Der April ist berühmt für seine Unentschlossenheit. April, April, der macht was er will, heißt es in einer alten Bauernweisheit. Dieses Jahr wollte der April vor allem eines: Winter. Doch der Blick in die Wetterapp ist im Mai kein Stück besser. „Freitag, 21. Mai: Regen. Samstag, 22. Mai: Regen. Sonntag, 23. Mai: Regen. Montag, 24. Mai: Gewitter.“ Wieso lässt der Sommer, ach was der Frühling, so lange auf sich warten? Was hat das Klima damit zu tun? Und wer freut sich über die ganzen Schauer?
Nein, sagt Andreas Friedrich, das schlechte Wetter haben wir uns in unserem Corona-Blues nicht eingebildet. „Im April kam die Luft aus Norden – also aus polaren Regionen – nach Deutschland“, erklärt der Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD). „Dadurch fiel der April deutlich kälter aus.“ Der vergangene Monat war der kälteste April seit über 40 Jahren, gleichzeitig sei er viel zu trocken und überdurchschnittlich sonnig gewesen – eine seltene Kombination. Durch die Polarluft, sagt Friedrich, maßen Wetterstationen nachts Rekordtemperaturen.
„An Muttertag hatten wir einen Tag, an dem sich das Wetter innerhalb von 24 Stunden um 180 gedreht hat“, sagt Friedrich. Genau dasselbe tat der Wind: Einen Tag lang strömte subtropische Luft aus Nordafrika und dem Mittelmeer nach Deutschland. Kaum war der Muttertag vorbei, verschwand auch der Südwind.
Sonne in Helsinki, Regen in Köln
Jetzt, im Mai, strömt Atlantik-Luft aus dem Nordwesten nach Deutschland. „Das heißt: Es gibt viele Tiefdruckgebiete über Deutschland, die Regenschauer bringen“, erklärt Friedrich. Auch der Mai ist bisher kalt: Er liegt einen Grad unter dem vierjährigen Durchschnitt. Zwei zu kalte Monate hintereinander seien in Zeiten des Klimawandels selten geworden. „Aber das kann passieren. Dieses chaotische System der Atmosphäre schlägt zufällig zu.“ Mit dem Klimawandel, sagt Friedrichs, haben solche Kaltwetterphasen nicht zu tun. „Wenn wir über Klima reden, dann sprechen wir von sehr langen Zeiträumen die wir beobachten – mindestens 30 Jahre“, sagt der Meteorologe. An einzelnen Monaten könne man dies nicht festmachen. „Das ist nur das Wetter. Mit Klima hat das nichts zu tun.“
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Während wir in Deutschland noch Wintermäntel tragen, feiern Menschen in anderen Teilen Europas schon den Sommer. Das Tiefdruckgebiet, sagt Friedrich, liegt nämlich eher über Mitteleuropa – Deutschland, Frankreich, auch in Teilen Skandinavien ist es noch regnerisch. „Wer dagegen auf den Balearen war, konnte sich schon über Temperaturen von 20, 25 Grad freuen“, so Friedrich. Im Osten Europas erlebten einige Länder sogar einen deutlich zu warmen Frühling. „Rund um Moskau bis nach Finnland hatte wir in den letzten Tagen wiederholt 25 bis 30 Grad. Die Russen schwitzen“, sagt Friedrich. Das sei wohl der Ausgleich: Deutschland friert, Finnland genießt die Sonne.
Warmer Sommer in Sicht
Einige Berufsgruppen verfolgten die Wettervorhersagen der letzten Tagen dagegen mit leuchtenden Augen. Förster und Landwirte zum Beispiel, obwohl ihnen der Bodenfrost im April noch Sorgen machte. Nach drei Dürrejahren mit erheblichen Ernteschäden schießt der Raps nun in die Höhe, auch die Wälder profitieren. „Das, was wir gerade erleben, ist ein Segen für die Natur“, sagt Friedrich und zitiert ebenfalls eine Bauernweisheit: Ist der Mai kühl und nass, füllt es dem Bauern Scheune und Fass.
Ein guter Mai für die Landwirte, ein schlechter für all diejenigen, die sich nach etwas Wärme sehnen. Auch in den nächsten zehn Tagen bleibt ein Sommerdurchbruch unwahrscheinlich: Die Pfingsttage werden genauso kühl und nass wie Christi Himmelfahrt. Nur der Pfingstsonntag könnte in Köln trocken und sonniger werden. „Stand heute kann man also empfehlen, den Sonntag freizuhalten“, sagt Friedrich. Wie es danach weitergeht, können Meteorologen nicht sagen, dafür ist das Wetter zu unbeständig.
Andreas Friedrich zeigt sich trotzdem vorsichtig optimistisch: Ein grober Jahreszeitentrend sagt einen warmen Sommer voraus. „Die drei Sommermonate sollen ein halbes bis ein Grad wärmer werden als der Durchschnitt der letzten 30 Jahre bei durchschnittlichen Niederschlagsmengen“, sagt er. Keine Dürren, dafür häufig Freibadwetter – es scheint also doch etwas Sonne am Ende des Tunnels.
„Man kann aber nicht sagen: Der Juni wird heiß und trocken, der Juli wieder nass“, betont Friedrich. „Nur: Dieser Sommer wird insgesamt etwas wärmer werden als die letzten.“ Nun denn. Zur Not breitet man das Badehandtuch doch an den Stränden Finnlands aus.



