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ProzessDas sagt der Freund des Opfers über den mutmaßlichen Leverkusener Vergewaltiger

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Ein Flur im Kölner Landgericht an der Luxemburger Straße

Ein Flur im Kölner Landgericht an der Luxemburger Straße. Dort läuft derzeit ein Vergewaltigungsprozess.

Aus einer fröhlich jungen Frau wurde eine von Ängsten geplagte Person, sagt ein Zeuge im Landgericht Köln aus. 

Er ist dem Angeklagten nur ein Mal begegnet. „Der wirkte sehr fordernd“, so beschreibt es der beste Freund des Opfers. Im Herbst 2019 war das. „Er hat sie zu sich gezogen und geküsst.“ Und: „Er packte sie am Arm und forderte, dass sie ihm jetzt Bier holt.“ Seine Schulfreundin habe sich gefügt – untypisch für die junge Frau, die der Zeuge als positiv und lebenslustig beschreibt. „Sie sieht das Positive in jedem Menschen.“

Ihre Lockerheit und Zugewandtheit habe sie jedoch in den gut zwei Jahren mit dem heute 32 Jahre alten Manforter ziemlich verloren, sagt der Freund. Nach den Erlebnissen in der Beziehung habe sie immer wieder Panikattacken, berichtet der Vertraute. Er war auch offenbar der Erste, der von dem Geschehnis kurz vor Weihnachten 2019 erfuhr: Da zwang der Mann, der sich seit Dienstag vor dem Kölner Landgericht unter anderem wegen Vergewaltigung verantworten muss, seine Freundin im Badezimmer zum Geschlechtsverkehr. Auch Schreien und Weinen beeindruckten ihn nicht, so die Aussage, die sich auch in der Anklage wiederfindet. Darin ist von fünf weiteren Gewaltausbrüchen die Rede – der Vergewaltigungsvorwurf wiegt aber am schwersten.

Sie sieht das Positive in jedem Menschen
Der beste Freund über das Opfer

Er habe dem Opfer dringend geraten, den Partner anzuzeigen, so der Zeuge. Das war indes schon rund einen Monat nach der Tat. Die junge Frau habe lange mit sich gekämpft. Auch aus Angst, „dass ihr niemand glaubt“. Erst rund ein Jahr später, am 6. Dezember 2020, entschloss sich die junge Frau, zur Polizei zu gehen.

Frau zog ihre Anzeige nach kurzer Zeit wieder zurück

Doch nur fünf Tage später zog sie die Anzeige wieder zurück. Ursache sollen Drohungen ihres Partners gewesen sein: Er würde Nacktfotos veröffentlichen und offenlegen, dass ihr Schwiegervater sie missbrauche – „ein Vorwurf ohne jede Substanz“, wie Benjamin Roellenbleck, der Vorsitzende Richter, am Freitag feststellt.

Obwohl der Zeuge dem Opfer emotional bis heute sehr nahe steht, kann vor Gericht nicht geklärt werden, was genau zur Rücknahme der Anzeige führte. Klar ist: Im Frühjahr 2020 unterzog sich der Angeklagte einer Entziehungskur, um seiner Alkoholsucht Herr zu werden. Das sei wohl der Grund für die Freundin gewesen, „der Sache noch eine Chance zu geben“. Auch ein Heiratsantrag könnte eine Rolle dabei gespielt haben, dass die toxische Beziehung trotz aller Gewalt nicht beendet wurde. Und trotz aller Ratschläge seinerseits, so der Zeuge. 

Die Eltern machten massiv Druck

Von den Eltern des Opfers habe es irgendwann sogar massiven Druck gegeben, zeigt sich vor Gericht: Sie verlangten die Trennung, waren mit dem zweiten „richtigen“ Freund ihrer Tochter schon sehr bald nicht mehr einverstanden. Tatsächlich zog die junge Frau wieder aus der Wohnung in Manfort aus und zu ihren Eltern, obwohl die nicht mehr mit ihr redeten. Wohl auch, weil sie ahnten, dass die Beziehung weiterlief. Am Ende habe es von den Eltern eine unmissverständliche Ansage gegeben. Der Zeuge formuliert sie so: „Entweder, Du zeigst ihn an oder Du fliegst raus!“ 

Das wirkte, wenn auch spät: Im Herbst 2021 ging das Opfer ein weiteres Mal zur Polizei. Woraufhin die Anklage dann doch ins Rollen kam. Auch am dritten Tag verfolgt der Beschuldigte das Geschehen vor der 13. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts schweigend. Eine sehr gute Gelegenheit zu reden hatte er am Donnerstag verstreichen lassen. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt. Unter anderem mit psychiatrischen Gutachten.