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BerufsschulenWarum sich die Stadt Leverkusen bis 2059 an den Baukonzern Hochtief binden will

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Skizze der drei Neubauten für die Berufsschule an der Bismarckstraße

Die Übersicht zeigt, wo die drei neuen Gebäude für die Berufsschule entstehen sollen: zwischen der Bismarckstraße und den Altbauten

Bei der Erweiterung an der Bismarckstraße hat sich die Stadt in eine Zwangslage manövriert.

Die Berufsschullandschaft in der Stadt soll neu geordnet werden. Und bevor über den schon beschlossenen Neubau in Opladen im Detail nachgedacht wird, müssen jetzt an der Bismarckstraße in Küppersteg Nägel mit Köpfen gemacht werden. Die Stadtverwaltung drückt aufs Tempo; der Stadtrat soll nächsten Montag, 23. Februar, weitreichende Entscheidungen treffen. Weitreichend allein deshalb, weil die Ehe mit dem Baukonzern Hochtief bis 2059 verlängert werden soll. Der hatte 2005 für die Stadt die drei denkmalgeschützten Gebäuderiegel an der Bismarckstraße saniert. Das geschah, nachdem die Stadt, die auch damals gerade klamm war, dem Unternehmen das gesamte Ensemble übergeben hatte.

Daraus folgte, dass die Stadt im Jahr 2005 mit Hochtief einen Mietvertrag unterschrieb, der noch bis 2034 läuft. Das Besondere: Er gilt keineswegs nur für die drei denkmalgeschützten Schulgebäude, sondern für das gesamte Grundstück. Offenbar hatte vor sich 20 Jahren niemand im Rathaus vorstellen können, dass auf dem Campus mal etwas verändert werden müsste oder sollte.

Ein Knebelvertrag

Der Vertrag ist äußerst wichtig. Das zeigen zwei Rechtsgutachten, die von der Stadt in Auftrag gegeben wurden, um die Grundlagen zu klären: Weil Hochtief Herr über das gesamte Terrain ist, muss der Baukonzern jeglicher Veränderung zustimmen. Das hat die Stadt in eine vertrackte Lage gebracht, ergibt sich aus der Ratsvorlage, die wegen der Vertragsdetails unter Verschluss gehalten wird, dem „Leverkusener Anzeiger“ aber vorliegt.

Geschwister-Scholl-Berufskolleg

Das Geschwister-Scholl-Berufskolleg steht unter Denkmalschutz.

Eine reguläre Ausschreibung des Erweiterungsprojekts war nicht möglich, denn Hochtief hat diesem üblichen Verfahren nicht zugestimmt – was nicht weiter verwundert bei einem Unternehmen, das selbst vor allem Gebäude errichtet. Es kommt daher nicht in Frage, dass ein anderes Unternehmen die Ergänzungsbauten errichtet. Deshalb hat es keine Ausschreibung gegeben – und damit auch keinen Wettbewerb – sondern nur Verhandlungen. Und einen Vergleich zwischen dem Angebot von Hochtief und den geschätzten Kosten, wenn die Stadt die Sache selbst in die Hand nähme.

Preis seit 2020 fast verdoppelt

Die Baukosten für drei relativ flache Gebäude in Holzständer-Bauweise sollen nach jüngsten Schätzungen brutto gut 60 Millionen Euro betragen. Das ist fast doppelt so viel wie vor fünf Jahren gedacht.

Ansicht eines der drei geplanten Neubauten

Geplant sind nicht sehr hohe, recht filigrane Gebäude, die sich an den Plänen von Fritz Schumacher orientieren sollen.

Was bekommt die Stadt dafür? Ein Verwaltungsgebäude für das Berufskolleg, unter dem auch noch eine Dreifachsporthalle Platz findet. Einen Bau, in dem außer einem Bistro für alle diverse Klassenräume untergebracht werden. Schließlich ein Unterrichtsgebäude, das vom Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung genutzt werden soll.

Drei statt vier Gebäude

Als 2020 erstmals konkret über die Erweiterung diskutiert wurde, ging man von gut 32 Millionen Euro Baukosten aus. Damals wurden im Baudezernat noch vier Gebäude geplant. Jetzt werden es nur drei. Würde die Stadt alles selbst bauen lassen, wäre das laut derzeitiger Kalkulation unwesentlich teurer. Das zeigt einen Kostenvergleich, der angesichts der Zwangslage, in die sich die Stadt mit dem Mietvertrag manövriert hat, allerdings in Wahrheit obsolet ist. Die Betriebskosten für die knapp 9000 Quadratmeter betragen pro Jahr nochmals rund eine Million Euro.

Auch wenn die Eingriffe in die Landschaft nach Darstellung der Planer so klein wie möglich gehalten wurden, müssen auf dem Grundstück 36 Bäume gefällt werden; manche haben 1,1 Meter dicke Stämme. Die 42 neuen Bäume haben Stämme mit 20 bis 25 Zentimeter Durchmesser. Trotzdem werde der Verlust „vollständig ausgeglichen“, sagt die Stadtverwaltung.

Stimmt der Stadtrat dem ganzen Projekt am kommenden Montag zu, wird sich die Stadt Leverkusen erneut lange an den Baukonzern Hochtief binden. Für die Ergänzung soll ein neuer Mietvertrag ab 2029 abgeschlossen werden. Er soll wiederum 30 Jahre laufen.