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Jury-MitgliederLeverkusener Kinomacherinnen auf Berlinale im Einsatz

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Passanten gehen am Abend der Preisverleihung an einem Berlinale-Plakat vorbei.

Die 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin fanden vom 12. bis 22. Februar 2026 statt.

Uta Mader vom Kommunalen Kino der VHS und Nadine Melzer vom Scala-Cinema in Opladen gehörten zwei Jurys an.

Zwei Leverkusener Kinomacherinnen waren in diesem Jahr als Jurymitglieder auf der Berlinale im Einsatz. Einer von vier Jurorinnen und Juroren für das Label „Europa Cinemas“ war Uta Mader, Kuratorin des Kommunalen Kinos der Volkshochschule Leverkusen. „Europa Cinemas“ ist ein europäisches Netzwerk aus 1302 Kinos in 39 Ländern. Auf fünf großen Filmfestivals (neben Berlin noch Cannes, Karlovy Vary, Locarno und Venedig) wird seit 2003 jährlich das „Europa Cinemas Label“ an einen europäischen Film verliehen.

Mader und ihre Jurykolleginnen und -kollegen haben den österreichischen Film „Vier minus drei“ von Adrian Goiginer ausgezeichnet, der auf dem Buch von Barbara Pachl-Eberhard basiert. Der Film kommt in Deutschland am 16. April in die Kinos.

Das zweite Leverkusener Jurymitglied in Berlin war Nadine Melzer, Leiterin des Scala-Kinos in Opladen. Sie war Teil der dreiköpfigen Jury der „Cinema Vision Generation 14plus“-Preises der AG Kino-Gilde. Ein Preis, der sich vor allem mit jungen Filmemacherinnen und Filmemachern beschäftigt. Melzer war zum zweiten Mal Teil der Jury, erzählt die Kinomacherin im Gespräch mit dem „Leverkusener Anzeiger“.

Internationale Jury Label Europa Cinemas, von links nach rechts: Maja Holek, Ute Mader (Kommunales Kino der VHS Lev), Kristiina Saar, Minna Nurmi

Die Internationale Jury Label Europa Cinemas, von links nach rechts: Maja Holek, Ute Mader (Kommunales Kino der VHS Lev), Kristiina Saar, Minna Nurmi.

Sie hat sich im Scala-Cinema vor allem auf das Kino für junge Menschen spezialisiert, sie organisiert und setzt zum Beipiel „Maxis Kinoabenteuer“ um, ein Format, das Kindern das Kino näherbringen soll. An fünf Terminen in diesem Jahr „lernen Kinder den Ort Kino kennen“, sagt sie. Das heißt, die jungen Gäste schauen sich vier oder fünf Kurzfilme an und unter der Moderation von Melzer besprechen sie dann Fragen wie „Wo kommt das Bild her?“, „Wie wird ein Film gemacht?“, „Wo kommt der Ton her?“. „Wir wollen vermitteln, dass Kino etwas Beonderes ist“, sagt sie.

Es gehe um Medienkompetenz, denn die Bildschirmzeit von Kindern ist ein komplexes Thema. „Manche Eltern wollen Kinder möglichst vom Bildschrim fernhalten, andere nutzen ihn, um ihre Kinder zu beruhigen“, weiß Nadine Melzer. Bei „Maxis Kinoabenteuer“ sollen die Kinder aber auch merken, was der Unterschied ist, einen Film vor dem Fernseher oder im Kino zu schauen. Neben den Angeboten, die das Scala ohnehin dafür macht, gebe es inzwischen auch Anfragen von Kitas, berichtet Melzer.

Leverkusenerin zum zweiten Mal in der Jury

Ihre Jurytätigkeit bei der Berlinale unterscheidet sich schon in der Herangehensweise grundlegend von der Art und Weise, wie die Jurorinnen und Juroren einen Film bewerten sollen, der zum Beispiel den Goldenen Bären bekommt. Diese Jury soll sich ausschließlich auf den Film konzentrieren, auf seine Machart, die schauspielerische Leistung, das Drehbuch. In ihrer Jury hingegen soll es ganz explizit um die „Kinoperspektive“ gehen. Das heißt, sie und ihre Jurykolleginnen und -kollegen sollen die Wirkung auf ein potenzielles Publikum in ihre Bewertung mit einbeziehen.

Die „Cinema Vision Generation 14plus“-Jury von links nach recht: Dina Schilke (Capitol Mainz), Ophelia Hertel (Broadway Filmtheater Trier), Lexie Bean (Regisseur, Preisträger), Logan Rozos (Regisseur, Preisträger), Nadine Melzer (Scala Cinema).

Die „Cinema Vision Generation 14plus“-Jury von links nach recht: Dina Schilke (Capitol Mainz), Ophelia Hertel (Broadway Filmtheater Trier), Lexie Bean (Regisseur, Preisträger), Logan Rozos (Regisseur, Preisträger), Nadine Melzer (Scala Cinema).

Die drei, die alle zwischen 28 und 31 Jahren alt sind, schauen sich die zur Auswahl stehenden Filme gemeinsam an, es gibt auch Gespräche mit den meist jungen Regissuerinnen und Regisseuren oder mit Schauspielerinnen und Schauspielern. Und das auch mit Publikum: „Wir bekommen mit, was der Film mit Leuten macht“, erzählt Melzer.

Die 31-Jährige und die anderen Jurymitglieder haben in diesem Jahr die Dokumentation „What will I become?“ ausgezeichnet. Regie führten Lexie Bean und Logan Rozos. „Gebrochen und geheilt“ habe der Film eine Frau, die Mader über ihren Eindruck unterrichtet hatte. Es geht um zwei Transjungen, die sich das Leben genommen haben, gedreht von zwei Regisseuren, die ebenfalls trans sind und versucht hatten, sich das Leben zu nehmen.

Der US-amerikanische Film, der in Folge seiner Auszeichnung im September 2026 auf der Filmkunstmesse in Leipzig gezeigt wird, für den es in Deutschland aber noch keinen Verleiher gibt, zeigt unter anderem Interviews mit den Eltern. „Er ging einem nicht mehr aus dem Kopf“, erinnert sich Melzer. Sie betont, dass das auch für Menschen gelte, die nicht trans sind. „Das sind Themen, die einen einfach umhauen“, sagt sie. Die Berlinale sei bekannt dafür, durchaus kritische und gesellschaftspolitische Filme auszuzeichnen. „Das sind Themen, die die jungen Menschen bewegen. Sie wollen gehört werden, und warum sollte man da nicht zuhören?“