Zum fünften Jahrestag der Naturkatastrophe hatte die Stadt einen Gedenktag ausgerufen.
Fünf Jahre nach der KatastropheGedenkorte sollen Leichlingen an das Hochwasser 2021 erinnern

Stillstand um 0.16 Uhr: Die in der Flutnacht stehengebliebene Uhr am Rande der Marly-le-Roi-Brücke soll der Betroffenen gedenken.
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Friedrich Rohdenburg ist einer von denen, die unmittelbar mit den Folgen des verheerenden Starkregens vor ziemlich genau fünf Jahren zurechtkommen mussten. Das Hochwasser hatte die Stromversorgung lahmgelegt, eine Woche lang musste Rohdenburg ohne Elektrizität klarkommen. Und auch wenn seitdem viel geschehen ist in Sachen Hochwasserschutz – die Sorgen bei Betroffenen wie ihm bleiben. Wenn die Wupper wieder über die Ufer treten sollte, könnten die Oberlieger-Kommunen wie die Blütenstadt besonders betroffen sein. Haben die Städte, die oberhalb Leichlingen liegen, dagegen genug getan? „Da habe ich noch Bedenken und viele Fragen“, sagt er am Mittwochabend.
Die Stadt hatte für Mittwoch, 15. Juli, – das Datum, an dem die Zerstörungen so richtig sichtbar wurden, nachdem der Starkregen in der Nacht zuvor heruntergekommen war – zu einem Gedenktag eingeladen. Auf einem Erinnerungsrundgang stellte die Stadt Leichlingen um Bürgermeister Maurice Winter mit dem Verein Wupperbogen und dem Wupperverband Denkmäler vor, die man fünf Jahre nach der Katastrophe als Erinnerungsort errichtet hat. Teil des Gedenktages waren auch Beratungsangebote zum privaten Hochwasserschutz.
Der Verein Wupperbogen hat sich nach der Hochwasserkatastrophe gegründet. Die Vereinsmitglieder waren es, die ein Leuchtturmprojekt ins Leben gerufen haben: Im Stadtgebiet werden Leuchttürme aus Stahl und Stein zur Erinnerung aufgestellt. „Die Leuchttürme sind zum Gedenken, aber auch zum Mut machen, dass es weitergeht“, sagt Elke Plage vom Wupperbogen. „Viele Leichlinger mussten für Wochen ihre Häuser verlassen. Wir setzen uns dafür ein, dass Maßnahmen getroffen werden, damit die Stadt besser vorbereitet ist auf mögliche Wetterphänomene“, erklärt sie weiter.

Bürgermeister Winter und Elke Plage vom Verein Wupperbogen fügen dem neuen Erinnerungsleuchtturm die letzten Steine hinzu. Die Färbung an den unteren Steinen markiert den Wasserstand nach dem Starkregen 2021.
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Bei den Bürgern kommen die Gedenkleuchttürme gut an. „Die Leuchttürme sind schöne Symbole zum Erinnern“, findet die Leichlingerin Daniela Jansen. Trotzdem sorgen sich die Menschen noch immer mit Blick auf mögliches Hochwasser: „Man merkt bei Leuten, die von der Flut betroffen waren, dass sie feinfühlig bei Wetterereignissen sind und eine gewisse Sorge herrscht, dass sich so eine Katastrophe wiederholen könnte“, bemerkt Jansen.
In den vergangenen fünf Jahren seit der Flutkatastrophe ist schon einiges geschehen in der Stadt Leichlingen. Beispielsweise wurde in Witzhelden die Solinger Straße ausgebaut, um mögliche Regenflüsse ableiten zu können. Außerdem wurde der Murbach verbreitert. Die Maßnahmen zur Hochwasserprävention müssen auch stadtübergreifend abgestimmt werden, da eine Überschwemmung der Wupper Auswirkungen auf alle angrenzenden Städte hat. Dafür ist der Wupperverband zuständig, der als Flussgebietsmanager die Wupper von der Quelle bis zur Mündung betreut.
An Ideen mangelt es uns nicht, aber es fehlt häufig an Menschen und Geld.
Im Mai 2026 gab es ein erstes Treffen zur Planung eines Regionalpakts Wupper zur Umsetzung von Maßnahmen zur Hochwasservorsorge. Beteiligt sind, neben dem NRW-Umweltministerium und dem Wupperverband, die Vertreterinnen und Vertreter der 22 Kommunen sowie der Kreise und Akteure aus Unternehmen, Landwirtschaft und Umweltorganisationen. Ziel ist es, die Zusammenarbeit im Flussgebiet über kommunale Grenzen hinweg auszubauen. Der Pakt soll in den nächsten Monaten weiter ausgearbeitet werden, um dann im ersten Quartal 2027 unterschrieben werden zu können. „Die größte Herausforderung ist die Umsetzung der Maßnahmen“, sagt Ingo Noppen, Vorstand des Wupperverbandes. „An Ideen mangelt es uns nicht, aber es fehlt häufig an Menschen und Geld.“
Der Leichlinger Bürgermeister Maurice Winter erinnert sich noch genau an die Flutnacht des 14. Juli 2021. Damals war er noch stellvertretender Bürgermeister, jedoch trug er die Verantwortung in der Nacht, da der damalige Bürgermeister Frank Steffes im Urlaub war. „Wir haben erfahren, dass eine Flutwelle die Wupper runterfließt und mussten evakuieren, was sich als nicht so leicht herausstellte, da die Menschen sich der Gefahr nicht bewusst waren. Viele wollten im Haus bleiben, um ihre Sachen zu beschützen“, erzählt Winter.

Der neue Pegel am Wupperufer soll durch verlässliche Wasserstandsmessungen Wissen und Sicherheit fördern.
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Ein weiteres Denkmal, das am fünfjährigen Jahrestag eingeweiht wurde, ist die Uhr neben der Marly-le-Roi-Brücke. Diese Uhr steht dort bereits seit vielen Jahren, in der Nacht des Hochwassers blieb sie um 0.16 Uhr stehen. An der Uhr hat die Stadt eine Gedenktafel angebracht, zum Gedenken an die Betroffenen und zum Dank für den Einsatz der Helferinnen und Helfer. „Erinnern reicht nicht, Erinnerung verpflichtet. Naturereignisse können wir nicht verhindern, aber wir können besser vorbereitet sein“, sagt Bürgermeister Winter beim Enthüllen der Gedenktafel.
Zu dieser Vorbereitung gehören auch die 64 aktiven Pegel, die der Wupperverband entlang der Wupper angebracht hat. Daniel Heinenberg, Fachgruppenleiter Hydrologie des Wupperverbandes, stellt den neuen Pegel an der Pastoratsbrücke vor. Er erklärt: „Nach dem Hochwasser im Jahr 2021 kam die Erkenntnis – wir brauchen mehr Daten.“ Der Pegel misst den Wasserstand in der Wupper und sendet diesen an die Hydrologen. Durch die kontinuierlich verlässlichen Messungen soll besser vorhergesagt werden können, wie sich der Wasserstand entwickelt. „Wir möchten durch Redundanz Resilienz herstellen“, sagt Heinenberg. Auf der Website des Wupperverbandes ist der Wasserstand öffentlich einsehbar, in Zukunft soll dies auch über eine App möglich sein.
