Marie-Luise Mettlach bekommt als erste die neu geschaffene Auszeichnung. Und die Macher des Kulturvereins werden als „Burscheider des Jahres“ gewürdigt.
EhrungDer erste Kulturpreis in Burscheid geht an eine Legende

Fit und lebhaft wie eh und je: Marie-Luise Mettlach am Freitagabend im Kulturforum. Im Hintergrund amüsieren sich Ursula Schrage und Bürgermeister Dirk Runge.
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Es gibt Ereignisse, die sind ein bisschen vorhersehbar, und das ist eine Wohltat: Als am Freitagabend der erste Kulturpreis der Stadt Burscheid verliehen wird, rollt irgendwann Marie-Luise Mettlach ins Scheinwerferlicht. „Jemand anderen zu würdigen für diesen ersten Preis kann ich mir nicht vorstellen“, kommentiert Silke Hamburger. Dass sie als Laudatorin für Ise, wie die inzwischen 90 Jahre alte Mettlach meist genannt wird, auserkoren wurde, ist natürlich auch kein Zufall: Über Jahrzehnte haben sich die Wege von Hamburger und Mettlach gekreuzt, und immer ging es um die Kultur in Burscheid.
1965 kam die Kölnerin in die Stadt, half irgendwann, den Kulturverein aufzubauen, „erfand“ den Kultur- und den Denkmalpfad, schrieb Rezensionen für die Zeitung, hatte eine Kolumne, hielt Lesungen und pflanzte unzähligen Burscheiderinnen und Burscheidern eine Idee davon ein, was ihre Stadt bedeutet und was sie ausmacht. Die Kirchenmusikdirektorin Hamburger – selbst eine prägende Figur im kulturellen Leben Burscheids – beschreibt es ähnlich: Ise habe gezeigt, „wo wir herkommen, wo wir sind, wo wir hingehen können“.
Mettlachs Einfluss kann man nicht unterschätzen
Mettlachs Einfluss auf die wahrlich nicht kleine Kulturszene in Burscheid könne man gar nicht unterschätzen, sagt Silke Hamburger im Kulturforum. Wenn mal was stockte und man nicht recht weiter wusste, „kam zwischendurch die Ise und sagte: Ich hab eine Idee.“ Und die seien immer gut gewesen.
Ise Mettlach, die auch an diesem Abend vor Lebensfreude sprüht, ist nur kurz gerührt: „Die Worte gehen mir natürlich runter wie Marmelade“, reagiert sie auf Silke Hamburger. Aber damit hält sie sich nicht lange auf – begibt sich an den Tisch mit dem Mikro und tut, was sie immer tat: Ise lässt Burscheids Geschichte lebendig werden. Schaut in die Mitte des vorvorigen Jahrhunderts, als Burscheid Stadt wurde. Berichtet von dem abenteuerlichen Wäldchen im Hagen, einem Kinderspiel-Paradies, wo jetzt das Burscheider Bad steht – „seit drei Jahren geschlossen“, ist ihr Nachsatz. Dabei lächelt Ise etwas spitzbübisch.
Sie erwähnt die Hauptstraße als Keimzelle des Orts und einen legendären Laden, in dem es unter anderem Himbeerbonbons gab, außerdem Bürsten, Spielwaren, Süßholz, Mausefallen und Waschblau. Manche können sich daran noch erinnern im Kulturforum. Ganz im Sinne der Mettlach’schen Feststellung: „Kultur hilft auch, das zu bewahren, was vorbei ist.“

Bürgermeister Dirk Runge mit Jelle von Dryander, Gabriele Breitenbach, Wolfgang Schumacher, Lisa Petzold-Sauer, Renate Bergfelder-Weiss, Petra Wengenroth-Büscher und Ulli Sandtner (von links). Der Scheck hat in diesem Fall eine besondere Bedeutung.
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Dieser Antrieb hat einst auch dem Kulturverein Burscheid geholfen. Für den, das räumt seine Vorsitzende Jelle von Dryander am Freitagabend ein, 2025 ein sehr schwieriges Jahr war. Es war ausgerechnet das des 25-jährigen Bestehens, der angestrebte Generationswechsel fiel sehr schwer.
Vorigen März „waren wir noch der Meinung, dass wir das nicht mehr erleben und uns vorher als Verein und vom geliebten Badehaus verabschieden müssen, mangels Kraft neuer Ideen, personeller und finanzieller Unterstützung. Der Himmel hat uns eine Woche vor der entscheidenden Mitgliederversammlung Lisa, Gabriele und Andrij geschickt, und so dürfen wir uns wieder erfrischt und auch etwas verjüngt neu ans Werk geben“, freut sich die Vorsitzende, als sie und der gesamte Vorstand als „Burscheider des Jahres“ gewürdigt werden.
Die Jurys hatten viel Auswahl
Denn natürlich steht auch diese Ehrung auf dem festlichen Programm im Kulturforum. Ein, so sagt es der gut gelaunte Bürgermeister Dirk Runge, „mehr als angemessener Ort“ für die Preisverleihung. Die Jury, das berichtet Ursula Schrage, hatte in diesem Jahr die Auswahl unter 15 Kandidatinnen und Kandidaten. Das breite Feld komme unter anderem dadurch zustande, dass die Bewerber der beiden Vorjahre noch einmal begutachtet werden. 15 Nennungen habe es übrigens auch für den ersten Kulturpreis gegeben, heißt es im Kulturforum.
Der Abend steht aber nicht nur im Zeichen der Preisträgerinnen. Burscheids Musik- und Orchesterschule zeigt diverse Proben ihres Könnens. Den Auftakt bestreitet das Ensemble Pro Arco – den Namen habe sich Hermann Schmalz kurzerhand ausgedacht, verrät Moderatorin Annette Willuweit. Der Libertango von Astor Piazzolla setzt die erste musikalische Klammer. Die letzte setzt zum guten Schluss Hermann Schmalz selbst im Duett mit Julia Jech. Auch die Passacaglia von Johan Halvorsen ist ein Tango, und zwar ein überaus anspruchsvoller.
Und dann sind da ja auch noch die Ermöglicher von der Kreissparkasse Köln. Das Geldinstitut unterhält natürlich auch eine Burscheid-Stiftung, Referentin Sabine Claßen und dem Geschäftsführer aller Sparkassen-Stiftungen, Christian Brand, gehören auch einige Minuten auf der Bühne.
Was an diesem Abend fehlt, sind die Ehrungen im Sport. Dafür gibt es in diesem Jahr eine eigene Veranstaltung, die der Stadtsportverband auf die Beine stellen wird. Auch dort, davon darf man ausgehen, wird es festlich zugehen. Und lebhaft.
Burscheider des Jahres und Kulturpreis
Seit 2001 wird die Auszeichnung „Burscheider oder Burscheiderin des Jahres“ verliehen, und bis 2005 wurde jeweils eine Frau und ein Mann ausgezeichnet.
Seit 2006 gibt es nur noch eine Burscheiderin oder einen Burscheides des Jahres, und seit 2012 können auch Gruppen vorgeschlagen werden. Bisher wurden neun Gruppen und 21 Einzelpersonen geehrt.
Der Kulturpreis der Stadt Burscheid wurde durch Beschluss des Hauptausschusses im März 2024 eingeführt. Danach wurde im Detail gekärt, wer für diese neue Auszeichnung in Frage kommt - im vorigen April wurde das als Richtlinie beschlossen.
Jedes Jahr gibt es eine Vorschlagsphase, in der Bürgerinnen und Bürger jeweils eine Person oder Gruppe ins Gespräch bringen können. Für den Kulturpreis lagen nach Angaben der Stadtverwaltung 15 Vorschläge vor; eine Auswahlkommission legte dann die Preisträgerin fest. (tk)


