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Meditatives BogenschießenLeverkusener auf der Suche nach der Ruhe im Pfeil

4 min
Mehrere Teilnehmer des VHS-Kurses lernen das meditative Bogenschießen.

Helene Kuhn, Heribert Kuhn, Simone Stephan und Gabi Becker (v.l.) haben das Ziel im Auge.

Beim VHS-Kurs in Opladen lernten Interessierte die Grundlagen des Meditativen Bogenschießens.

Wer die innere Ruhe finden will, sollte einen Pfeil abfeuern. Zumindest, wenn es nach Frank Goll geht. Er bringt am Samstag bei einem VHS-Kurs in der Zweigstelle in Opladen acht Menschen das meditative Bogenschießen bei. Der 60-Jährige hat das Konzept nach einem Burnout entdeckt. Mittlerweile hat er es weiterentwickelt und bietet regelmäßig Kurse an.

Es ist still in Raum 3. Sechs Frauen und zwei Männer sitzen auf ihren Stühlen und beobachten, was Frank Goll vormacht. Er steht mit der linken Schulter zur Zielscheibe. In der linken Hand hält er den Bogen. Ein Pfeil ist schon eingespannt. Dann geht es los: Beim Einatmen hebt er den Bogen und richtet ihn aufs Ziel. Er atmet aus und senkt ihn wieder. Diese erste Bewegung ist wichtig, um im Moment anzukommen, bringt Goll seinen Schülern bei. Beim nächsten Einatmen greift er die Sehne, spannt den Bogen und richtet ihn aufs Ziel. Dann lässt er den Pfeil los. Als der das Ziel triff, macht es kurz „Plopp“. Goll verharrt noch in seiner Pose. Er zählt: „Einundzwanzig, zweiundzwanzig.“ Dann lässt er erst den Bogen sinken.

Ein Mann steht vor einer Stellwand.

Frank Goll unterrichtet meditatives Bogenschießen bei der VHS.

„Im Alltag sind wir es gewohnt, immer schnell von einer zur nächsten Sache zu eilen“; sagt Goll. Genau davon will man sich beim meditativen Bogenschießen lösen. „Wir halten noch einen Moment inne, reflektieren über den Schuss.“ Das ist gar nicht so leicht, wie sich rausstellt. Jetzt sind nämlich die Teilnehmer dran. Zu viert stellen sie sich auf, richten Pfeil und Bogen auf das Ziel. Das ist übrigens keine Scheibe, sondern ein weißer Block Schaumstoff – ohne Zahlen oder Kreise. „Meditatives Bogenschießen ist kein Wettkampf“, sagt Goll. „Es geht nicht um Punkte, sondern um Konzentration auf das Hier und Jetzt.“

Wir halten noch einen Moment inne, reflektieren über den Schuss
Frank Goll, Trainer fürs meditative Bogenschießen

Für den Anfang sind aber auch die Grundlagen wichtig. So hilft Goll einer Frau, die den Bogen falsch herum hält. „Sonst würdest du auf dich selbst schießen“, sagt der Trainer. Wann genau sie ein- und ausatmen muss, fragt sie weiter. Goll macht nochmal die Technik vor. Dann fliegen die ersten Pfeile. Die meisten treffen ins Ziel, manche landen auch daneben. Die größte Schwierigkeit für die Teilnehmer: das Innehalten nach dem Schuss. „Das ist am Anfang normal“, sagt Goll. „Wir sind es nicht gewohnt, bei uns zu bleiben.“ Oft lege sich das nach wenigen Stunden.

Dann gibt es ein paar Minuten Pause. Goll ist zufrieden. „Die Gruppe ist gut“, sagt er. Im Pausenraum stehen Helene (69) und Heribert Kuhn (71) an einem Tisch und essen Apfelstücke aus einer Tupperdose. Helene Kuhn hat vor ein paar Jahren schon mal einen Kurs im Meditativen Bogenschießen besucht. „Das hat mir so gut gefallen, dass ich es noch mal machen wollte“, sagt sie. Beim Bogenschießen komme sie zur Ruhe. Die Konzentration, das Atmen – all das hilft ihr dabei. Das gehe nach dem Kurs weiter. „Manchmal schieße ich einen mentalen Pfeil, wenn ich zu Hause im Sessel sitze“, sagt sie. „Dann schließe ich die Augen und gehe im Kopf die Schritte durch.“ Ihren Mann hat sie von dem Konzept überzeugt. „Nur die Technik muss ich mir noch einprägen“, sagt Heribert Kuhn.

Manchmal schieße ich einen mentalen Pfeil, wenn ich zu Hause im Sessel sitze
Kursteilnehmerin Helene Kuhn

Viele treibt die Neugier an diesem Samstag nach Opladen. „Ich wollte etwas Meditatives ausprobieren“, sagt eine Teilnehmerin. Der Einstieg mit den Erklärungen sei etwas langatmig gewesen. „Aber das ist wahrscheinlich gut so. Es soll ja entschleunigen“, sagt sie und lacht. Eine andere Teilnehmerin ist heute da, weil es auf ihrer Liste steht. „Ich will dieses Jahr zehn Sportarten ausprobieren“, sagt sie. „Zum Beispiel Rudern, Tennis, Line Dance und heute bin ich beim Bogenschießen.“

Dann ist die Pause vorbei. Bevor die Kursteilnehmer wieder aufs Ziel schießen, dunkelt Frank Goll den Raum etwas ab, schaltet Musik und Lichter an. Kleine blaue Punkte fliegen jetzt über die Decke in der VHS. Die Atmosphäre soll für mehr Entspannung sorgen. Im zweiten Teil des Kurses wird es philosophisch. Als eine Frau das Ziel verfehlt, fragt der Trainer sie, wie sie sich damit fühlt. „Das war jetzt nicht so schön“, sagt sie. Frustriert zu sein, sei normal, sagt Goll. Er rät zu einer anderen Sichtweise, die nicht nur beim Bogenschießen helfen soll. „Ärgert euch nicht über eure Vergangenheit oder einen verlorenen Schuss.“ Beides sei längst vorüber. „Konzentriert euch auf den nächsten Pfeil.“ Das gibt er den Teilnehmern als Hausaufgabe mit. Dann spannen wieder vier Leute ihren Bogen. Sie atmen ein, atmen aus, es macht „Plopp“. Und manchmal geht auch ein Pfeil daneben.


VHS bietet weiteren Kursus an

Der nächste Kursus im meditativen Bogenschießen findet am Sonntag, 26. April 2026, von 13 bis 19 Uhr in der VHS-Außenstelle in Opladen statt. Die Teilnahme kostet 75 Euro. Anmeldung und Infos unter 

www.vhs-leverkusen.de