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Innovation im MittelstandWie Levaco in Leverkusen alte Erfahrungen, junge Leute und KI zusammenbringt

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Im Technikum von Levaco

Im Technikum von Levaco wird fortwährend an neuen Formulierungen gearbeitet.

Beim Hersteller von Spezialchemikalien setzt man voll auf Wissenstransfer. Ohne Künstliche Intelligenz wäre das nicht effizient genug.

Zwischen „Haben wir immer schon so gemacht“ und „Das muss man mal ganz neu denken“ gibt es noch etwas anderes: das aggregierte Wissen um Prozesse. Das gilt auch bei Levaco – aber beim Spezialisten unter anderem für die Textilchemie wurde das Thema sehr früh sehr hoch gehängt. Voriges Jahr wurde das Digital Transformation Office gegründet; inzwischen besteht es aus drei Spezialisten, berichtet am Dienstag Magdalena Langel. Sie ist für die Personalentwicklung in dem mittelständischen, international tätigen Unternehmen verantwortlich.

Die Firma, von der ein Teil aus der früheren Textilchemie des Bayer-Konzerns hervorgegangen ist, setzt offensiv auf Erfahrungswissen, das durch Künstliche Intelligenz systematisiert und auf diese Weise für alle zugänglich ist. So können Beschäftigte profitieren, „die das noch nicht seit Jahrzehnten machen“, sagt Langel mit Blick auf die Produktion, die im Chempark angesiedelt ist.

Levacos Personalerin Magdalena Langel

Personalerin Magdalena Langel bringt bei Levaco alte Erfahrungen und neues Wissen zusammen.

Verwaltung und Technikum residieren seit zweieinhalb Jahren in einem Neubau an der Johannes-Kepler-Straße im Manforter Innovationspark auf dem ehemaligen Wuppermann-Gelände. Dahin passt Levaco sehr gut: Wer Spezialmittel herstellt, die nicht nur in Textilien, sondern auch in der Agrochemie angewendet werden, muss permanent an Verbesserungen arbeiten, also an Neuerungen. Das geschieht im Nordflügel des Neubaus. Dort, so Langel, ließen sich Experimente viel breiter anlegen, denn die Datenanalyse laufe mit Künstlicher Intelligenz „viel schneller“.

Neue Ideen aus dem Ruhestand

Der Input, betont Levacos Personalerin, komme keineswegs nur von den Jüngeren in der rund 170 Köpfe zählenden Belegschaft. Es komme oft vor, dass Ehemalige sich mit neuen Ideen melden. Das könnte auch daran liegen, dass ein weiterer Levaco-Fokus schon immer auf der Altersvorsorge lag. Wer im Ruhestand jeden Monat von seiner Ex-Firma etwas überwiesen bekommt, bleibt offenbar auch gedanklich länger dabei. Und bringt sich ein.

Hilfreich dabei seien sicherlich „die flachen Hierarchien. Die mussten wir nicht erst einführen“, sagt Langel. Das lässt sich als Hinweis auf die Geschichte des Unternehmens verstehen, die ja im einst verzweigten Bayer-Konzern liegt. Dort musste erst der konzernfremde Bill Anderson geholt werden, um diverse Ebenen abzuschaffen, was intern viel Frust erzeugte und ganz schön teuer war. Bei Levaco, berichtet Magdalena Langel, sprechen Ehemalige auch mal Jens Becker oder Marius Mühlenberg an, also die Geschäftsführer.

Die Firmenzentrale von Levaco im Manforter Innovationspark

Im Manforter Innovationspark sind Technikum und Verwaltung von Levaco angesiedelt. Die Produktion ist im Chempark.

Was den Nachwuchs angeht, herrsche bei Levaco das Prinzip: möglichst schnell machen lassen, sagt Langel. Das schule nicht nur Prozessverständnis, sondern auch die Lernfähigkeit und ermögliche, Wissen praktisch anzuwenden. Kritisches Denken sei aber mit Blick auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz genauso wichtig, betont sie. Denn „KI besitzt kein Urteilsvermögen“. Praktische Erfahrung bleibe deshalb entscheidend.


Den Namen Levaco gibt es erst seit 2014. Aber die Wurzeln des Unternehmens reichen unter anderem in den Bayer-Konzern zurück. Die Textilchemie geht zwischendurch in der Lanxess auf, 2007 übernimmt mit dem Egeria-Fonds ein Finanzinvestor die Sparte, der die Herstellung von Rezepturen, die Stoffe zum Beispiel griffiger machen oder ihnen andere Eigenschaften verleihen, unter dem Namen Tanatex laufen lässt. Zum spezialisierten Sortiment gehören außerdem Dispergiermittel, Emulgatoren, Netzmittel, Entschäumer und diverse Spezialitäten im Katalog, die in der Agrochemie, in Farben und Lacken sowie in Fasern verwendet werden.

2009 rutscht Tanatex in die Krise; ein Drittel der damals 95 Personen zählenden Belegschaft muss das Unternehmen verlassen.

2014 übernimmt die Bremer Firmengruppe Diersch & Schröder das Unternehmen, gibt ihm den Namen Levaco, 2018 wird ein Büro in Hongkong gegründet, um von dort den weltweiten Textil-Schwerpunkt Ostasien besser bedienen zu können.

Im März 2019 erwirbt Levaco zunächst die Mehrheit an der Krefelder Defotec, einem wichtigen Hersteller von Chemikalien, die Prozesse in der Nahrungsmittel-, Papier- und Kabelindustrie sowie vielen weiteren Industrien verbessern. 2022 verschmilzt Defotec komplett mit Levaco.

Ende 2022 wird der Grundstein für eine neue Firmenzentrale gelegt. Die Standortwahl war schon länger auf den Manforter Innovationspark gefallen; nun wird die Idee umgesetzt. Während die Produktion im Chempark bleibt, werden an der Johannes-Kepler-Straße die Verwaltung und ein Technikum angesiedelt.

Anfang 2024 bezieht rund die Hälfte der Belegschaft den Neubau, der rund 1700 Quadratmeter Platz bietet. Im September nehmen die beiden Levaco-Geschäftsführer Jens Becker und Marius Mühlenberg den Leverkusener Unternehmerpreis entgegen. Das Unternehmen wächst unterdessen weiter: Am Dienstag berichtet Personalchefin Magdalena Langel von rund 170 Beschäftigten.