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5 Jahre HochwasserIn Schlebusch kam das Wasser von zwei Seiten – nur eine ist abgedichtet

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Schlebusch Caritas-Häuser laufen voll. Foto: Ralf Krieger

14. Juli 2021: Die Oulustraße herunter läuft das Wasser aus dem Ophovener Weiher bis in den Ortskern.

Was ist seit der Katastrophe vom Juli 2021 in Schlebusch geschehen? Ein Deich wurde gebaut, vieles wiederaufgebaut – doch ein Problem bleibt bestehen.

In Schlebusch kam das Wasser in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 aus zwei Richtungen. Dass die Dhünn über die Ufer treten könnte, schien dem arglosen Beobachter schon unwahrscheinlich. Schließlich schlängelt sich das eigentlich ruhige Flüsslein in einem tiefen Bett am Ortskern vorbei. Dass aber das Wasser auch von oben – nicht nur aus den Wolken, sondern direkt aus dem 1,5 Kilometer entfernten Ophovener Weiher über die Oulustraße hinab ins Dorf schießen würde, das hatten die wenigsten Anwohner für möglich gehalten.

Schlebusch Foto: Ralf Krieger

Feuerwehr im Dauereinsatz: Wasser fließt in Tiefgaragen und Häuser.

Doch genau so kam es, tatsächlich traf das Wasser von oben zuerst ein. Schon am späten Nachmittag lief die Kreuzung Oulustraße / Herbert-Wehner-Straße voll. An der angrenzenden Gezelinallee mussten zwei Personen von der Feuerwehr in höchster Not aus einem Aufzug gerettet werden, der stecken blieb und schon fast vollgelaufen war. Vielerorts fiel der Strom aus. Später am Abend dann trat die Dhünn von Hummelsheim aus über die Ufer, schwoll auf einen Pegel von bis zu 3,45 Meter an. Das Wasser suchte sich seinen Weg parallel zur Dhünn über die Felder in die Innenstadt. Überflutete vom Haus Nazareth aus über das St.-Elisabeth-Altenheim bis zum Marktplatz weite Teile der Schlebuscher Innenstadt. 100 bis 150 Liter Regen pro Quadratmeter sollen in 24 Stunden gefallen sein – ein Jahrtausendhochwasser.

Die Schlebuscher Fußgängerzone am Morgen nach der Flutnacht

Die Schlebuscher Fußgängerzone am Morgen nach der Flutnacht, links das alte Bürgermeisteramt.

Könnte das heute noch einmal so passieren? Einiges ist passiert, doch ein Jahrhunderthochwasser wie dieses würde sich davon wohl auch heute nicht komplett aufhalten lassen. An der Jeckswiese zwischen Dhünn und Odenthaler Straße wurde ein Deich errichtet: 135 Meter lang, rund sechs Meter breit, bis zu 1,4 Metern hoch. Er soll mindestens einem rechnerischen 100-jährlichen Hochwasser (HQ100) standhalten. Der Deich ist nicht parallel, sondern senkrecht zur Dhünn ausgerichtet – er soll das Wasser, wenn es aus Hummelsheim über die Felder kommt, hier in das tiefe Flussbett der Dhünn zurückleiten, bevor es über das Gelände von Haus Nazareth die Innenstadt erreicht.

Die Dechant-Fein-Straße stand komplett unter Wasser.

Die Dechant-Fein-Straße stand komplett unter Wasser.

Anders als Anwohner waren sich Experten der Gefahr durchaus bewusst. Im Jahr 2012 befasste sich die Leverkusener Politik mit dem Hochwasserschutz für Schlebusch. 2011 hatte ein Dhünnhochwasser Felder und Wald im Bereich des Sensenhammer-Wehrs überschwemmt und von dort aus auch einige Keller, Tiefgaragen und Erdgeschosswohnungen im Gebiet des heutigen St.-Elisabeth-Altenheims. Daraufhin modellierte ein Fachbüro die Hochwasserlage für Schlebusch und plante den Deich, der so auch 2017 von der Politik beschlossen wurde. Dagegen allerdings hatten Anwohner geklagt, der Rechtsstreit wurde erst im August 2021 – im Monat nach dem verheerenden Hochwasser – vor dem Oberverwaltungsgericht Münster beigelegt. Danach wurden die Maße des Deiches noch einmal leicht angepasst und das unscheinbare Bauwerk schließlich im April 2023 fertiggestellt. Zum Einsatz ist es seitdem nicht gekommen.

Der Ophovener Weiher heute – ein beliebtes Naherholungsgebiet, aber noch immer eine Hochwassergefahr.

Der Ophovener Weiher heute – ein beliebtes Naherholungsgebiet, aber noch immer eine Hochwassergefahr.

Die zweite Gefahrenstelle ist dagegen noch nicht entschärft. Um den Ophovener Weiher gab es seit 2021 viele Diskussionen. Der Wupperverband will unter dem Eindruck des Hochwassers den Weiher stark verändern: Ein hoher Damm und ein stark gesenkter Wasserspiegel sollen die Kapazität des Rückhaltebeckens deutlich erhöhen. Das aber hätte massive Auswirkungen auf die Naherholungsfunktion des beliebten Weihers, mahnt die CDU.

Treppenabgang am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Das Untergeschoss ist komplett vollgelaufen.

Treppenabgang am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Das Untergeschoss ist komplett vollgelaufen.

Teile des Sees würden trockengelegt, Spazierwege entfallen. Mittlerweile arbeitet der Wupperverband auf Wunsch des Stadtrats an einer Variante, in der der Ophovener Weiher möglichst schonend saniert und optimiert werden soll. Auf Anfrage heißt es von Seiten des Wupperverbandes, geplant seien ein Neubau der Hochwasserentlastungsanlage, eine Sanierung des Grundablasses und eine Vergrößerung des Rückhaltevolumens. So könne der Weiher für ein 100-jährliches Hochwasser fit gemacht werden. Gleichzeitig werde versucht, „den Charakter des beliebten Naherholungsgebiets möglichst zu erhalten“. Die Vorplanung soll bis Ende August vorgelegt werden.

Sheri Limani Bild: Britta Berg

Sheri Limani bei Aufräumarbeiten an seinem Pfannkuchenhaus.

Der Wiederaufbau in Schlebusch ist derweil vollzogen: Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, das teilweise nach Rheindorf ausgelagert werden musste, ist seit 2023 wieder zurück am Standort. Im gleichen Jahr wurde das alte Bürgermeisteramt wiedereröffnet, auch die Villa Wuppermann ist wieder instand gesetzt. Das Frisörsalon von Claudia Müller wurde als Paradebeispiel für gelungenen Wiederaufbau Ministerin Scharrenbach präsentiert.

Im Pfannkuchenhaus werden wieder Pfannkuchen serviert und Karneval gefeiert. „Das Dorf war tot“, erinnerte sich Wirt Sheri Limani am ersten Jahrestag des Hochwassers an seinen ersten Gedanken nach der Katastrophe. Im Dunkeln, umgeben von Schlamm, kaputten Möbeln und Gestank, stand er vor den Trümmern seiner Existenz. Gemeinsam mit vielen freiwilligen Helfern hat er sie weggeräumt. Jetzt lebt das Dorf wieder.