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Manchmal sollte man ruhig den Hut ziehen

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Es kann ein grüner Hut sein, muss aber nicht: Helene Kuhn, Vorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs (Mitte) mit einigen Mitstreiterinnen am Infostand vor der Rathaus-Galerie.

Es kann ein grüner Hut sein, muss aber nicht: Helene Kuhn, Vorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs (Mitte) mit einigen Mitstreiterinnen am Infostand vor der Rathaus-Galerie.

  • Die Frauenselbsthilfe nach Krebs besteht seit 40 Jahren – Informationsstand an der Rathaus-Galerie

Wer mit Krebs zu tun hat, weiß was es heißt, mit einem Tabuthema umzugehen. Das ist die Botschaft der Frauenselbsthilfe nach Krebs. Zwar treten zunehmend prominente Personen mit ihrer Erkrankung an die Öffentlichkeit – trotzdem erleben Krebspatienten im Alltag oft ein distanziert, unsicheres Verhalten ihrer Mitmenschen, wissen die ehrenamtlich tätigen Damen des Vereins. Gravierende äußerliche Veränderungen, wie der Verlust der Haare, und die allgegenwärtige Angst vor der Unberechenbarkeit der Krankheit sind oftmals der Grund dafür. Dabei sei Krebs keine Ausnahmeerscheinung. „Immer mehr Menschen, auch junge, erkranken an bösartigen Tumoren“, sagt Helene Kuhn. Gleichzeitig verbesserten sich Therapien, Medikamente und Heilungschancen, besonders wenn ein Krebs früh erkannt wird. Dennoch sei die Behandlung kräftezehrend – „und zurück bleibt meist über Jahre die Angst, dass plötzlich der Krebs zurückkehrt“, ergänzt die Gruppenleiterin des Vereins Frauenselbsthilfe nach Krebs.

Doch nicht immer ist Krebs heilbar. Oft leben Betroffene über Jahre, gar Jahrzehnte mit der Diagnose und viele sterben an dem bösartigen Tumor. „Dabei ist es für an Krebs erkrankte Menschen so wichtig, nicht die Lebenslust zu verlieren“, weiß Kuhn. „Immerhin läuft der Alltag weiter, und je mehr alltägliche Routine besteht, desto besser ist die Zeit zwischen beispielsweise einzelnen Chemozyklen zu ertragen“, sagt Kuhn aus eigener Erfahrung.

Mit ihren Mitstreitern steht sie daher am Samstagvormittag vor der Rathaus-Galerie und betreut die Aktion „Ich zieh den Hut!“, die zum 40-jährigen Bestehen der Frauenselbsthilfe nach Krebs auf die Krankheit und die Betroffenen aufmerksam machen will. Im leuchtenden Grün ist der Pavillon schon von Weitem zu erkennen. Auf einem Tisch liegt, neben Informationsmaterial, gut ein Dutzend Hüte. Schlichte, alte, ausgefallene, karnevalistische oder eben leuchtend grüne Modelle warteten auf Passanten, die Lust haben, den Hut zu ziehen vor Menschen, welche die Herausforderung Krebs annehmen müssen. Dabei fotografiert, werden die Bilder aller „Hutzieher“ im Mitgliedermagazin des Vereins veröffentlicht. „Die Aktion ist eine Respektbeteuerung für alle, die mit Krebs konfrontiert werden“, erklärt Kuhn. „In unserer Arbeit und in den Gesprächen mit Patientinnen erleben wir hautnah, welche Sorgen eine junge Mutter hat, wenn sie die Diagnose Krebs bekommt.“ Neben Fragen zur Therapie spiele meistens die Organisation des Alltags eine entscheidende Rolle, aber auch der Umgang mit äußerlichen Veränderungen. „Für die meisten Betroffenen ist das eine hohe psychische Belastung, die nicht unterschätzt werden darf“, so die Beraterin.

Alles zum Thema Opladen

Erfahrungsaustausch, Ratschläge oder einfach nur die Organisation einer regelmäßigen Haushaltshilfe könne für Krebspatienten und deren Angehörige sehr wertvoll sein. Das Angebot sei daher ein wichtiger Teil der Arbeit der Frauenselbsthilfe nach Krebs.

Neue Sprechstunde

Weil der Verein keine eigenen Räume hat, gibt es seit gut einem Vierteljahr einen zusätzlichen Termin in der Geschäftsstelle des Sozialdienstes katholischer Frauen. Jeden ersten Mittwoch im Monat steht die Tür in de Düsseldorfer Straße 121 in Opladen von 14 bis 16 Uhr offen. Darüber hinaus gibt es Abend- und Nachmittagssprechstunden. Dort stehen Erfahrungsaustausch, Informationen über Neuigkeiten aus dem Gesundheitssystem und onkologische Fachvorträge im Mittelpunkt. In Notfällen stehen Helene Kuhn und ihre Mitstreiterinnen beinahe zu jeder Tages- und Nachtzeit auch telefonisch zur Verfügung, sagt Kuhn: „Manchmal muss Hilfe halt auch schnell gehen.“ frauenselbsthilfe.de/gruppen/leverkusen

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