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Fünf Jahre nach JahrhundertwasserWas die Stadt Leichlingen aus der Katastrophe gelernt hat

5 min
Vom 13. auf den 14. Juli 2021 trat die Wupper in Leichlingen über die Ufer.

Vom 13. auf den 14. Juli 2021 trat die Wupper in Leichlingen über die Ufer.

Vom 13. auf den 14. Juli 2021 trat die Wupper in Leichlingen über die Ufer.

Seit dem 14. Juli 2021 ist Regen für die meisten Leichlingerinnen und Leichlinger nicht mehr Regen. Wenn es mal wieder so richtig in Strömen gießt, dürften bei vielen, denen damals das Zuhause buchstäblich weggeschwommen ist, wieder schmerzhafte Erinnerungen hochkommen. Als „Jahrhundertflut“ hat die Stadt das Hochwasser jüngst bezeichnet.

Fünf Jahre danach hat sich das Bewusstsein für solche Wetterereignisse verändert. Hochwasserschutz ist deutlich präsenter geworden. In den Köpfen der meisten Menschen, aber auch in politischen Diskussionen, auch wenn vielen der Schutz immer noch nicht weit genug geht.

Die Stadt teilt dazu mit: „Auch wenn auf den ersten Blick nicht immer viel Konkretes erkennbar sein mag, arbeitet die Stadtverwaltung Leichlingen seit Jahren intensiv daran, Starkregenabflüsse möglichst schadlos durch die Siedlungsgebiete zu leiten und die Hochwassergefahr an der Wupper sowie an ihren Nebengewässern im Stadtgebiet zu reduzieren.“

Keller liefen voll, viele Gebäude wurden beschädigt.

Keller liefen voll, viele Gebäude wurden beschädigt.

Die Arbeit daran, Abflüsse bei Starkregenereignissen möglichst schadlos durch die bebaute Stadt zu leiten, laufe schon seit knapp zehn Jahren, sagt die Verwaltung. Man lerne aus vergangenen Erfahrungen, aus Videos, Bildern, aber auch aus topografischen Analysen, anhand derer die Fachleute erkennen können, wie Wasser bei Starkregen fließt. Daraus ist eine „Starkregengefahrenkarte“ geworden, die seit 2017 für jeden und jede online einsehbar ist.

Das sei die Grundlage dafür, 40 Bereiche in der Stadt identifiziert zu haben, in denen man Abflüsse zurückhalten oder umleiten kann, damit die Infrastruktur oder Gebäude nicht so stark beschädigt werden. Allerdings gehören nur wenige Flächen der Stadt, deshalb müsse man sich dafür immer mit den Eigentümern der jeweiligen Grundstücke absprechen. Und das sei nicht immer einfach.

Erfolge meldet die Stadt für Oberbüscherhof, Wietsche, Balke, Hülstrunk, Unterberg und Kradenpuhl. Hier habe man vor allem kleinere Maßnahmen umgesetzt, die noch ausgeweitet werden können. Eine weitere Hürde bei der Hochwasservorsorge laut Stadt: die Bürokratie. Oftmals müsse man technische und wasserrechtliche Anforderungen berücksichtigen, die oft nicht zur Starkregenvorsorge passen. Das müsse man dann mit den Genehmigungsbehörden mühsam abstimmen.

Ein kompletter Schutz vor einem Ereignis wie 2021 sei nicht möglich, sagt die Stadt.

Ein kompletter Schutz vor einem Ereignis wie 2021 sei nicht möglich, sagt die Stadt.

Als Beispiel für Starkregenvorsorge nennt die Stadt die Siedlung Am Weiher in Witzhelden. Hier hat man größere und zusätzliche Einläufe zum Wasserablauf eingerichtet. Der städtische Abwasserbetrieb habe zudem ein Konzept entwickelt, das die Abflüsse aus Höhenlagen in die Innenstadt besser in den Griff kriegen soll. Denn besonders von den landwirtschaftlichen Flächen oberhalb der Innenstadt laufe Wasser und Schlamm immer wieder nach Unterberg, Hülstrunk, Bechlenberg, zum Germaniabad oder nach Balken. Die Stadt will das Wasser auf den Äckern zurückhalten und gedrosselt und gezielt abfließen lassen. Fördermittel dafür seien beantragt, mit Landwirten habe man bereits gesprochen und in den kommenden beiden Jahren soll das konkret werden. Standardisierte, technische Lösungen gebe es für den Umgang mit Starkregen leider noch nicht, sagt die Stadt, die sich aber auf einem guten Weg sieht.

Aber: Ein einhundertprozentiger Schutz sei niemals möglich, sagt die Stadt. Und der Weg zu einem guten Schutz vor Starkregen sei lang. Deshalb ruft die Stadt die Menschen in Leichlingen auf, ihr Eigentum auch eigenverantwortlich zu schützen. Informationen dazu gibt es auf der Seite der städtischen Abwasserbetriebe. Man kann sich auch individuell beraten lassen. Außerdem gibt es regelmäßig Infoveranstaltungen, die nächste am Mittwoch, 15. Juli (Anmeldung starkregen@leichlingen.de).

Der neue Wupperpegel am Pastorat in Leichlingen.

Der neue Wupperpegel am Pastorat in Leichlingen.

Beim Hochwasser 2021 waren auch die Pegel von Murbach und Weltersbach stark angestiegen. Um die Hochwassergefahren dort zu reduzieren, arbeitet die Stadt mit dem Wupperverband zusammen. Hochwasserrückhaltebecken sollen künftig an beiden Flüssen die Abflüsse verhindern. Am Murbach ist schon vieles sichtbar, was sich seitdem verändert hat. In der Genehmigungsplanung befindet sich ein weiteres Becken in Diepental, im Sinneswald hat das Wasser künftig mehr Platz zum Abfließen. Das Museum war 2021 ebenfalls stark betroffen.

Am Weltersbach soll das neue Regenrückhaltebecken oberhalb von Oberbüscherhofen gebaut werden, eine Machbarkeitsstudie liegt vor. Ein Ereignis, wie es 2018 schon Leichlingen heimgesucht hatte, könne dort so vollständig zurückgehalten werden. Das 2021er-Hochwasser nicht, aber es ließe sich zumindest deutlich verzögern und die Schäden ließen sich erheblich reduzieren, sagt die Stadt. Aber auch hier ist die Stadt ehrlich: Ein absoluter Schutz sei nicht möglich.

Vollständiger Schutz kostet 40 Millionen Euro

Grundsätzlich sei es für die Stadt seit 2021 wichtig gewesen, „dieses Ereignis als Maßstab für den zukünftigen Hochwasserschutz der Innenstadt zugrunde zu legen“. Aber – das hätten Gespräche mit der Bezirksregierung über Förderungen und Genehmigungen gezeigt – ein vollständiger Schutz vor einem Ereignis wie 2021 würde Investitionen von rund 40 Millionen Euro erfordern. Schutz vor einem Hochwasser der Stärke HQ100 immer noch 20 Millionen.

Die Stadt muss also, meist in Zusammenarbeit mit dem Wupperverband, nachweisen, dass die Investitionen wirtschaftlich sind. Und sie muss zeigen, dass das, was sie vorhat, sich nicht negativ auf die Kommunen flussabwärts auswirkt. Zum Beispiel Leverkusen, deshalb befinde man sich mit der Verwaltung dort in engem Austausch. Vernetzung ist das Stichwort, meist unter dem Dach des Wupperverbands. Die Stadt sagt: „Ziel ist es, gemeinsam Konzepte für den gesamten Verlauf der Wupper zu entwickeln.“

Der Wupperverband hält in den Talsperren im Oberlauf der Wupper inzwischen Puffer frei, entlang des Flusses hat der Verband viel Geld in Pegel- und Warnsysteme gesteckt. Zum Beispiel Am Pastorat in Leichlingen. Auch dadurch sei Leichlingen besser geschützt.

Zusammenfassend sagt die Stadt: „Die Stadt Leichlingen hat sich frühzeitig gemeinsam mit dem Wupperverband auf den Weg gemacht und stößt inzwischen auf Herausforderungen bezüglich Kosten und Genehmigung, die sie allein nicht bewältigen kann. Umso wichtiger ist die enge Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden, dem Wupperverband und den Nachbarkommunen, um den Hochwasserschutz langfristig weiter zu verbessern.“ Derzeit werde zudem ein Regionalpakt für Hochwasserschutz im Wuppergebiet entwickelt.

Die Stadt verfolgt zudem das Schwammstadtkonzept, „um auch extreme Niederschläge temporär abzufangen und das Wasser für Trockenphasen in den Hitzesommern im Stadtgebiet zu speichern“. An der Friedensstraße hat man mit der Hochschule Ruhr-West eine Pilotanlage zur Versickerung von Regenwasser installiert. Für das kommende Jahr ist eine „blau-grüne Klimaachse“ geplant, „die im Innenstadtbereich das Regenwasser der Dachflächen nicht mehr über die Kanalisation direkt zur Kläranlage leitet, sondern in der Stadt hält“.