Auf Vermittlung von Innenminister Herbert Reul kam NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst zum Neujahrsempfang nach Leichlingen.
CDU-LeichlingenHendrik Wüst besucht die Stadt des „schwarzen Sheriffs“

Die CDU-Leichlingen bekam zum Neujahrsempfang in Haus Klippenberg Besuch von Ministerpräsident Hendrik Wüst (links). Daneben sitzt Herbert Reul (2. v. l.) und drei Sitze weiter hinten die Bundestagsabgeordnete Caroline Bosbach.
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Man kann nur hoffen, dass sich die Wirte von Haus Klippenberg ein Foto vom Ministerpräsidenten Hendrik Wüst beim CDU-Neujahrsempfang fürs Album gemacht haben, denn solche Berühmtheiten sieht man dort in Oberleichlingen, kurz vor Witzhelden, dann doch nicht allzu oft. Ludwig Sebus war mal da, aber das ist auch schon über zwei Dekaden her.
Gleich am Anfang der Rede Wüsts wird auch klar, wer ihn dazu bewegen konnte, an diesem Sonntagvormittag vom Niederrhein in den Festsaal nach Oberbüscherhof zu kommen: „Wenn Herbert Reul anfragt, dann widerspricht man dem schwarzen Sheriff nicht!“

Bürgermeister Maurice Winter auf dem Neujahrsempfang in Haus Klippenberg.
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Es scheint so, als wisse er, was er dem Leichlinger zu verdanken hat, dem ziemlich sicher ein gehöriger Anteil des CDU-Erfolgs seit 2017 in NRW zuzurechnen ist. Wüst spart nicht mit Lob: „Herbert Reul, das ist ein Riesen-Typ, er ist der beste Innenminister, den es in Deutschland gibt.“ Der Applaus zeigt, dass die Leichlinger CDU-Mitglieder das genauso sehen. Reul nimmt die Lorbeeren gelassen entgegen.
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Caroline Bosbach macht ein fröhliches Gesicht beim Neujahrsempfang der CDU-Leichlingen in Haus Klippenberg.
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Wüst wird nicht nur in NRW selbst als einer der möglichen nächsten Kanzlerkandidaten der CDU gehandelt, und im Moment schwimmt seine Partei auf der Erfolgswelle: Die von ihm geleitete schwarz-grüne Koalition in Düsseldorf läuft ziemlich störungsarm. Die Bundestagswahl im vergangenen Winter konnte mit dem CDU-Mann Merz gewonnen werden, in Leichlingen holte Maurice Winter im Herbst bei der Kommunalwahl den Bürgermeisterposten von der SPD zurück – nach 31 Jahren.
Einziger Wermutstropfen in Leichlingen: Caroline Bosbach
Vielleicht ein kleiner CDU-Wermutstropfen sind die schlechten Nachrichten wegen der Ermittlungen der Kölner Staatsanwaltschaft in der Betrugsaffäre um Caroline Bosbach. Auch Frau Bosbach war zum Empfang nach Oberleichlingen gekommen. Als sie von der Parteivorsitzenden Yasmin Koerentz mit dem schwungvoll gesprochenen Satz begrüßt wurde: „Liebe Caroline, Du bist mit einem Spitzenergebnis in den Bundestag eingezogen…“, blieb der im Redefluss eingeplante Beifall aus.

Beim Neujahrsempfang in Haus Klippenberg: Herbert Reul, links Caroline Bosbach.
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Wüst lobte sie später aber noch einmal in seiner Rede, da klatschten die Mitglieder, aber nicht so euphorisch wie bei Reul und Winter.
Zu Neujahrsempfängen wird die Parteiseele gestreichelt, wird gesagt, was gut läuft. In seinem Ausblick lässt der NRW-Ministerpräsident ein paar der Themen anklingen, die ihm Sorgen bereiten. Etwa, dass China europäische Märkte aufkaufe. Und dass man sich bei anstehenden Landtagswahlen ernsthafte Sorgen wegen der AfD machen müsse. „Lass die mal regieren, dann entzaubern sie sich von selbst“, diese Haltung sei gefährlich: Wüst skizziert kurz, was 1933 geschehen sei, als die Nazis mit Hitler innerhalb von nur zwei Monaten die Demokratie abschaffen konnten und wenige Wochen später das erste Konzentrationslager eröffnet wurde.
Was tun? „Wir müssen uns das in Erinnerung rufen, aber das reicht nicht, wir müssen Antworten auf die Alltagssorgen geben.“ Und es müsse wirtschaftlich wieder vorangehen, der Druck sei „gigantisch“, aber er sei optimistisch.
Alle würden jetzt wohl etwas zum Gelingen beitragen müssen. Alle, denn die Deutschen würden mitziehen, wenn sie nicht das Gefühl hätten, beschummelt zu werden, etwa bei Sozialreformen und im Gesundheitssystem. Wüst ist kein Hardliner, er zitiert den Norbert Blüm, unter Bundeskanzler Kohl 16 Jahre lang Arbeits- und Sozialminister, der gesagt hatte, dass die, die fordern, dass der Gürtel enger geschnallt werden müsse, immer am Gürtel anderer herumfummelten.


