„Abstimmungsaschenbecher“Stadt Leverkusen will Kippen-Problem angehen

3 min
Freuen sich über Leverkusens ersten „Abstimmungsaschenbecher“: Anika Hagt (Avea, v. l.), Dragan Radocjai (Avea-Azubi), OB Stefan Hebbel, Elias Herforth (Avea-Azubi), Maureen Strick (TBL), Daniel Köller (TBL) und Kristin Menzel (Wupsi).

Freuen sich über Leverkusens ersten „Abstimmungsaschenbecher“: Anika Hagt (Avea, v. l.), Dragan Radocjai (Avea-Azubi), OB Stefan Hebbel, Elias Herforth (Avea-Azubi), Maureen Strick (TBL), Daniel Köller (TBL) und Kristin Menzel (Wupsi).

Die Verwaltung, die Avea und die Wupsi wagen einen kreativen Ansatz bei der Müllvermeidung.

Wie viele Zigarettenkippen der Leverkusener Entsorger Avea im Jahr von Straßen, Plätzen und Wiesen sammelt, ist nicht zu zählen. Und auch wenn sich sicher die allermeisten Leverkusenerinnen und Leverkusener darüber einig sind, dass die braun-weißen Stummel im Stadtbild massiv stören, sie nur schwer zu entfernen und natürlich schlecht für die Umwelt sind, werfen immer noch zu viele Raucherinnen und Raucher ihren Abfall einfach auf den Boden. Die Stadt und die Avea, die zum Arbeitskreis „Sauberes Leverkusen“ gehören, wollen dem Problem jetzt mit einem kreativen Ansatz beikommen.

An einem der beiden Maste der elektronischen Anzeige am Bahnhof Mitte, am Übergang vom Bahnhof zum Rialto-Boulevard, befindet sich jetzt Leverkusens erster „Abstimmungsaschenbecher“. Oben sitzt ein Display hinter einer Glasscheibe, darauf die Frage: „Wird Deutschland Fußball-Weltmeister?“. Unter der elektronischen Anzeige befinden sich zwei Schächte, ebenfalls verglast. Links der steht für die Antwort „Ja“, rechts der für „Nein“. Die Idee: Raucherinnen und Raucher sollen mittels ihrer Zigarettenstummel die Frage beantworten. Die Hoffnung: Mehr Kippen landen in den Schächten, weniger auf dem Boden.

Für das Wegwerfen von Kippen wird in Leverkusen ein Bußgeld von 100 Euro fällig.

Für das Wegwerfen von Kippen wird in Leverkusen ein Bußgeld von 100 Euro fällig.

Oberbürgermeister Stefan Hebbel, der Sicherheit und Sauberkeit zu einem Schwerpunktthema erklärt hat, sieht in der Aktion die Möglichkeit, „nicht immer verbissen“ an solche Themen heranzugehen. Vielleicht sei das neben Bußgeldern eine Chance, die Stadt sauberer zu halten.

Nachdem im Arbeitskreis der Vorschlag gekommen sei, der auch schon in anderen Kommunen wie Düsseldorf Schule macht, habe die Avea zwei Azubis aus ihrem Müllheizkraftwerk ins Boot geholt: Dragan Radocjai und Elias Herforth. Die beiden sollten den „Abstimmungsaschenbecher“ entwerfen und auch zusammenbauen. Zuerst habe man sich Inspiration bei schon bestehenden Modellen geholt, berichtet Radocjai. Dann ging es darum, wie groß der Aschenbecher werden soll. Und schließlich ums Material. Nachdem sie alles ausgerechnet und mit mehreren Größen herumprobiert hätten, hätten sie damit begonnen, das Material zuzuschneiden und zu schweißen.

Anika Hagt, die Avea-Geschäftsführerin, sagt: „Unsere Azubis sollen nicht nur über den Büchern hocken und büffeln, sondern auch einen pragmatischen Ansatz bekommen.“ Und dass sie dabei noch etwas für das Gemeinwohl täten, sei noch besser. Die Kosten liegen bei der Avea. Hagt sieht das als „gesellschaftlichen Anteil“, den das Unternehmen einbringen könne.

Raucherinnen und Raucher können darüber abstimmen, ob Deutschland Fußball-Weltmeister wird oder nicht.

Raucherinnen und Raucher können darüber abstimmen, ob Deutschland Fußball-Weltmeister wird oder nicht.

Wie groß das Kippen-Problem ist, kann Wupsi-Sprecherin Kristin Menzel aus eigener Erfahrung berichten. Das Verkehrsunternehmen hat den Mast zur Verfügung gestellt: Zuletzt bei der Aufräumaktion in der Stadt sei sie selbst darüber erschrocken, wie viele Zigarettenstummel so herumliegen.

Für die Leerung und den Austausch der Fragen sind die Technischen Betriebe zuständig. Deren Kommunikationsreferentin Maureen Strick berichtet über das weitere Vorgehen: „Die Straßenreinigung schaut, wie voll der Aschenbecher ist und leert ihn.“ Und wenn die Fußball-WM vorbei ist, wird es Zeit für eine neue Frage. Die überlegt sich erst einmal der Arbeitskreis „Sauberes Leverkusen“.

Der „Abstimmungsaschenbecher“ am Wiesdorfer Bahnhof ist der erste im Stadtgebiet, einen weiteren gibt es aber schon. Vermutlich wird der – sollte der Zuspruch für den in Wiesdorf groß sein – am Opladener Bahnhof aufgehängt oder aufgestellt, sagt Anika Hagt. Grundsätzlich sei er dort sinnvoll, wo viele Menschen vorbeikämen.