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Fachkräfte aus dem AuslandWie ein Leverkusener Gastronom seinen Küchenchef in Jordanien fand

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Restaurantchef Mevludin Dzeladini (m.) mit seinen neuen Köchen Malik Theeb (l.) und Aymane Karbal (r.).

Restaurantchef Mevludin Dzeladini (m.) mit seinen neuen Köchen Malik Theeb (l.) und Aymane Karbal (r.).

Weil ihm die Köche fehlen, holt ein Opladener Gastronom internationale Fachkräfte und kämpft dabei gegen einen Berg aus Bürokratie.

Für viele Restaurants ist es längst ein alltägliches Problem: Es fehlt an Personal, vor allem in der Küche. Auch für Mevludin Dzeladini (52), Inhaber des Restaurants Gallodini in der Bahnstadt Opladen, wurde die Suche nach qualifizierten Köchen zunehmend zur Geduldsprobe. Also wurde der Gastronom kreativ und entschied sich für einen ungewöhnlichen Weg: Er suchte seinen neuen Küchenchef im Ausland.

Seit drei Monaten arbeitet nun Malik Theeb (44) im Gallodini. Der Koch mit 20 Jahren Erfahrung hat zuvor in internationalen Luxushotels wie dem „Four Seasons“ und in Spitzenküchen in Jordanien und Dubai gearbeitet. Für seine neue, unbefristete Stelle ist der zweifache Familienvater aus der jordanischen Hauptstadt Amman nach Deutschland gezogen. „Vergangenen Sommer hat mich Mevludin bei LinkedIn angeschrieben. Ich wollte gern weitere internationale Erfahrungen machen und in einer europäischen Küche arbeiten“, begründet Malik seine Entscheidung. LinkedIn ist das weltweit größte berufliche Online-Netzwerk.

Berufliche Anerkennung ein bürokratischer Albtraum

„Wenn wir nicht rechtzeitig einen neuen Küchenchef gefunden hätten, wäre unser Biergartenbetrieb im Sommer in Gefahr gewesen“, sagt Dzeladini, der seit Jahrzehnten in der Gastronomie arbeitet und das Gallodini seit Anfang 2024 allein führt. Rund 200 Plätze bietet das Restaurant im Innenbereich, weitere knapp 200 im Biergarten. So viele Menschen auf gutem Niveau zu verköstigen und auch am Wochenende und an Feiertagen zu arbeiten, das wollen viele junge Menschen nicht mehr.

Für Aymane Karbal aus Casablanca, Marokko, ist der Beruf Koch ein Traumjob. Der 23-Jährige soll Maliks neuer Sous-Chef, der stellvertretende Küchenchef, werden. Auch ihn fand sein neuer Arbeitgeber auf einer Online-Jobbörse. Seit einer Woche lebt der ausgebildete Koch in einer WG in Leverkusen. Mitarbeiten darf Aymane aber erst, wenn die Sozialversicherungs- und Steuernummer da sind. Der Weg bis zur Arbeitsaufnahme ist allerdings deutlich komplizierter als die erste Kontaktaufnahme.

Zeugnisse müssen übersetzt, Berufsausbildungen geprüft und zahlreiche Dokumente wie Vollmachten und Arbeitsverträge eingereicht werden, zuerst bei der Zentrale für Fachkräfteeinwanderung und dann bei ‚IHK Fosa‘, einer Sonderabteilung zur Prüfung der deutschen Industrie- und Handelskammern (IHK), ob die ausländische Ausbildung mit der in Deutschland gleichzusetzen ist. Allein die Gebühren für Anerkennungsverfahren und Visa summierten sich auf rund 1200 Euro – ohne Garantie auf Erfolg.

„Wir Gastronomen waren lange zu zögerlich beim Ausbilden. Das haben wir verschlafen.“
Mevludin Dzeladini (52), Inhaber des Restaurants Gallodini in der Bahnstadt Opladen

„Diese massive Bürokratie hat bei Aymane ein Jahr gedauert. Trotzdem wurde seine dreijährige Ausbildung nur teilweise anerkannt, obwohl seine Koch-Akademie mit der deutschen IHK kooperiert hat. Das ärgert mich, denn die Fachkenntnisse von Aymane und auch Malik stehen einer Ausbildung hier in nichts nach, ganz im Gegenteil“, sagt Dzeladini. Mit seinem Büroteam unterstützt der Chef vom „Gallodini“ auch bei der Wohnungssuche, der Anmeldung bei der Stadt, der Krankenversicherung und vielem mehr. „Unter normalen Umständen würde wahrscheinlich jeder Gastronom irgendwann aufgeben“, sagt Dzeladini.

Dabei nimmt er die Branche selbst nicht aus der Verantwortung. „Wir Gastronomen waren lange zu zögerlich beim Ausbilden. Das haben wir verschlafen.“

Zwischen Kardamom und Kalbsschnitzel

Für Malik Theeb bedeutete der Wechsel nach Deutschland nicht nur einen neuen Arbeitsplatz, sondern ein neues Leben. Neben der Arbeit in der Küche besucht er eine Sprachschule und lernt Deutsch. Das B2-Niveau hat er bereits geschafft. „Die Arbeit hier ist supergut“, so der Küchenchef. Besonders schätzt er die Qualität der Produkte und die Arbeitsweise im Restaurant. Aber: „Nach 20 Uhr ist draußen kaum jemand unterwegs und sonntags haben die Supermärkte zu. Das war für mich seltsam.“

Ganz ohne kulturelle Unterschiede läuft auch der Küchenalltag nicht ab: Besonders bei Gewürzen führen Küchenchef und Inhaber gelegentlich kleine Diskussionen. „Malik wollte zum Beispiel mit Kardamom oder besonderen Nelkenblüten arbeiten“, erzählt Dzeladini und lacht. „Da muss ich ihn manchmal etwas bremsen, da kommt man hier auch schwer ran.“ Außerdem: Die deutschen Gaumen hätten oft andere Erwartungen. „Deutsche essen weniger würzig und mögen eher den ursprünglichen Geschmack. Am liebsten haben sie nur Salz und Pfeffer“, so Malik. Ein Kalbsschnitzel solle schließlich auch nach Kalbsschnitzel schmecken.

Ganz verzichten muss Theeb auf eigene Ideen trotzdem nicht. Auf der wöchentlich wechselnden Karte darf der Küchenchef experimentieren, etwa mit orientalisch geprägten Gerichten wie Chicken Curry oder gegrillten Taouk-Hähnchenspießen.

Die Küche im Gallodini ist inzwischen international besetzt: Neben Malik aus Jordanien und Aymane aus Marokko gibt es weitere Mitarbeiter mit Wurzeln aus dem arabischen Raum und Sri Lanka. Dennoch gilt eine klare Regel: Es wird Deutsch gesprochen. „Damit alle üben“, so Restaurantchef Dzeladini. Nur wer Deutsch auf B1-Niveau sprechen kann, bekommt in Deutschland als ausländische Fachkraft die Arbeitserlaubnis.


Info: Biergarten startet in die Saison

Der neue Biergarten des Gallodini eröffnet am Sonntag, 24. Mai, ab 15 Uhr. Zum Auftakt gibt es für Gäste ein Freibier, dazu Bier-Tastings, eine Aperol-Bar, Grillangebote sowie eine Hüpfburg für Kinder. Während der Fußball-Weltmeisterschaft sollen außerdem Spiele live übertragen werden.