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Abschiebung trotz IntegrationVater und Tochter in Sri Lanka – Mutter und vier Kinder in Leverkusen

Am Freitag schlug die unvermittelte Abschiebung der Leverkusener Familie Rouf hohe Wellen. Weil sich einer der Söhne von einer Klassenfahrt ins Kirchenasyl flüchtete, konnten die Mutter und die Kinder nicht abgeschoben werden.

Von
Bild: Ralf Krieger

Die Mutter Chamsul telefoniert mit Tochter Ramla und dem Familienvater in Sri Lanka.

Im Verfahren um die umstrittene Abschiebung der Leverkusener Familie Rouf gibt es eine Atempause. Zwar wurden die volljährige Tochter Ramla (19), Schülerin auf dem Buchheimer Gymnasium, und ihr Vater am Freitag abgeschoben. Sie sind inzwischen bei Verwandten in Sri Lanka untergekommen, die beiden sind nicht ins Bodenlose gefallen. „Es ist ok“, sagte sie am Telefon. Die Mutter Chamsul und vier minderjährige Kinder (15, 13, 7, 6) aber konnte die Leverkusener Ausländerbehörde bisher nicht abschieben.

Der Grund: Die Familie würde weiter auseinandergerissen, denn der 15-jährige Sohn ist nicht greifbar; er hatte sich auf Klassenfahrt in Berlin befunden und kehrte nicht mit seiner Klasse zurück. Unterstützerin Marianne Arndt von der katholischen Kirchengemeinde Kalk-Humboldt sagte, er sei vorerst im Kirchenasyl untergekommen, die Leverkusener Ausländerbehörde sei darüber informiert worden.

Angst vor weiterem Zugriff

Mutter Chamsul und die drei kleineren Kinder wurden zwar am Freitag nach ihrem Termin am Leverkusener Amtsgericht sofort nach Frankfurt zum Flughafen zur Abschiebung transportiert, später mussten die Behörden sie aber zurückbringen.

Aus Angst vor einem weiteren Zugriff durch die Leverkusener Ausländerbehörde leben die Mutter und die Kinder derzeit nicht in ihrer Opladener Wohnung. Die Mutter kam am Samstagnachmittag mit ihrer 13-jährigen Tochter Razqua zu einem kurzen Besuch nach Kalk zu einem Begegnungsfest der Katholischen Kirchengemeinde, um sich mit Marianne Arndt zu beraten, wie es weitergehen kann.

Marianne Arndt (links) begrüßt die Mutter Chamsul und die 13-jährige Tochter Razqua (13) auf einem Begegnungsfest der katholischen Kirchengemeinde Kalk – Humboldt.

Die Tochter Ramla sagt bei einem Videotelefonat, dass sie sich Sorgen mache, wie sie die nächsten Klausuren schaffen könne. Die seien für Ende November angesetzt: „Wie soll ich die schreiben?“ Ihre Abiturprüfung ist für Mai terminiert. Material zum Lernen, etwa ihren Laptop, habe sie nicht mitnehmen können.

Unklar ist aber weiterhin, ob sie zu den Klausuren und der Abschlussprüfung überhaupt in Deutschland zurück sein kann. Möglicherweise gebe es einen Weg, sagt Marianne Arndt,  Ramla sei zu jung, um von der Familie getrennt zu leben.

Es gibt eine Welle der Unterstützung für die Familie. Am Freitagabend demonstrierten 70 Schülerinnen und Schüler des Buchheimer Schulzentrums auf einer Demonstration am Friesenplatz für ihre Mitschülerin und die Familie. Sie gilt als vorbildlich integriert, sodass die Härtefallkommission NRW sich für den Verbleib in Deutschland ausgesprochen hatte.

Die NRW-Landesregierung ist ebenso alarmiert worden wie der Leverkusener Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach (SPD) und der Landtagsabgeordnete Jochen Ott. Petitionen zum Unterschreiben seien im Umlauf, sagt Arndt. Parteien und Kreisverbände, etwa die Leverkusener Grünen, verurteilen den überfallartigen Zugriff der Leverkusener Ausländerbehörde und die Abschiebung, die das Kölner Verwaltungsgericht am Freitag nach einem Eilantrag der Anwälte der Familie allerdings für rechtens erklärt hatte.