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„Schlichtweg unsäglich“So reagieren Leverkusener Schulen auf die Abi-Panne

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Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Leverkusen.

Auch das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium war am Dienstag lange mit den technischen Problemen um die Abitur-Prüfungen beschäftigt (Archivbild)

Leverkusener Gymnasien standen am Dienstag vor einem noch nie dagewesenen Problem: Die Abitur-Prüfungen fehlen. Nur eine Schule hatte Glück.

Die Verschiebung der Abiturprüfungen am Vorabend des geplanten Prüfungsbeginns hat an Leverkusener Gymnasien für Unmut gesorgt. „Es war schlichtweg unsäglich“, erzählt Bruno Bermes, Schulleiter der Gesamtschule Schlebusch (GLS), im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Die Technik-Panne habe die gesamte Tagesplanung der Schulleitung und des Kollegiums auf den Kopf gestellt: „Der Download der Prüfungen war für 12 bis 14 Uhr angesetzt. Letztendlich standen die Lehrer bis 16 Uhr vor meinem Büro Schlange. Dann habe ich sie nach Hause geschickt.“

Leverkusener Schulleiter: „Eine absolute Zeitverschwendung“

Drei weitere Stunden habe man damit verbracht, an die Prüfungen zu gelangen – vergeblich. „Eine absolute Zeitverschwendung“, so Bermes. Um 20.15 Uhr folgte die Hiobsbotschaft des Schulministeriums: Die für Mittwoch angesetzten schriftlichen Abitur-Prüfungen in den Fächern Biologie, Chemie, Ernährungslehre, Informatik, Physik und Technik im Grundkurs und Leistungskurs werden auf Freitag, 21. April, verlegt.

Glücklicherweise konnten er und das Kollegium alle Schülerinnen und Schüler rechtzeitig über die Absage informieren, denn am Mittwoch tauchten keine Prüflinge an der Schule auf. „Die Kollegen finden es natürlich für die Schüler bedauerlich. Denn jetzt fehlt ihnen ein Vorbereitungstag. Den Freitag hätten sie für die Vorbereitung der Klausuren am Montag nutzen können und einen Ruhetag braucht man zwischen wichtigen Prüfungen auch.“ Bermes kritisiert, dass es für solche technischen Probleme scheinbar keine Notfallpläne gebe.

Abi-Verschiebung „zähneknirschend akzeptiert“

Auch das Kollegium des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums war bis in die Abendstunden beschäftigt, erzählt Schulleiter Andreas Röhrig: „Die Situation haben alle irgendwie zähneknirschend akzeptiert. Es bleibt uns ja auch nichts anderes übrig.“

Die Schülerinnen und Schüler reagierten verhalten auf die Abi-Verschiebung: „Sie waren natürlich nicht erfreut, weil sie für heute vorbereitet waren und sich auf die Prüfungen eingestellt hatten.“ Insgesamt sei die Reaktion von Lehrern, Eltern und Schülern moderat gewesen: „Es hat sich bei uns niemand beschwert, aber es wissen ja auch alle, dass wir das nicht zu verantworten haben.“

Nun stehe die Planung für den Ersatztermin am Freitag an, so Röhrig: „Aber Voraussetzung, dass der Plan stattfinden kann, ist, dass der Download funktioniert. Wir hoffen, dass die technischen Probleme in den Griff zu bekommen sind. Mehr können wir als Schule nicht tun.“

Abiturprüfungen: Schule in Wiesdorf ohne Download-Probleme

Einige wenige Schulen in NRW sind am Dienstag auf keine technischen Probleme gestoßen und konnten die Prüfungen wie geplant herunterladen. So auch das Lise-Meitner-Gymnasium in Wiesdorf, sagt Schulleiter Stefan Thielen: „Im Vergleich zu unseren Kollegen war unser Tag relativ entspannt.“ Dennoch müssen die Schüler und Lehrer nun auf den neuen Termin am Freitag warten: „Einige Schüler haben sowieso Prüfungsangst. Dagegen müssen sie nun zwei weitere Tage ankämpfen.“

Zugang Lise-Meitner-Gymnasium Leverkusen

Das Lise Meitner Gymnasium in Leverkusen.

Thielen weiter: „Schade finde ich die Situation auch für unsere muslimischen Schüler, die am Freitag das Zuckerfest feiern wollen. So entstehen in bestimmten Punkten Nachteile für einige.“ Mit dem Zuckerfest endet traditionell der Fastenmonat Ramadan. Die Opposition im NRW-Landtag hatte die Verschiebung auf den muslimischen Feiertag kritisiert. 

Lob und Kritik für Schulministerin Feller

Schulministerin Dorothee Feller (CDU) kündigte am Mittwochmittag an, dass Schüler, die wegen des Zuckerfestes nicht an der Prüfung teilnehmen wollen, nachschreiben können. In einer Videomitteilung bat sie alle Betroffenen für die Verschiebung um Entschuldigung. Die Entscheidung, den Start der Prüfungen zu verschieben, sei sehr schwergefallen. Sie könne verstehen, dass Schüler und Lehrer „echt sauer“ seien, sagte die Ministerin: „Das bin ich auch.“

Die „Schüler Union NRW“, eine Arbeitsgemeinschaft der Jungen Union, lobte die CDU-Ministerin „für die schnelle Reaktion auf die technische Störung.“ In einer Pressemitteilung heißt es, man habe mit „großem Entsetzen“ von der Störung erfahren: „Umso besser ist jedoch, wie schnell das Ministerium für Klarheit gesorgt hat.“

Die „Landesschüler*innenvertretung NRW“ (LSV) kritisierte Feller hingegen: „Schon wieder müssen wir Schüler*innen das Versagen der Landesregierung ausbaden“, wird Vorstandsmitglied Phil Robin Weber (SPD) in einer Pressemitteilung zitiert. Vorstandskollege Sebastian Dahlmann fügt hinzu: „Unser aktuelles Schulsystem erzieht die Schüler*innen dazu, Inhalte nur für einen bestimmten Zeitraum – den Tag der Klausur – abrufen zu können. Das wirkt sich natürlich auch aus, wenn die Klausur jetzt weiter nach hinten verschoben wird.“

Bruno Bermes von der GLS hat sich am Mittwochmittag Zugriff auf die Prüfungen am Donnerstag verschaffen können. Allerdings wurde er beim Download nicht nach einer 2-Faktor-Authentifizierung gefragt, wie es das Ministerium vorab eingehend angekündigt haben soll. An diesem Schritt sind die Schulen am Dienstag gescheitert. Bermes vermutet, dass die Sicherheitsmaßnahme, die vor unbefugten Zugriffen schützen soll, abgeschaltet wurde, damit der Download funktioniert.


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