Man habe gelernt, sagt Oberbürgermeister Stefan Hebbel auf einer Pressekonferenz zum fünften Jahrestag des Extremhochwassers 2021.
Fünf Jahre danachWas Leverkusen aus der Hochwasserkatastrophe gelernt hat

Am Morgen nach der Hochwassernacht vor fünf Jahren konnten viele nicht glauben, was sie sahen: hier ein Blick in die Schöllerstraße.
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Zurzeit erzeugt das sich ändernde Klima vor allem Hitze; vor genau fünf Jahren lagen die Probleme anders, da gab es das extremste Hochwasser, das sich seit Menschengedenken an Dhünn und Wupper ereignet hatte.

Die Wupper am 15. Juli 2021,drei Stunden nach Mitternacht, zum Hochwasser-Höchststand, von der Brücke Düsseldorfer Straße flussabwärts fotografiert: eine braune, nach Öl und Chemie stinkende Flut.
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Die Leverkusener Verwaltung nimmt den Jahrestag zum Anlass, um zu informieren, welche Lehren die Verwaltungsspitze für die Zukunft aus der Katastrophe gezogen hat.
Gebäude Die Sanierung der beschädigten städtischen Gebäude ist nicht abgeschlossen. Vorrang hatten die zwei Schulen am Wiembach, die Remigius-Grundschule und die Theodor-Heuss-Realschule, und das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, das in der Dhünnniederung überschwemmt wurde. Die Schulen sind repariert und verbessert worden: Die Technik an der Realschule ist jetzt nicht mehr im Keller, sondern unterm Dach, die Realschüler müssen allerdings immer noch ohne Sporthalle leben. Eine neue Dreifachhalle für 14 Millionen Euro soll 2027 fertig werden, zu 70 Prozent gefördert aus Landesmitteln. Angesichts dieser Investition am Platz in der Wupperaue wird klar, dass man Angst vor einer erneuten Überflutung haben kann. In öffentliche Gebäudesanierungen seien insgesamt 70 Millionen Euro geflossen, sagt der Interims-Baudezernent Alexander Lünenbach.

Eine Hochwassermarke von 2021 auf dem Naturgut Ophoven: Bald soll hier tatsächlich neu gebaut werden.
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Auch nach fünf Jahren ist immer noch keine Baustelle auf dem Naturgut Ophoven zu sehen, das Schulbiologiezentrum wurde in die verfügbare Bananenreiferei Pott verlegt. Die Planung für das alte Gut Ophoven ist offenbar fertig, noch in diesem Juli soll mit den Arbeiten auf dem Gelände begonnen werden: Zuerst gibt es einen neuen Geräteschuppen. Die alte Burg Ophoven nebenan, das älteste Gebäude Leverkusens, das unmittelbar am Wiembach steht, sei einigermaßen im alten Zustand gerettet, sagt Andrea Pesch vom Amt Gebäudewirtschaft.
Hochwasserschutz
Der neue Querdeich in Schlebusch ist fertig. Das Mäuerchen im Osten Schlebuschs soll etwa die Gegend um das katholische Altenheim Sankt Elisabeth jetzt besser schützen. Den Deich hatten die TBL (Technischen Betriebe Leverkusen) schon vor 2021 geplant, er war nur zum Hochwasser noch nicht fertig, weil ein Gerichtsverfahren um ihn fünf Jahre gedauert hat. Jetzt ist er fertig.

Die Oulustraße am Nachmittag des 14. Juli 2021
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Schlebusch Hochwasser 14. Juli 2021, am Abend: Vom Ophovener Weiher lief viel Wasser über die Oulustraße nach Schlebusch hinein.
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Zentral ist der Ophovener Weiher, dessen Damm um zwei Meter erhöht werden soll, berichtet Thomas Klein vom Wupperverband, der auch für die Dhünn und deren Einzugsgebiet zuständig ist. Künftig soll der Ophovener Weiher viel mehr Wasser zurückhalten. Am 14. Juli 2021 lief er über und flutete Schlebusch zusätzlich.

So sah es am Abend des 14.7.2021 in der Wiembachallee aus
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Über den Wiembach und die Wiembachallee ist viel diskutiert worden. TBL und Wupperverband haben sich durchgesetzt, derzeit werden zwei Varianten für eine Aufweitung des Wiembachs erarbeitet. Ob ein Großteil der Allee erhalten bleiben könne, oder der Wiembach über eine längere Strecke erweitert werde, zeige sich dann, sagt Simone Möller von den TBL. Allerdings, so TBL-Chef Wulf Riedel, werde man gegen ein Hochwasser von der extremen Höhe wie 2021 auch künftig nichts machen können, aber gegen kleinere.

Die Autobahn 1, fotografiert am 15. Juli 2021 von der Bahnbrücke am Eisholz in Richtung Leverkusener Kreuz.
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Für die Gefahr, die von den versiegelten Flächen der Autobahnen ausgeht, ist die Stadt nicht zuständig, obwohl 2021 auch dieses Wasser in die Stadt lief, etwa an der Bismarckstraße.

Die Düsseldorfer Straße in Opladen um 21.46 am 14.Juli.2021
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Warnkonzepte, Vorhersage
An der Feuerwehr liegt es auch künftig, die Menschen zu warnen. 2021 hat das überhaupt nicht funktioniert und allzu viele Menschen wurden überrascht. Auch die elektronischen Medien versagten: Auf den Sendern des WDR fand das Hochwasser 2021 ebenso wenig statt, wie bei Radio Leverkusen. Nur die Internetseite des „Leverkusener Anzeiger“ wurde über die ganze Nacht am 14. Juli 2021 aktualisiert, aber was nützt es, wenn nur noch Wasser und kein Strom mehr fließt.

Der Wiembach unter der Allee am Mittag des 14. Juli 2021.
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Die Feuerwehr hat aufgerüstet: Sie kann sich künftig selbsttätig ins Programm von Radio Leverkusen einschalten, wenn es ernst wird. Außerdem gibt es Cellbroadcast-Meldungen, die ungefragt aufs Smartphone eingespielt werden. Die Feuerwehr hat Löschfahrzeuge auf 80 Zentimeter Wat-Tiefe höherlegen lassen, Geländewagen gekauft und sogar einen besonders geländegängigen Lkw beim britischen Militär bezogen. Lautsprecherwagen und Ansagen sind vorbereitet. Zudem werden bei besonders schwierigen Lagen Gerätehäuser als Stationen in den Vierteln als Anlaufstellen geöffnet, wenn etwa der Notruf ausfällt.

Der Wiembach am Abend des 14. Juli 2021
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Die Vorhersage für aufkommende Hochwasser ist grundsätzlich ausgebaut worden. Knapp 100 zusätzliche Wasserstands-Melder auch an kleineren Bächen sind angebracht. Mithilfe von künstlicher Intelligenz arbeitet der Wupperverband an einer Hochwasser-Prognose-App, die später in Echtzeit erstellte Karten zur Verfügung stellen soll, auf denen Anrainer der Bäche und Flüsse ziemlich genaue Vorhersagen bekommen sollen, wie hoch das Wasser bei ihnen noch steigt.

Mit Starkregen fängt es an: Ein Maisfeld bei Neuenhausgasse am Vormittag des 14. Juli 2021.
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Wie teuer letztlich die Katastrophe insgesamt war, kann nicht genau errechnet werden. Für die Beseitigung der Schäden privat investiertes Geld wird oft statistisch nicht erfasst. Alleine die Zahl der im Hochwasser abgesoffenen Autos geht in die Hunderte. Über 2200 Anträge für Soforthilfe summierten sich bei der Stadt auf 5,5 Millionen Euro. Die Stadt errechnete Schäden von über 70 Millionen Euro. 62 Millionen davon trug das Land NRW.
Oberbürgermeister Stefan Hebbel: „Wir haben Lehren gezogen, wir sind jetzt besser vorbereitet, aber das bleibt eine Daueraufgabe.“
