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Cube Real EstateOpladener Bahnstadt-Entwickler geht in Insolvenzverfahren

4 min
Eine Immobilie in der Bahnstadt

Der Cube Real Estate gehören in der Bahnstadt Opladen eine Menge Immobilien. 

Dass es dem Unternehmen nicht gut geht, war schon länger offenkundig.

Dass es der Cube Reale Estate, dem Projektentwickler in der Neuen Bahnstadt, alles andere als gut geht, ist schon länger klar, denn mehrere ihrer Projektgesellschaften hatten in diesem Jahr Insolvenzen anmelden müssen. Jetzt hat das Kölner Amtsgericht ein Insolvenzverfahren über das Vermögen der Muttergesellschaft Cube Real Estate AG eröffnet und als sogenannten vorläufigen Sachwalter einen Kölner Insolvenzanwalt bestellt. Cube Real Estate kann seine Probleme in Eigenverwaltung lösen. Das Unternehmen schreibt auf seiner Webseite: „Wegen Sanierung nicht geschlossen. Die Cube Real Estate befindet sich in einem strukturierten Sanierungsprozess.“

Im Zusammenhang mit steigenden Baukosten und einer veränderten Marktlage sei man gezwungen gewesen, für mehrere projektbezogene Gesellschaften Insolvenzanträge zu stellen. Und: „Wir nutzen diesen Weg bewusst, um die weitere Entwicklung der Projekte geordnet zu strukturieren und mit tragfähigeren Lösungen umzusetzen.“

Man führe nach wie vor intensive und konstruktive Gespräche mit Finanzierungspartnern, Projektbeteiligten und Kommunen, heißt es auf der Webseite. In einzelnen Fällen hätten nicht alle beteiligten Finanzierungspartner den von Cube aufgezeichneten Weg mitgetragen. Man bedaure das. Die Insolvenzanträge seien die einzige rechtlich korrekte Lösung gewesen.

Cube: Nach guten Jahren ein riesiges Minus

Die Opladener Cube Real Estate AG hat laut dem Informationsportal „North Data“ im Geschäftstjahr 2024 einen Fehlbetrag von über vier Millionen Euro hinnehmen müssen, nachdem man in den Jahren seit 2020 immer Überschüsse, oft in Millionenhöhe, erwirtschaftet hatte. Auffällig ist auch eine Steigerung sowohl der Forderungen als auch der Verbindlichkeiten, die auf dem Portal für das Jahr 2024 angegeben sind. Der Kölner Insolvenzanwalt war am Mittwoch nicht erreichbar.

Bahnhofsquartier Grundstück
Bahnstadt Opladen. Bild: Ralf Krieger

Das Grundstück des Bahnhofsquartiers in Opladen ist eine Brache.

Eine Cube-Tochter, die es jetzt ganz aktuell getroffen hat, ist allerdings eng mit dem Gelingen der Opladener Innenstadtentwicklung verknüpft: Über die Cube Asset 25 GmbH & Co. KG mit Sitz in der Werkstättenstraße ist das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Die Asset 25 soll das sogenannte Bahnhofsquartier bauen. Das dreieckige Grundstück zwischen Busbahnhof, Europaallee und Freiherr-vom-Stein-Straße ist zurzeit noch eine Brache. Es ist das vielleicht wichtigste Bahnstadt-Grundstück, denn es verbindet die Innenstadt mit dem Bahnhof. Die Pläne für die Bebauung sind schon lange fertig, seit 2022 existiert ein Bebauungsplan.

Auf der Webseite ist ein Zitat des Bahnstadt-Geschäftsführers Andreas Schönfeld hinterlegt: „Wir sehen dem Projekt mit viel Optimismus entgegen und freuen uns auf die Umsetzung des Schlusssteins der Neuen Bahnstadt Opladen.“ Jetzt gehört das wichtige Grundstück zum Kapital einer Gesellschaft, die durch eine Insolvenz muss.

Dass man jetzt in Opladen womöglich noch sehr lange auf den Schlussstein warten muss, will Andreas Schönfeld noch nicht wahrhaben: „Wir haben gestern noch mit Cube zusammengesessen und darüber geredet, wie es weitergeht“, sagte er am Mittwoch.

Bahnstadt Immobilien. Foto: Ralf Krieger

Fertige Immobilien in der Bahnstadt

Von einer Insolvenz sei bei den Gesprächen nicht die Rede gewesen, sagt Schönfeld, aber dazu seien sie ja auch nicht verpflichtet. Zur Zusammenarbeit mit der Stadt Leverkusen äußert sich Cube auf seiner Webseite: „Gleichzeitig möchten wir die konstruktive und lösungsorientierte Zusammenarbeit mit der Stadt Leverkusen ausdrücklich hervorheben. Diese Zusammenarbeit bildet eine wichtige Grundlage, um Projekte auch unter veränderten Rahmenbedingungen und im Sinne des Standorts weiterzuentwickeln.“

Tochtergesellschaften Cube Real Estate Bahnstadt Opladen. Bild: Ralf Krieger

Cube hat eine Menge Tochterfirmen: Briefkasten in der Bahnstadt Opladen.

Mit anderen Worten: Wenn das Bahnhofsquartier in Opladen noch gebaut wird, dann sieht es anders aus als in den schönen Plänen, mit grünen Dächern und einer ansprechenden Architektur, die zu dem Bau existieren. Notwendige Veränderungen erwähnt auch Andreas Schönfeld von der Bahnstadt: Man arbeite daran, wie der Entwurf an die Entwicklungen anzupassen sei: Im Prinzip sind Geschäfte und Büros nicht mehr nachgefragt – aber Wohnungen.

Mit seiner Opladen gemäßen Kleinteiligkeit, hoher Flexibilität der Gebäudenutzungen und üppiger Dachbegrünung konnte der Siegerentwurf von Momentum punkten. Grafik: kadawittfeldarchitektur

So wird es wohl nicht werden: Dachbegrünung und schöne Architektur. Damit konnte der Siegerentwurf fürs bahnhofsquartier punkten.

Cube Insolvenzen: nicht ohne Ansage

Die aktuellen Insolvenzen bei Cube kommen nicht ohne Vorwarnung. Als erste Projektgesellschaft ging im Januar die Cube Asset X GmbH in die Pleite; in Düsseldorf an der Erkrather Straße stand daraufhin ein Bau mit 177 Wohnungen, Büro und Gewerbeflächen still. Dann folgte die „Asset XIV“, die in Köln ein Wohnquartier zwar fertiggestellt hatte, aber Rechnungen nicht gezahlt hatte. Der vorläufig als Insolvenzanwalt bestellte Kölner Jens Schmidt hatte im März mitgeteilt, dass der „Werk 3“ genannte zentrale Bau in der Bahnstadt-Ost verkauft werden soll, aber „mit ruhiger Hand“. Zu dem Projekt gehört die alte, noch fast original erhaltene Halle des alten Lokomotiv-Ausbesserungswerks. Auch das Sanierungsgebiet „Bonner Flagge“ in der Bonner Innenstadt ist betroffen.

Claus Müller von der Leverkusener Traditionsfirma Weitz Kanalbau hatte sich schon im Winter beklagt, dass Cube seiner Firma 75.000 Euro für geleistete Arbeit an einem Bau in Köln-Kalk schulde. Im „Leverkusener Anzeiger“ hatte er gesagt: „Mir scheint, da bricht ein Kartenhaus zusammen.“

Cube selbst schreibt auf der Webseite, dass die Cube Real Estate Holding nach wie vor finanziell solide aufgestellt sei. Ohne weiteres lässt sich nicht überprüfen, ob das stimmt.