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Eine Brücke lähmt das Rheinland

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08.06.2026, Nordrhein-Westfalen, Bonn: Fahrzeuge stehen auf der Kennedybrücke in der Bonner Innenstadt im Stau. Nach Sperrung der Nordbrücke verdichtet sich der Verkehr in der Innenstadt. Foto: Henning Kaiser/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Fahrzeuge stehen auf der Kennedybrücke in der Bonner Innenstadt im Stau. Nach Sperrung der Nordbrücke verdichtet sich der Verkehr in der Innenstadt. Foto: dpa

Ein schneller Neubau der Bonner Nordbrücke könnte die Generalsanierung der Bahnstrecke Köln-Bonn-Koblenz und den Austausch vier Kölner Bahnbrücken in der Innenstadt gefährden.

Für die Bonner Nordbrücke kommt dieser Notarzt zu spät. Vor drei Wochen präsentierte der Brücken-Doktor der Rheinland-Klinik der Autobahn GmbH mit einer Entourage von Pflegepersonal aus Kommunen, Wirtschaft und Verbänden in der Verkehrsleitzentrale Leverkusen einen nagelneuen Instrumentenkoffer für zwölf Brücken-Patienten in Nordrhein-Westfalen, die alle auf der Intensivstation vor sich hin bröckeln.

Der Zauberkoffer, so das Versprechen, sollte für den Fall der Fälle einer „Brückeneinschränkung Konzepte für ein vorausschauendes und zugleich netzwerkübergreifendes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement“ enthalten, „um Verkehrsströme auch im Fall sicher und leistungsfähig abwickeln zu können“. Klingt gut. In der Theorie.

Das war wohl nichts. Der Patient Nordbrücke schien zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht dem Tode geweiht, doch das Vorlandbrücken-Flimmern war schon seit längerem so alarmierend, das zuletzt nicht einmal mehr Schulbusse oder Schienenersatzverkehr über das Bauwerk rollen durften. Schwere Lastwagen schon mal gar nicht. Die könnten ihm endgültig das Rückgrat brechen. Da helfen auch die besten Instrumente wie Fahrbahneinengungen, Wiegeanlagen und Geschwindigkeitsbeschränkungen nichts.

Seit Donnerstag steht fest: Auf dieser Brücke fährt vorerst gar nichts mehr. Der wichtigste Ost-West-Bypass der Region ist so schwer geschädigt, dass man von Glück reden kann, wenn er bis zum Abbruch wenigstens von Pkw genutzt werden kann. Und sei es mit einem Tempolimit von 60 unter Dauerüberwachung. Wie das jahrelang bei der alten Leverkusener Rheinbrücke der Fall war. Sehr wahrscheinlich ist das nicht. Das weiß auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder. Der Neubau der Rheinquerung in einem beschleunigten Verfahren hat deutschlandweit ab sofort höchste Priorität.

Auch in Köln gilt das Prinzip Hoffnung

Das ist eine gute Nachricht, deren Folgen das gesamte Rheinland empfindlich treffen werden und noch gar nicht abzusehen sind. Schließlich ist nicht nur die Bonner Nordbrücke in einem schlechten Zustand. Vergleichbares gilt für die Rodenkirchener Brücke, die Severinsbrücke und die Zoobrücke in Köln. Auch die Stadt Köln muss bei der Sanierung priorisieren und rechnet damit, dass die Zoobrücke als letzte erst ab Jahr 2040 an die Reihe kommen. Bis dahin gilt das Prinzip Hoffnung.

Wo das enden kann, sieht man gerade in Bonn. Offenbar haben die Autobahn GmbH Rheinland und die Stadt gehofft, die Nordbrücke werde schon irgendwie bis 2030 durchhalten. Durchhalten müssen.

Sonst hätte sie den Plänen der Bahn widersprochen, ab Februar 2028 zuerst die linksrheinische Bahnstrecke zwischen Köln, Bonn und Koblenz und anschließend vier Kölner Bahnbrücken in der Innenstadt zu sanieren. 17 Monate Vollsperrung auf der Schiene zwischen Köln und Bonn plus eine Brückenlücke im Bonner Norden. Das ist unzumutbar und betrifft nicht nur die Stadt Bonn, sondern auch die Kreise Rhein-Erft und Rhein-Sieg.

Bei dieser Ausgangslage dürfte eins auch klar sein. Die Planungen für eine neue Autobahnbrücke über den Rhein, der sogenannten Rheinspange zwischen der linksrheinischen A555 und der rechtsrheinischen A59, kann die Autobahn GmbH für mindestens ein Jahrzehnt zu den Akten legen.

Weil es keinen Sinn macht, Luftbrücken für das Rheinland zu planen, wenn die real existierenden eine nach der anderen kurz vor dem Zusammenbruch stehen. Sanieren vor Neubau ist seit einem Jahrzehnt das Motto der Landesregierungen und deren Verkehrsministern Hendrik Wüst, Ina Brandes und Oliver Krischer. Das muss so bleiben. Bis die letzte Bröckel-Brücke runter ist von der Intensivstation.