft durch Hass zu entzweien“.
„Unsere Größe am 14. Juli 2021 und in den Folgemonaten war der Zusammenhalt. Wo wären wir ohne die Unterstützung anderer? Dieses Gefühl ist vielleicht das wichtigste Überbleibsel der Flut“, sagte Reichelt: „Nur zusammen sind wir stark gewesen. Nur zusammen werden wir auch in Zukunft stark sein.“
Dass man gemeinsam mehr schafft als allein, zeigte im Klostergarten auch der Performance-Künstler Frank Bölter. Er baute mit Freiwilligen ein Rettungsboot, und zwar aus einem acht mal acht Meter großen Bogen aus kräftigem Papier. Bölter, der nach der Flut beeindruckt war von der Solidarität und dem Tatendrang der hiesigen Bevölkerung, hatte neben dem Papier eine Faltanleitung und weiteres Material wie Holzlatten und Seile mitgebracht.
Während „Mary’s Delight“, eine Band der Marienschule, die Feier musikalisch begleitete, formte der Bautrupp unter Bölters Anleitung das Boot, um es anschließend in die Galerie Luisa Hausen an der Wilhelmstraße zu bringen. Dort ist es im Schaufenster zu sehen. Bölter und Galerist Stefan Hausen riefen die Besucher auf, aus kleinen Papierbogen eigene Boote zu falten. Bölter und die Galerie werden sie für eine weitere Kunstaktion nutzen.
Stadtmuseum Euskirchen eröffnet Sonderausstellung zur Flutkatastrophe
Nach der Gedenkfeier eröffnete das Stadtmuseum die Sonderausstellung „Euskirchen und die Flut 2021. Fünf Jahre nach der Katastrophe“. Gezeigt werden hauptsächlich Fotografien, die das Museum nach einem entsprechenden Aufruf von Bürgerinnen und Bürgern erhalten hatte.

Die Ausstellung mit Bildern, die die Flutfolgen zeigen, ist bis zum 11. Oktober im Stadtmuseum zu sehen.
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Die Bilder „veranschaulichen den Schock und das Ausmaß der Zerstörung durch die Flut ebenso wie den Mut und den Tatendrang der betroffenen Menschen sowie der vielen Helferinnen und Helfer beim Wiederaufbau“, so das Stadtmuseum. Aktuelle Aufnahmen ermöglichen einen Vergleich zwischen der Situation im Juli 2021 und heute.
Die Ausstellung an der Wilhelmstraße 32-34 ist bis zum 11. Oktober zu sehen, dienstags bis freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 15 Uhr, sonntags von 11 bis 18 Uhr.
