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FriedhöfeWo sich die farbenfroheste Beerdigung Leverkusens zutrug

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Der Friedhof in Hitdorf mit der Friedhofskapelle

Der Friedhof in Hitdorf mit der Friedhofskapelle

Der katholische Friedhof St. Stephanus in Hitdorf liegt am südöstlichen Ende des Stadtteils etwas abgeschieden auf dem Feld.

Immerhin, zwei Buslinien, die 215 und die SB23, halten direkt vor dem katholischen Friedhof am südöstlichen Ende von Hitdorf. Der, abgeschieden auf dem Feld zwischen Rheindorf und Hitdorf gelegene, Gottesacker ist damit per Bus aus dem Stadtzentrum in Wiesdorf sehr gut erreichbar, sogar nachts, wenn hier die Linie N23 Station macht.

In nördlicher Richtung liegen Felder, dem Friedhof gegenüber auf der Südseite der Hitdorfer Straße haben Mazda, der DRK-Katastrophenschutz und TMD Friction ihre Gebäude. Fast in Steinwurfweite im Osten führt die Auffahrt auf die A59. Verkehrslärm dringt, wie auf vielen Leverkusener Friedhöfen, auch hier an die Ohren des Besuchers.

Der Weg durch den Haupteingang führt geradewegs auf die aus den 1950er-Jahren stammende Friedhofskapelle zu, deren Bau der damalige Pfarrer Hoppe initiierte. Rechts und links des Hauptwegs, wie auf den anderen Friedhöfen in der Stadt, auch die Gräber der bekanntesten Familien des Stadtteils: Ziemlich vorne an etwa fällt links die recht schlicht gehaltene Grablege der Familie Middelanis auf. Ihr gegenüber zwei noch recht frische Gräber mit Holzkreuzen: Heinz und Helga Brinkschulte liegen hier begraben. Der Mineralölhändler Brinkschulte hatte 2024 über eine Spende von 100.000 Euro mit dafür gesorgt, dass die Fähre von Hitdorf nach Köln-Langel eine Zukunft hatte. An Weihnachten 2024 starb er hochbetagt, im Jahr zuvor war seine Frau bestattet worden.

Beerdigung von Willi Hentges auf dem Hitdorfer Friedhof am 9. März 2012.

Die Beerdigung von Willi Hentges auf dem Hitdorfer Friedhof am 9. März 2012

Gut zwölf Jahre zuvor erlebte der Friedhof eine der größten, mit Sicherheit aber die farbenprächtigste Beerdigung der Nachkriegszeit. Willi Hentges, bis zum Jahr 2004 24 Jahre lang Präsident des Festausschusses Leverkusener Karneval, war Anfang März 2012 gestorben. Den Sarg des Rheindorfer Architekten, der bis zuletzt als Regionalpräsident des Bundes Deutscher Karneval fungierte, begleiteten 300 Trauernde auf den Friedhof, darunter in vollem Ornat und mit den Standarten ihrer Vereine Abordnungen der Altstadtfunken, der Neustadtfunken, der Prinzengarde und der Stadtgarde aus Opladen, der Rheindorfer Burgknappen und der Prinzengarde Leverkusen. Mitglieder der Vereine trugen den Sarg und Uwe Krause, Hentges’ Nachfolger im Amt des FLK-Präsidenten, legte seine Kappe zum Abschied darauf.

Hentges wurde am Rand des ältesten Teils des Hitdorfer Friedhofs beerdigt. Dort in der südöstlichen Ecke erinnern etwa die Grabmale der Familien Caspers-Neess an die als Tabakfabrikanten zu Wohlstand gekommene Hitdorfer Dynastie. Das denkmalgeschützte Grab ist freilich ziemlich eng von Vegetation umrahmt und nur, wer genau hinsieht, kann die Namen der Toten auf den Grabsteinen noch entziffern.

Das von Johann Peter Dorff gestiftete Hochkreuz

Das von Johann Peter Dorff gestiftete Hochkreuz

Direkt vor deren Familiengrab steht ein steinernes Hochkreuz „in spätbarocker Formensprache“, wie es in der Leverkusener Denkmalliste heißt, das 1816 zur Erinnerung an den noch etwas reicheren Johann Peter Dorff errichtet worden war. Dorff war mit seiner 1765 gegründeten Firma der erste Tabakproduzent im Ort: „Wanderer, hier bey dem Bilde Des Gekreuzigten erinnere dich der Verstorbenen und des wohl-edeln Johann Peter Dorff, der dieses Kreuz Zur Ehre Jesu und für seine Seelenruhe verordnete. Er starb gottseelig im Herrn am 20.ten des Monaths May 1816“, lautet der in das Kreuz gemeißelte Text.

Auch andernorts auf dem Friedhof, insbesondere an dessen nördlichem Rand, finden sich so manche verwahrloste Gräber neueren Datums, die von Brombeeranken oder Efeu überwuchert sind. An etlichen kleben grün-weiße Formularzettel der Kirchengemeinde St. Aldegundis/St. Stephanus mit eindeutigen Befunden und Aufforderungen: „Grabstätte ist ungepflegt“, „Grabpflege erforderlich“ ist darauf angekreuzt. Bereits am Eingang zum Friedhof weist eine Information der Friedhofsverwaltung von Januar 2025 auf das Problem hin. Es häuften sich „Beschwerden über ungepflegte oder bereits zugewucherte Grabstätten“, heißt es dort.

Der Kirchenvorstand fordert darin die Verantwortlichen auf, sich um die Grabpflege zu kümmern. Sollte dem nicht nachgekommen werden, „behält sich die Kirchengemeinde das Abräumen der Grabstätte ausdrücklich vor“. Die Kosten dieser Arbeiten würden dann beim letzten Inhaber des Nutzungsrechts geltend gemacht.

Kolumbarien auf dem Friedhof in Hitdorf

Kolumbarien auf dem Friedhof in Hitdorf

Vernachlässigte Grabstätten finden sich auf allen Friedhöfen in der Stadt, eine solche unverblümte Ansprache der Verantwortlichen an die Angehörigen Verstorbener, die ihren Pflichten für eine angemessene Pflege des Grabes nicht nachkommen, ist allerdings eher die Ausnahme. Auch in diesem für Besucher des Friedhofs unerfreulichen Anblick drückt sich letztlich der Wandel in der Bestattungskultur aus. Häufiger als früher sehen sich Familien offenbar finanziell oder körperlich nicht mehr in der Lage, sich um das Grab eines Angehörigen zu kümmern, solange die Ruhezeit gilt. In Hitdorf sind das bei einem Reihengrab für Erwachsene 25 Jahre.

Andere Formen der Bestattung sind da wesentlich pflegeleichter. Kolumbarien, in denen die Urnen mit der Asche des Toten nach der Feuerbestattung hineingestellt werden, bedürfen zum Beispiel überhaupt keiner Pflege, erlauben allerdings auch keinerlei Grabschmuck. An der Westseite des Friedhofs zieht sich eine lange Reihe dieser Urnenbehältnisse entlang, unterbrochen nur von gelegentlichen Nischen für Zypressen.