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Sankt Josef in WiesdorfAltes Krankenhaus in Leverkusen wird kein Sozialzentrum

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Das ehemalige Sankt Josef-Krankenhaus in Wiesdorf.  Bild: Ralf Krieger

Das ehemalige Sankt-Josef-Krankenhaus in Wiesdorf wird aller Voraussicht nach doch kein Ort  für Menschen ohne Wohnung und Geflüchtete.

Nach drei Jahren Planung vollzieht die katholische Gemeinde eine Kehrtwende und verkauft das Juppes an einen Investor.

Drei Jahre lang wurde geplant. Jetzt hat die katholische Kirchengemeinde St. Antonius der Stadt und auch der Caritas einen Strich durch die Rechnung gemacht: Das frühere Sankt-Josef-Krankenhaus in Wiesdorf wird aller Voraussicht nach an einen Investor verkauft. Das berichtete am Donnerstagabend Leverkusens Sozialdezernent Alexander Lünenbach dem Sozialausschuss. Der Beschluss, so der Beigeordnete, sei am 25. November gefallen.

Nach Vorstellungen der Stadtverwaltung sollte das alte Juppes an der Adolfsstraße zu einer Art großem Sozialzentrum werden: Unter anderem sollten Menschen, die bisher die Unterkunft für Wohnungslose im nahen Bunker nutzen, dort ein besseres provisorisches Zuhause finden. Ursprünglich war außerdem daran gedacht, einen Teil des früheren Krankenhauses als Unterkunft für Geflüchtete zu nutzen. Ein entsprechender Beschluss des Stadtrats ist ziemlich genau drei Jahre alt. Er wurde auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise gefällt und sollte vor allem Menschen helfen, die vor den russischen Angriffen auf die Ukraine geflohen waren. In der Stadtverwaltung ging man seinerzeit davon aus, dass 150 Personen dort unterkommen könnten.

Caritas Leverkusen sollte übernehmen

Gedacht war daran, das neue Zentrum in Wiesdorf unweit des Rheins von der Caritas managen zu lassen. Der katholische Sozialverband sollte das Gebäude übernehmen, die Stadt langfristige Mietverträge abschließen. Der zeitliche Horizont reichte bisher bis ins Jahr 2030.

Schnell umzusetzen war das alles nicht. Allerdings – das ließ Lünenbach am Donnerstagabend im Rathaus durchklingen – musste intensiv an dem Konzept gearbeitet werden, unter anderem von der Bauverwaltung. Dieser Einsatz war nun wohl vergebens. 

Alexianer brachten einen Investor ins Spiel

Gemeindepfarrer Peter Beyer relativierte allerdings am Freitag die Aussagen des Sozialdezernenten auf Nachfrage. Und erläuterte die Hintergründe des schwierigen Geschäfts. Beyer erinnerte daran, dass der Bau nach wie vor den Rechtsnachfolgern der K-Plus-Gruppe gehört, also den Alexianern, die in Leverkusen inzwischen nur noch das Sankt-Remigius-Krankenhaus in Opladen betreiben. Dort sei längst klar, dass das alte Wiesdorfer Krankenhaus nicht mehr gebraucht wird und eine andere Nutzung gefunden werden muss. 

Pfarrer Peter Beyer mit Ex-OB Uwe Richrath und Lars Dietrich von Naturgut Ophoven

Pfarrer Peter Beyer hat vor geraumer Zeit mit Ex-OB Uwe Richrath über das alte Wiesdorfener Krankenhaus gesprochen.

Von den Alexianern – und nicht von der Kirchengemeinde – sei zuletzt ein Investor ins Spiel gebracht worden, der mit dem alten Juppes etwas anzufangen wisse. Dass die Alexianer sich selbst als Bauherren engagieren, sei ziemlich ausgeschlossen, so Beyer: Sobald es eine andere Nutzung für das Haus unweit des Chempark gibt, ziehe die Seveso-Richtlinie. Das Haus müsse also aufwendig umgebaut werden. Die letzte Kostenschätzung dafür habe bei rund zwei Millionen Euro gelegen – aber kaum jemand glaube, dass es damit getan ist.

Die Gespräche mit dem potenziellen Investor seien allerdings keineswegs abgeschlossen, betonte Beyer. Deshalb könne er ihn nicht nennen und auch keine näheren Angaben zur künftigen Nutzung des Krankenhauses machen. Aus Sicht des Gemeindepfarrers ist die Sache noch ziemlich offen. „Im März könnte eine Entscheidung fallen“, so der Pfarrer auf Anfrage. Insofern sei auch die Caritas als Übernehmer des Gebäudes durchaus noch eine Option: „So raus sind die nicht.“

Im März könnte eine Entscheidung fallen.
Peter Beyer, Gemeindepfarrer

Allerdings sei die Kommunikation mit dem katholischen Sozialverband in Sachen Juppes nicht allzu gut gelaufen in der Vergangenheit. Das gelte im Übrigen auch für die Stadtverwaltung, so der Pfarrer. Seine letzte Information sei: „Die Stadt hat kein Interesse mehr.“ Als er vor Jahren mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Uwe Richrath über das alte Wiesdorfer Krankenhaus gesprochen habe, sei es um die Unterbringung von Geflüchteten gegangen und nichts anderes. 

Ein anderer Punkt sei, so Beyer: „Wir müssten gucken, dass der Sozialraum vernünftig genutzt ist.“ In direkter Nachbarschaft liegt mit dem Haus Rheinpark ein Altenheim. Jede andere Funktion des ehemaligen Krankenhauses müsse schon dazu passen.  

Bis vorigen März diente das Ende 2022 als Krankenhaus aufgegebene Juppes unter anderem den Bewohnern des Christophorushauses als provisorische Bleibe. Die von der Caritas betriebene Einrichtung für Personen, die ein Alkoholproblem haben, musste 2023 ihr angestammtes Haus an der Von-Diergardt-Straße in Schlebusch verlassen. Erst in diesem Frühjahr konnte Leverkusens Stadtdechant Heinz-Peter Teller das neue Domizil an der Bahnstadt-Chaussee in Opladen einweihen.  

Seitdem steht das alte Wiesdorfer Klösterchen weitgehend leer. Klar ist, dass sich daran mindestens in diesem Winter nichts mehr ändert.