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NachrufMit Toni Blankerts verliert Opladen sein größtes Original

3 min
Bild: Britta Berg
Nachtwächter Toni Blankerts nahm seinen Hut

2016 nahm Toni Blankerts als "Der Nachtwächter" seinen Hut

Der Chronist, Karnevalist und größter Fürsprecher Opladens ist im Alter von 88 Jahren gestorben.

Nein, Toni Blankerts war nicht einfach nur der Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Opladen. „Toni war der VVV“, sagt dessen Geschäftsführer Karl-Josef Nett. Manche würden wohl noch weiter gehen und sagen: Toni Blankerts war Opladen. Jetzt hat die ehemalige Kreisstadt ihr Urgestein und vielleicht größten Fürsprecher verloren: Blankerts ist im Alter von 88 Jahren gestorben.

Dass seine Erinnerungen bleiben, dafür hat Blankerts schon zu Lebzeiten gesorgt. Wer im Archiv des „Leverkusener Anzeiger“ nach seinem Namen sucht, der findet ihn regelmäßig in Verbindung mit dem Wort „Zeitzeuge“. In „Uns Opladen“, einem seiner vielen Werke, vereint Blankerts Erinnerungen, Anekdoten und historische Fakten. Als siebenjähriger Junge hat er die Bombenangriffe zum Ende des Zweiten Weltkrieges auf Opladen erlebt, davon berichtet er im Buch „Bomben auf Opladen“, das im vergangenen Jahr zum 80. Jahrestag des Bombardements veröffentlicht wurde. Auch im aktuellen Buch „50 Jahre Opladen in Leverkusen“ von Opladen Plus anlässlich des Jubiläums der kommunalen Neugliederung schildert Blankerts seine Erinnerungen an das alte Opladen.

Toni Blankerts mit Karl-Josef Nett

Toni Blankerts mit Karl-Josef Nett und der Chronik zu "50 Jahre Opladen in Leverkusen".

Dafür hat Markus Pott eng mit Toni Blankerts zusammengearbeitet. „Er war ein Opladener Urgestein und hat sich zeit seines Lebens für die Belange der alten Kreisstadt eingesetzt, sein Tod macht mich traurig“, sagt Pott, Vorsitzender von Opladen Plus. Auch der Opladener Geschichtsverein trauert um Blankerts. „Er hatte ein sehr breites Wissen über Opladen und hat viel bewirkt“, honoriert Reinhold Braun das Wirken des 88-Jährigen. Bis zuletzt habe Blankerts den Werdegang Opladen „mit wachen und kritischen Augen begleitet. Seine Schriften über Opladen sind von bleibendem Wert“, ergänzt Pott.

Scharfzüngiger Kabarettist

Schließlich ist der gebürtige Opladener selbst Teil dieser Geschichte: 1973 war Blankerts Opladener Karnevalsprinz, als Büttenredner „der Nachtwächter“ zog er jahrelang durch die Sitzungen der Stadt. „In dieser Rolle wies er regelmäßig und mit scharfen Worten auf die Wunden hin, die die kommunale Neugliederung Opladen geschlagen hatte“, erinnert sich Pott. In seiner historischen Karnevalssammlung findet sich neben der Original-Prinzenmütze auch der höchste Karnevalsorden überhaupt: Gold mit Brillanten.

Toni Blankerts, Lützenkirchen

Toni Blankerts 2023 mit seiner historischen Prinzenkappe

Dass es mit der Eingemeindung nach Leverkusen mit Opladen bergab ging, schmerzte Blankerts sehr, doch der Chronist war keiner, der nur beobachtet und meckert, sondern einer, der anpackt. 20 Jahre lang war er Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes im Kreis, zudem langjähriger Präsident des Komitees Opladener Karneval. Und bis zu seinem Tod, mehr als 25 Jahre lang, Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Opladen. „Wenn es diesen Verein nicht schon gebe, man müsste ihn erfinden“ pflegte Blankerts zu sagen. Denn hier hatte er die Möglichkeit, sein Opladen mitzugestalten.

Mehr als 1000 Ruhebänke hat der VVV über die Jahrzehnte im Stadtgebiet aufgestellt. Hinweistafeln, Skulpturen und schöne Orte gehen maßgeblich auf Blankerts Engagement zurück: Die Neugestaltung der Ludwig-Rehbock-Anlage im Jahr 2005, der Kinderspielplatz in der Neuen Bahnstadt, für den auf Initiative des VVV hin die historischen Dachträgerstützen des ehemaligen Bahnhofes verwendet wurden. Toni Blankerts bezeichnete dieses Projekt als eines der wichtigsten und schönsten in seiner Zeit beim VVV.

Blankerts war zuletzt schwer erkrankt, wenige Tage vor seinem Tod in der Nacht auf Freitag hatte Karl-Josef Nett ihn noch besucht. „Er war kaum noch zu verstehen, aber was er mir sagte, war: Kajo, mit dem VVV muss es weiter gehen.“ Nun sucht der VVV einen neuen Vorsitzenden. Einen, wie Toni Blankerts werden sie wohl nicht wieder finden.