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Arbeitgeber, CDA, SPDAuch Leverkusen streitet über Teilzeitarbeit

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Andreas Tressin, Arbeitgeberverband Werkstättenstraße. Foto: Ralf Krieger

Andreas Tressin, Arbeitgeberverband Werkstättenstraße. Foto: Ralf Krieger

Arbeitgebervertreter Andreas Tressin freut sich über die Debatte. CDA-Chef Ulrich Müller und SPD-Chef Darius Ganjani finden den Vorstoß falsch.

Teilzeit nur noch unter Bedingungen? Das ist ein Streitfall in Leverkusen. Während Andreas Tressin, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Rhein-Wupper, den Vorstoß begrüßt, kommt Gegenwehr aus der CDU selbst und auch aus der Sozialdemokratie. Ulrich Müller und Darius Ganjani wehren sich.

Für Tressin ist die Debatte „ein erster wirklicher größerer Stresstest“, weil man nun „ehrlich“ über die Bereitschaft diskutieren könne, in der Arbeitswelt etwas zu verändern, was den Standort wettbewerbsfähiger macht. Die Diskussion berühre „Fragen der Agilität und Resilienz unserer Gesellschaft in ganz erheblichem Maße“. Der Geschäftsführer der Arbeitgeberverbände in Opladen hält es für „unstreitig, dass flexible Arbeitszeitmodelle die individuelle Resilienz der Arbeitnehmer“ stärken können – wenn sie ihnen ermöglichten, „auf ihre ganz persönliche Lebensplanung zu reagieren“. Das aber sei „in einer immer arbeitsteiligeren Wirtschaft zunehmend schwieriger umsetzbar“, ist sein Einwand. Deshalb schränke „ein normierter Teilzeitanspruch die betriebliche Agilität ganz erheblich ein“.

Organisation ist aufwendig

Seine Erfahrung in der Beratung von Unternehmen zeige, dass Teilzeit zu sehr viel mehr „Organisationsaufwand, steigenden Kosten und Produktionsverlusten“ führe. Das erschwere letztlich sogar „die Besetzung qualifizierter und verantwortungsvoller Stellen“. Besonders kleinere und mittelständische Betriebe erlitten so „einen erheblichen Wettbewerbsnachteil“. Das sei gerade angesichts der herrschenden wirtschaftlichen Unsicherheiten, globaler Krisen und zunehmender Wettbewerbsintensität ein Problem: Die Arbeitskraft müsse flexibel eingesetzt werden, „sowohl beim Volumen als auch der Verteilung der Arbeitszeit“. Nur dann könne ein Unternehmen schnell auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren.

Agilität könne in diesem „Beziehungsgeflecht aber gerade nicht durch Anspruchsdenken und Entlastung entstehen, sondern durch Leistungsfähigkeit und vor allem Anpassungsbereitschaft“. Werde die Arbeitszeit immer weiter fragmentiert, riskierten die Unternehmen, dass „Leistungsreserven sinken und wirtschaftliche Widerstandskraft geschwächt wird“ – das gelte nicht nur für die Industrie, sondern für alle Branchen.

In dieser Richtung sei zuletzt einiges schiefgelaufen, so der Arbeitgebervertreter. Arbeitsgerichte hätten das Recht auf Teilzeit „faktisch zur Regelpflicht“ erhoben und ignorierten „die betrieblichen Herausforderungen und Belastungen der Unternehmen bei der Umsetzung“. Das stehe in keinem Verhältnis mehr „zum angestrebten sozialen Nutzen“. Insofern zeige die Teilzeitdebatte „ein zentrales Spannungsfeld unserer Arbeitsgesellschaft auf“, sagt Tressin.

Ulrich Müller, CDA-Chef in Leverkusen

Für Ulrich Müller arbeiten seine Parteifreunde aus der CDU-Mittelstandsvereinigung mit Unterstellungen.

Immerhin da dürften Ulrich Müller (CDU) und Darius Ganjani (SPD) Tressin zustimmen. Für Leverkusens CDA-Vorsitzenden arbeitet das Papier der Mittelstandsvereinigung seiner Partei allerdings „mit Unterstellungen und trifft am Ende die Falschen: Beschäftigte in belastenden Lebenslagen, Familien und Menschen in Niedriglohn-Bereichen“. Wer Teilzeit pauschal als „Lifestyle“ etikettiere, „verkennt die Lebensrealität vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und spaltet die Belegschaften“.

Teilzeit entsteht selten aus Bequemlichkeit.
Ulrich Müller, CDA

In Wirklichkeit entstehe Teilzeit „selten aus Bequemlichkeit“, sondern aus Mangel an Angeboten zur Kinderbetreuung, Pflegeverantwortung, gesundheitlichen Einschränkungen oder Mangel an Vollzeitstellen. „Wenn wir wirklich mehr Arbeitsstunden mobilisieren wollen, dann brauchen wir bessere Rahmenbedingungen“, so Müller. Dazu zählten auch Möglichkeiten zur Weiterbildung – „und Arbeitszeitmodelle, die zur Rückkehr in Vollzeit befähigen“, so der CDA-Vorsitzende.

Würde man das Recht auf Teilzeitarbeit davon abhängig machen, dass Kinder betreut oder Angehörige gepflegt werden müssen, würde definiert, „bis zu welchem Alter und welchem Pflegegrad dies als nötig erachtet wird. Das kann und soll jede Familie für sich selbst entscheiden“, findet Müller.

Darius Ganjani, Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Leverkusen

SPD-Chef Darius Ganjani hält nichts von Debatten über grundsätzliche Arbeitnehmerrechte.

Sozialdemokrat Darius Ganjani lehnt überhaupt die Debatte um das Recht auf Teilzeit oder die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall „entschieden ab. Sie führen nicht zu mehr Leistung, sondern zu mehr Druck auf diejenigen, die dieses Land am Laufen halten.“

Auch Arbeitgebervertreter Andreas Tressin wünscht sich, mehr Arbeitszeit zu mobilisieren. Seiner Ansicht nach muss es dafür bessere Anreize bei der Bezahlung geben: weniger Steuerprogression, „also mehr Netto vom Brutto, damit sich ein größerer Leistungsumfang auch wieder wirklich lohnt“.