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Goldener MeisterbriefDer Zülpicher Walter Blumenthal denkt noch nicht an Ruhestand

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Walter Blumenthal zeigt seinen Goldenen  Meisterbrief, an den Wänden hängen Brillengestelle.

Walter Blumenthal hat den Goldenen Meisterbrief als Augenoptiker bekommen.

Walter Blumenthal und sein Geschäft sind aus Zülpich nicht wegzudenken. Jetzt hat der Uhrmacher und Augenoptiker seinen zweiten Goldenen Meisterbrief bekommen. 

Einen Goldenen Meisterbrief zu bekommen ist schon etwas ganz Besonderes. Walter Blumenthal hat gleich zwei davon. 2018 hat ihn die Handwerkskammer Aachen mit der Urkunde ausgezeichnet, weil er seit 50 Jahren Uhrmachermeister war. Jetzt hat die Handwerkskammer Köln mit dem zweiten Goldenen Meisterbrief nachgelegt: 1976 hat der Zülpicher die Prüfung im Augenoptikerhandwerk abgelegt.

Walter Blumenthal ist aus Zülpich so wenig wegzudenken wie das Geschäft an der Kölnstraße mit der unverkennbaren großen Uhr über den Schaufenstern. Wer schönen Schmuck sucht, eine Brille braucht oder seine Uhr reparieren lassen möchte, ist hier an der richtigen Adresse.

Mit 14 Jahren die Lehre begonnen

Im Gegensatz zur historischen Fassade ist innen alles hochmodern, mit einer Optikabteilung und einem separaten Raum, in dem sich Brautpaare in aller Ruhe die Trauringe aussuchen können. Ruhe ist allerdings für den 81-Jährigen ein Fremdwort. Bis heute ist er stundenweise im Geschäft, das mittlerweile sein ältester Sohn übernommen hat.

Noch keine 15 Jahre war Walter Blumenthal alt, als er – nach der Volksschule – die Lehre als Uhrmacher begann. „Um Viertel nach sechs fuhr der Zug nach Köln“, erzählt er. „Um halb neun abends war ich wieder zu Hause.“ Dreieinhalb Jahre lang ging das so. Und auf die erste Ausbildung folgte gleich die zweite, als Augenoptiker. Dass er schon kurz darauf das Geschäft übernehmen musste, war nicht geplant.

Das war eine stramme Zeit.
Walter Blumenthal über die Zeit, als er den Meister machte

Doch 1966 starb sein Vater überraschend. Die Mutter konnte das Geschäft mit einer Ausnahmegenehmigung weiterführen, doch es musste möglichst schnell ein Meistertitel her. „Also bin ich jeden Abend mit der Aktentasche unterm Arm zum Meisterkurs gefahren.“ Trocken und frei von Selbstmitleid fügt der Senior hinzu: „Das war eine stramme Zeit.“

Dass er in die Fußstapfen seines Vaters und Großvaters treten würde, habe für ihn nie infrage gestanden: „Ich habe schon als Kind neben meinem Vater am Werktisch gestanden und an Weckern herumgebastelt.“ 1900 hatte der Großvater das Geschäft an der Kölnstraße gegründet. Die hieß damals noch Cölnstraße, und die Hausnummer war 295, weil die Häuser in Zülpich damals einfach durchnummeriert wurden.

Der Vater war Augenoptiker, der Großvater Uhrmacher

Der Geschäftsgründer war Uhrmacher, dessen Sohn Augenoptiker. Walter Blumenthal erklärt, warum die Kombination dieser beiden Handwerke häufig war: Mit der Maschine, mit der die Uhrengläser geschliffen wurden, konnte man auch die Brillengläser bearbeiten.

Wollte er denn nie etwas anderes machen? Der 81-Jährige überlegt kurz. „Wenn mein Vater nicht so früh gestorben wäre, hätte ich gern noch eine Lehre als Goldschmied gemacht“, sagt er. Und er hätte gern eine Weile in der Schweiz gearbeitet.

In Zülpich hat man sich um das Industriegebiet, den See und das Museum gekümmert, aber die Innenstadt vernachlässigt.
Walter Blumenthal hat sich auch im Aktivkreis der Geschäftsleute engagiert

Statt der Schweiz also: Zülpich. In seiner Heimatstadt hat er sich jahrzehntelang im Aktivkreis der Geschäftsleute engagiert. Heute sagt er: „In Zülpich hat man sich um das Industriegebiet, den See und das Museum gekümmert, aber die Innenstadt vernachlässigt.“

Mittlerweile hat die vierte Generation das Geschäft übernommen, in dem Tradition großgeschrieben wird. Michael Blumenthal ist Augenoptikermeister. Seit 33 Jahren, bis zum Goldenen Meisterbrief ist noch ein bisschen Zeit. Der jüngere Sohn ist zwar der Tradition, aber nicht Zülpich treu geblieben. Er ist Uhrmacher und arbeitet in Hamburg. „Die vierte Generation wird die letzte sein“, sagt Michael Blumenthal bedauernd. Seine Kinder und die seines Bruders haben sich anders orientiert.

Immer noch stundenweise im Büro oder in der Werkstatt

Der Familienbetrieb, mittlerweile Blumenthal GmbH, ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Allein sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Meistertiteln sind in Zülpich und im Geschäft, das 2005 in Erftstadt-Lechenich eröffnet wurde, angestellt. Vor allem wegen des Ladens in Lechenich ist Michael Blumenthal heilfroh, dass sein Vater das Wort Ruhestand nicht zu kennen scheint. Trotz seines Alters und eines Schlaganfalls vor drei Jahren ist er immer noch stundenweise im Büro und auch in der Werkstatt.

„Glücklicherweise habe ich immer noch eine ruhige Hand und kann Uhren reparieren“, sagt Walter Blumenthal. Und nicht nur das. Sein fachlicher Rat ist in der Uhrmacherwerkstatt immer hochwillkommen. „Wir können ihn immer fragen und profitieren von seiner Erfahrung“, sagt eine der Uhrmacherinnen.