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Grundsteinlegung in Leverkusen Der Wupperverband macht sich unabhängig von der Industrie

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Grundsteinlegung Kläranlage Wupperverband in Bürrig Bild: Ralf Krieger

Als Datei gibt es sie schon: So soll die Kläranlage des Wupperverbands mal aussehen.

Der Bau einer eigenen kompletten Kläranlage des Wupperverbands, mit vier Reinigungsstufen, hat begonnen.

In den vergangenen Monaten war viel die Rede davon, dass aus Leverkusen zu viele Schadstoffe in den Rhein abfließen, etwa die bekannten PFAS. Am Freitag ging es auf einer großen Baustelle in der Wupperaue am nördlichsten Ende des Stadtteils Wiesdorf um genau das Gegenteil: die Grundsteinlegung mit Spatenstich für eine neu zu bauende Kläranlage des Wupperverbands. Die Abwasserklärung in Leverkusen ist keine Kleinigkeit, denn in der Kläranlage im nördlichsten Zipfel Wiesdorfs nahe der Wuppermündung werden alle Abwässer aus Leverkusen, Burscheid und Leichlingen, sowie Anteile der braunen Brühe aus Solingen, Wermelskirchen und Bergisch Gladbach gereinigt.

Das Wichtigste an der neuen Anlage, die komplett neben den alten Klärbecken gebaut wird, ist die vierte Reinigungsstufe, mit der künftig Medikamente, Mikroplastik, Spurenstoffe und Krankheitserreger, auch resistente, herausgefiltert werden. Bisher fließen diese umweltschädlichen Partikel und Chemikalien noch durch den Abfluss in den Rhein; das Abwasser des Wupperverbands mag optisch sauber sein, wirklich rein ist es nicht. Die neue Anlage soll 382 Millionen Euro kosten, die Inbetriebnahme ist für 2032 geplant.

Die heute übliche Technik für die vierte Reinigungsstufe sind Membranfilteranlagen, in denen Aktivkohle eine Rolle spielt.

Grundsteinlegung Kläranlage Wupperverband in Bürrig Bild: Ralf Krieger

Umweltminister Oliver Krischer befüllt die Kapsel für den Grundstein.

Der von seinem Rang her höchste Gast bei der Grundsteinlegung, die im strömenden Regen stattfand, war Landesumweltminister Oliver Krischer. „Ich möchte, dass sich hier niemand über das Wetter beschwert“, sagte er, während die Regentropfen hörbar auf die Plane des Zelts trommelten, das man eigens für den Festakt in die Wupperaue gestellt hatte. Es gehe hier schließlich ums Wasser, das dringend gebraucht werde.

Kläranlagen mit Pumpen und Motoren benötigen Strom. Die neue soll energetisch sehr viel besser werden. Sie soll über Solarzellen und die Abgase aus dem Abwasser sogar manchmal Strom abgeben. Auch soll aus dem warmen Abwasser über eine Wärmepumpe Heizenergie gewonnen werden. Darüber sprach  der grüne Umweltminister und betonte, wie einmalig und zukunftsweisend dieses Projekt in Leverkusen sei.

Seit den 1970er-Jahren klärten Bayer und der Verband das Abwasser gemeinsam

Seit vielen Jahren habe man über die neue Anlage geredet, sagt Wupperverbandsvorsitzende Ingo Noppen, vor drei Jahren sei der Beschluss gefallen, sie zu bauen. Noch in den 1980er-Jahren sei die Wupper ohne Fische gewesen. Er und Mike Giera vom Wupperverbandsrat der beteiligten Städte erinnerten daran, dass in den Flüssen alles Mögliche herumgedümpelt sei, jetzt freue man sich über den Eisvogel, dank der Kläranlagen, die auch in Zukunft immer besser würden.

Grundsteinlegung Kläranlage Wupperverband in Bürrig Bild: Ralf Krieger

Grundsteinlegung Kläranlage Wupperverband in Bürrig Bild: Ralf Krieger

Seit den 1970er-Jahren kläre man am Standort in der Dhünn- und Wupperaue, streng vertraglich geregelt erst mit Bayer, später mit Currenta, gemeinsam städtisches und industrielles Abwasser, sagte Giera. Der Wupperverband betreibt zurzeit eine rein mechanische Stufe mit Rechen, Sandfang, Ölabscheider und Absetzbecken.

Currenta Am alten Bürriger Deich. Foto: Ralf Krieger

Die heutige Anlage des Wupperverbands ist vergleichsweise klein.

Danach fließt das vorgereinigte Abwasser hinüber in die viel größere Anlage von Currenta, wo das Abwasser der Städte, jetzt gemischt mit den Chemieabwässern aus dem Werk, noch durch zwei biologische Reinigungsstufen läuft – wofür Currenta Geld vom Wupperverband bekommt. Currenta kann die Kohlenstofffracht des städtischen Abwassers, etwa aus den Fäkalien, zur Ernährung seiner Reinigungsbakterien gut gebrauchen. Keiner der Redner erklärt genau, weshalb die alte Abwassergemeinschaft aufgelöst wurde. Von ehemaligen Mitgliedern im Wupperverband erfährt man, dass das Unternehmen hohe Nachforderungen für seinen Reinigungsanteil gekommen sein soll, worüber man beim Wupperverband ernsthaft verstimmt gewesen sein soll.

Grundsteinlegung Kläranlage Wupperverband in Bürrig Bild: Ralf Krieger

So soll die Anlage aussehen, vom Westring aus gesehen.

Die neue Anlage der Städte ist teuer. Aber auf das Chempark-Unternehmen kommen mit der Trennung der Kläranlagen ebenfalls Kosten zu: Currenta-Chef Hans Gennen, auch ein Gast bei der Grundsteinlegung, sagte auf Nachfrage des „Leverkusener Anzeiger“, dass man die eigene Anlage umbauen müsse, wenn der kohlenstoffreiche kommunale Anteil im Klärwasser künftig fehle.

In der Kläranlage des Wupperverbands in Bürrig. Foto: Ralf Krieger

Die Kläranlage des Wupperverbands besteht heute nur aus der ersten Reinigungsstufe, die weitere Reinigung erledigt Currenta gegen Geld.

In der Kläranlage des Wupperverbands in Bürrig. Foto: Ralf Krieger

Zurzeit läuft das vorgereinigte Abwasser durch diesen Stollen zur Currenta-Anlage, das soll sich ändern.

Was auch ins Gewicht fällt: Während für große kommunale Kläranlagen eine teure vierte Stufe Vorschrift ist, sind industrielle Klärwerke dazu noch nicht verpflichtet. Sie dürfen weiter mit drei Stufen arbeiten und die Schadstoffe in die Flüsse abgeben.

Die Leverkusener werden den Neubau kaum mitbekommen. Allenfalls wird man bald am Westring, etwas südlich der Dhünnbrücke, eine neue Straßeneinmündung mit einer neuen Ampel wahrnehmen: das wird die neue Zufahrt. Ob und welche Auswirkung der Neubau und die Trennung von Currenta auf die Abwassergebühren haben wird, das wurde beim feierlichen Spatenstich im strömenden Regen nicht thematisiert.