Zu viele Büros: Die Flächen in der denkmalgeschützten Zentrale von 1912 würden nicht mehr gebraucht, schreibt das Unternehmen.
Prachtbau steht leerBayer spart sich seine historische Konzernzentrale in Leverkusen

Das prachtvolle Gebäude mit der Bayer-Bezeichnung Q 26 an der Kaiser-Wilhelm-Allee steht leer.
Copyright: Ralf Krieger
„Q 26“, unter diesem nüchternen Kürzel firmiert das vermutlich am herrlichsten ausgestattete Leverkusener Gebäude, die erste Konzernzentrale von Bayer auf dem Stadtgebiet. Die bronzenen Eingangstüren sind mit Ketten gegen unerlaubtes Eindringen gesichert. Die Bayer AG habe ihre historische Zentrale Q 26 schon vor einem Jahr leergezogen, antwortet ein Konzernsprecher auf eine Nachfrage zu der augenscheinlich verlassenen Zentrale. Dass Q 26 leer steht, ist von vorne kaum zu erkennen; hinten dagegen hat Bayer das Gebäude mit einem stabilen Metallgitterzaun und Natodraht gesichert.

Der Eingang ist, kaum sichtbar, innen mit einer Kette gesichert. Die Türklinken sind mit Bayerkreuzen verziert.
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Bayer habe das denkmalgeschützte Objekt fachgerecht konserviert, so der Sprecher weiter. Es werde für eine mögliche künftige Wiedernutzung bereitgehalten. Vor der Schließung sei das Gebäude ausschließlich von der Bayer AG oder Tochtergesellschaften genutzt worden.
Bayer-Konzernzentrale: Nachnutzung ungewiss
Ob eine solche Nutzung für das altehrwürdige Gebäude schon in Sicht ist, teilte der Sprecher nicht mit. Die Antwort klingt aber nicht danach: Das Büroportfolio von Bayer werde fortlaufend von der Sparte Corporate Real Estate überprüft, um es so kosteneffizient wie möglich zu betreiben und mögliche Synergien zu identifizieren. Freiwerdende Kapazitäten würden sinnvoll verplant – und nicht mehr benötigte Flächen stillgelegt. Die Schließung von Q 26 trage in diesem Sinne dazu bei, die Immobilienkosten für den Konzern zu reduzieren.

Zwischen 1998 und 2012 veranstaltete die Bayer-Kultur Konzerte im Treppenhaus, bei denen man leger, auf der Treppe sitzend, die Atmosphäre genießen konnte.
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Im Oktober 2024 sei das Bürogebäude K 56 nahe der Kaiser-Wilhelm-Allee 70 fertiggestellt und von mehreren Unternehmensfunktionen bezogen worden. Unter anderem hat dort Bayer Vital, die Sparte für frei verkäufliche Arzneien, ihren Sitz. Die verbliebenen Gebäude entlang der Kaiser-Wilhelm-Allee würden seitdem deutlich weniger genutzt, hieß es weiter. Da Bayer in Leverkusen insgesamt künftig weniger Büroflächen benötige, habe man beschlossen, die historische Konzernzentrale Q 26 bis auf Weiteres stillzulegen.

Q 26 an der Kaiser-Wilhelm-Allee. Im Fenster spiegelt sich das Kasino.
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Das bei Bayer auch scherzhaft Mausoleum genannte Gebäude wurde 2004 in die Leverkusener Denkmalliste eingetragen. Mausoleum vielleicht deshalb, weil manchen beim Betreten des herrschaftlich gestalteten Gebäudes mit viel dunklem Marmor, klassischer Ornamentik, Bronzefiguren und in die Wände eingemeißelten Gedenkinschriften eine Aura der Kaiserzeit erfasste. Öffentlich war das Haus zuletzt von 1998 bis 2012 zugänglich: In diesen Jahren veranstaltete die Bayer-Kultur zahlreiche Konzerte im besonders atmosphärischen Treppenhaus von Q 26. Die Zuhörer saßen auf Stühlen, aber auch auf Kissen auf der Treppe. Ein exquisiter Genuss.

Q 26: Hinten ist das Gebäude mit Natodraht gesichert.
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Früher waren in Q 26 unter anderem der Werksleiter und Teile der Abteilung Rechnungswesen untergebracht. Q 26 war zudem über Jahrzehnte Sitz des Bayer-Aufsichtsrats. Werner Wenning, im Aufsichtsrat bis 2020, gehörte also zu den Nutzern. Das unabhängige Gremium aus ehemaligen Vorstandsmitgliedern, Bankern, Managern, aber auch Gewerkschaftern, saß in Q 26 etwas abseits der Vorstandsbüros im Gebäude gegenüber. Jetzt ist der Aufsichtsrat in die erste Etage der gläsernen Konzernzentrale W 11 gezogen; also ins Stockwerk unterhalb des Vorstandsvorsitzenden, sofern Bill Anderson sein Büro im 2. Obergeschoss behalten hat.

Q 26, die alte, und die aktuelle Konzernzentrale (rechts) liegen sich gegenüber.
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1912 verlegte Bayer seinen Konzernsitz von Elberfeld nach Leverkusen. Carl Duisberg ließ Q 26 in den Jahren 1906 bis 1912 bauen und innen gestalten. Die Architektur und der Innenausbau transportierten optisch den wirtschaftlichen Machtanspruch, Beständigkeit und Feinsinnigkeit des schon damals großen Unternehmens. Die Sandsteinfassade strahlt das mit Säulen und einem klassischen Relief im Giebel aus. Relativ bekannt sind die Türklinken mit kleinen Bayerkreuzen.
Wegen seines Glasdachs hat das Treppenhaus natürliches Licht. Besucher werden von einer klassischen Statue der Nike mit Lorbeerkränzen in den Händen empfangen, der das lockere Kleid so heruntergerutscht ist, dass eine Brust sichtbar ist. Die anmutige Bronzeschönheit ist eine Arbeit des Bildhauers Fritz Klimsch. Die Figur beherrscht den Raum, sie scheint auf dem Treppenabsatz zu balancieren – ein Sinnbild zur Ehrung der im Ersten Weltkrieg gefallenen Beamten der Farbenfabriken, so lautet eine Inschrift auf der Wand gegenüber. Zahlreiche Bronzebüsten und -plaketten wichtiger Chemiker und Altvorderer aus der Bayer-Welt zieren die Wände in dem prachtvollen Bau.
Natürlich sind auch Carl Duisberg, seine Frau Johanna und zwei wohltätige Frauen, Juliane und Anna aus der Familie Bayer, verewigt. Es gibt einen Balkon, auf dem die Mannschaft von Bayer 04 im Jahr 2000 die sicher geglaubte Meisterschaft feiern wollte. 2024, als es wirklich so weit war, nahm man Abstand von einer Feier vor Q 26.
