Der Film gewann schon den Publikums- und den Jurypreis beim Opladener Filmfest 2880.
Mit VideoLeverkusener Autor macht aus Kurzfilm ein Bilderbuch

Leverkusener Kinderbuchautor Anatol Schulz mit „Moki“ und „Schichtdienst“
Copyright: Stefanie Schmidt
Dreijährige können Endgegner sein, das wissen alle Eltern. Die Herausforderung, vor die Anatol Schulz gestellt wurde, stammte allerdings von keinem seiner vier Kinder, sondern von der Tochter eines Fußballkollegen. „Anatol, ich möchte noch ein letztes Buch mit dem Gerd und Moki haben, bitte!“, piepst die kleine Juna zuckersüß in eine Sprachnachricht. Wie kann man da „Nein“ sagen?
Gerd und Moki sind die Hauptfiguren eines Kurzfilms, den der Leverkusener Illustrator und Kinderbuchautor im Rahmen des Opladener Filmfests 2880 erstellt hat. 2880 Sekunden sind 48 Stunden – diese Zeit haben die Teilnehmenden, um aus einem zugelosten Titel und Genre einen maximal fünfminütigen Kurzfilm zu machen. Schulz hat schon mehrfach teilgenommen, im vergangenen Jahr bekam er den Titel „Schichtwechsel“ und das Genre „Vampirfilm“ zugelost. „Mir war schon vorher klar, dass ich gerne etwas mit Moki machen möchte“, erzählt Schulz. Der sympathische kleine Elefant ist die Hauptfigur von Schulz’ Kinderbüchern: „Moki träumt vom Fliegen“ und „Moki mampft Mangos“ sind Bilderbücher über die Abenteuer des Elefanten, außerdem gibt es noch eine Sammlung an Gute-Nacht-Geschichten und Ausmalbücher.
Gerd Dracululu aus Trasilwozien
Über Nacht denkt Schulz sich die Geschichte aus: Moki arbeitet als Krankenwagenfahrer, sein netter Kollege Gerd macht immer nur die Nachtschicht. Eines Tages fährt Moki Gerd besuchen, auf seinem Schloss in Trasilwozien. Gerd heißt mit Nachnamen Dracululu. Man ahnt, dass Gerd mit Moki nicht nur Dunkelpartys feiern will. Das Besondere an dem Film, der aus von Schulz gezeichneten Illustrationen besteht: Den Text sprechen seine sieben-, fünf- und dreijährigen Kinder. Dabei sind durchaus mal Aussprache- oder Formulierungsfehler dabei, die auch genau so in den Text übernommen werden.
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Der Film gewinnt sowohl den Publikums- als auch den Jurypreis des undotierten Filmfests. Und findet kleine Fans. Wie Juna, die Moki aus anderen Büchern kennt, und Gerd nun auch in einem Buch sehen will.
„Mein erster Gedanke war: Das funktioniert nicht in einem Buch“, sagt Schulz. Um den Wunsch trotzdem zu erfüllen, wollte er Juna einfach die einzelnen Bilder des Films ausdrucken. Während er daran rumbastelt, stellt er fest: Das könnte doch funktionieren. Und macht ein richtiges Hardcover-Buch daraus. Ida ist begeistert, die Dreijährige kann den Text mitlesen: Nicht, weil sie schon lesen könnte, sondern weil sie den Text aus dem Film kennt.
Kinder können Bilder einreichen
Bisher gibt es nur Prototypen, aktuell sammelt Schulz Vorbestellungen, die er dann in den Druck geben wird. Eine weitere Besonderheit: Noch können sich Kinder selbst künstlerisch in dem Buch verwirklichen. Bis zum 1. März können selbstgemalte Bilder von Moki und Gerd eingereicht werden, auf einer Bildergalerie am Ende des Buchs werden sie abgedruckt. „Ein Freund von mir ist Grundschullehrer, der hat mit seiner Klasse den Film geguckt und Moki-Bücher gelesen“, erzählt Schulz. Regelmäßig bringen Kinder ihrem Lehrer nun tolle, selbst gezeichnete Bilder von Moki und Gerd mit: „Das hat mich auf die Idee gebracht, die auch im Buch aufzunehmen.“

Moki-Bücher von Anatol Schulz.
Copyright: Stefanie Schmidt
Vertrieben wird das Buch nur über seine Internetseite. Lange hat Schulz die Moki-Bücher auch über Amazon angeboten, davon hat er mittlerweile Abstand genommen. Nicht nur aus Kostengründen. „Amazon behält von den 14 Euro Verkaufspreis 7,10 Euro ein“, sagt Schulz. Auch der lokale Buchhandel nehme 30 bis 40 Prozent. „Das habe ich lange genug geschluckt.“ Aber: Amazon behält Lagerbestand nur 90 Tage. Bücher, die dann nicht verkauft sind, können entweder kostenlos geschreddert oder kostenpflichtig an den Autor zurückgeschickt werden.
Ärger mit Amazon
Schulz lässt sich die Bücher zurückschicken und bekommt am nächsten Tag eine Mail: „Hey, dein Lager ist nicht mehr voll. Bitte schick uns doch welche nach.“ Auch das habe der Grafiker eine Zeit lang mitgemacht. „Ich habe die irgendwann gar nicht mehr aufgemacht, sondern hatte schon ein Versandetikett bereit, das habe ich draufgeklebt und dem Postboten direkt wieder mitgegeben.“ Als Amazon dann aber anfing, die Bücher nicht mehr zurückzunehmen, weil schon (von ihnen selbst aufgeklebte) Etiketten auf den Büchern waren, zog Schulz einen Schlussstrich. Und vermarktet seine Bücher selbst.
Schulz lebt nicht alleine von der Arbeit als Kinderbuchautor, er arbeitet halbtags als Zeichner, Grafiker und Illustrator in einer Agentur. Mit vier kleinen Kindern im Haus war die Zeit für Moki zuletzt etwas knapp geworden. Aber jetzt soll es richtig weitergehen. „Ich liebe es, Kinderbücher zu machen.“ Auf jeden Fall soll es ein filmisches Wiedersehen mit Moki und Gerd geben. Und auch ein drittes Moki-Bilderbuch ist schon lange geplant und in Arbeit.
„Schichtwechsel“ kann bis 1. März für 16 Euro auf der Seite von Anatol Schulz vorbestellt werden. Die ersten 50 Bestellungen bekommen ein Gratis-Moki-Bilderbuch dazu. Bis zum gleichen Datum können selbst gemalte Bilder für die Galerie im Buch eingereicht werden, eine Bestellung ist dafür nicht nötig. Mit dem Code „Gerd“ entfallen die Versandkosten. www.anatolschulz.com

