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Deichbau beginnt
Wie Schlebusch vor Hochwasser geschützt werden soll

Lesezeit 3 Minuten
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Klaus Timpert, Simone Möller und Frank Schönberger an der Deich-Baustelle.

Leverkusen – Wäre Schlebusch bei der Flut im vergangenen Jahr besser davon gekommen, wenn der Deich damals schon gestanden hätte? Es ist Spekulation. „Diese Jahrhundertflut wäre wohl nicht ganz verhindert, aber für Teile von Schlebusch abgemildert worden“, sagt Bezirksbürgermeister Frank Schönberger. Schließlich lief das Wasser auch aus dem Ophovener Weiher den Berg hinunter ins Dorf. Und nicht nur aus der Dhünn, vor deren Wasser der Schlebuscher Ortskern nun bei künftigen Hochwassern geschützt werden soll.

Beschluss aus 2017

Bereits 2017 gab es einen Planungsbeschluss für einen Deich quer zur Fließrichtung der Dhünn auf Höhe des Kreisverkehrs zwischen Odenthaler Straße und Kandinskystraße. Dagegen allerdings hatten Anwohner geklagt, der Rechtsstreit wurde erst im August 2021 vor dem Oberverwaltungsgericht Münster beigelegt.

Am Donnerstag erfolgte schließlich der Spatenstich: Auf 135 Metern Länge, 1,43 Metern Höhe und etwa sechs Metern Breite entsteht in den kommenden fünf Monaten eine Erdwall aus lehmhaltigen Boden, der zum Schutz vor Erosion mit einer 20 Zentimeter starken Oberbodenschicht inklusive Raseneinsaat abgedeckt wird. Außerdem wird der Deich parallel zur Dhünn an einer Stelle geöffnet und mit einer Gabionenwand versehen, über die das aufgestaute Wasser zurück in die Dhünn geleitet werden soll. Das Ganze wird mit Kosten von 665.000 Euro veranschlagt, 80 Prozent der Baukosten in Höhe von 535.000 Euro übernimmt das Land.

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Dabei wurden die Planungen von 2017 übernommen, ungeachtet dessen, dass das 2021er-Hochwasser deutlich über dem hierfür zugrundeliegende sogenannten „hundertjährigem Ereignis“ liegt. Die Pläne danach zu überarbeiten, hätte noch einmal sehr viel Zeit gekostet, sagt Simone Möller von den Technischen Betrieben Leverkusen (TBL). Um nun möglichst schnell beginnen zu können, habe man sich dagegen entschieden. „Der Deich liegt 50 Zentimeter höher als das errechnete hundertjährige Hochwasser. Das Extremereignis lag noch einmal 38 Zentimeter über dem Hundertjährigen. Demnach hätte der Deich im vergangenen Jahr knapp ausgereicht.“

Keine absolute Sicherheit

Aber natürlich seien auch noch höhere Pegelstände denkbar – aber wie hoch will man denn bauen? Mit diesem Deich, ist Möller überzeugt, sei Schlebusch vor vielen Hochwasserszenarien gut geschützt. Zumindest aus dieser Richtung. Was das Wasser aus dem Ophovener Weiher angeht, sei der Wupperverband zuständig, für den Kanal am nahen Leimbach Straßen NRW, aber auch mit denen stehe die TBL in Kontakt.

Anwohner sind skeptisch

Anwohner sind weiter skeptisch, was den Sinn des neuen Deiches betrifft. Das Grundproblem läge doch darin, dass man der Dhünn erlaube, weiter oben über das Ufer zu treten, um das Wasser dann kurz vor dem Ortskern wieder zurück in den Fluss zu leiten.

Durch einen Wehrbau, der die Fließgeschwindigkeit verringert, und die Renaturierung bleibe viel Totholz am Ufer und im Flussbett liegen, das bei Hochwasser die Ausbreitung begünstigt. „Früher wurde das alles schön sauber gehalten, hier müsste doch angesetzt werden“, sagt ein Anwohner. Das liege aber nicht im Hoheitsgebiet der Stadt, sagt Möller, und versucht, zu beruhigen: „Ein Rückstau bis nach Hummelsheim ist ausgeschlossen.“ Auch, dass das in die Dhünn zurückgeleitete Wasser dann an andere Stelle im Schlebuscher Ortskern austritt, sei laut der hydraulischen Modelle nicht der Fall. Anwohner aber sagen, dass genau das im vergangenen Jahr passiert sei, auch ohne Rückleitung.

Bagger rücken an

Auch mögliche Schäden an den Feldern werde man bei künftigen Hochwasserereignissen genau im Blick behalten. „Das verspreche ich Ihnen“, sagt Möller und kündigt auch einen weiteren Gesprächstermin mit Fachleuten an. Und dann wird das Feld geräumt, für die Arbeiter der Geschw. Balter Bauunternehmung, die direkt mit dem Bau loslegen.

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